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Tränen fließen am Telefon

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Diakonisches Werk Wetterau öffnet Tagesstätte auch in Butzbach / Derzeit noch kein voller Betrieb für alle

BUTZBACH (pm). Die fünf Tagesstätten sowie die Werkstatt des Diakonischen Werks im Wetteraukreis (DWW) öffnen wieder für kleine Gruppen und mit Einschränkungen. Das teilt das DWW mit.

Das DWW bietet in Büdingen, Butzbach, Friedberg, Karben und Nidda in fünf Tagesstätten (TS) und einer Werkstatt Tagesgestaltung und Beschäftigung für Menschen mit psychischen Erkrankungen und seelischen Behinderungen. Wie alle Gemeinschaftseinrichtungen konnten die Angebote in den letzten Wochen nicht oder nur extrem eingeschränkt von den Menschen genutzt werden. Seit Mitte Juni wird nun schrittweise und unter neuen Bedingungen wieder geöffnet. 

Im Alltag einen roten Faden zu finden ist für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung häufig eine tägliche Herausforderung. In Tagesstätten werden sie dabei unterstützt, ihren Tag zu strukturieren, Kontakte zu knüpfen und ihre Freizeit zu gestalten. Viele im Alltag einsame Besucher haben in der Tagesstätte ihre einzige familiäre und freundschaftliche Gemeinschaft. So ist die Erleichterung groß, dass es nun wieder losgeht.

Als die Mitarbeiter des DWW montags früh Mitte März bei den Menschen einzeln anriefen, um die Schließung auf ungewisse Zeit mitzuteilen, war dies ein tiefer Einschnitt. 

In diesen Gesprächen wurden auch gleich weitere Telefonate zur Begleitung in dieser Zeit vereinbart. Als Hilfe und für den persönlichen Austausch konnten die Menschen täglich von 10 bis 13 Uhr in der Tagestätte anrufen. So wie es möglich war, verabredeten sich Mitarbeiter mit Tagesstätten-Besuchenden zu Einzel-Besuchen im Freien. Je nach Besetzung mit Personal und zugeschnitten auf die jeweiligen Besuchergruppen, hatten die fünf verschiedenen Tagesstätten insgesamt ein breites Programm gestaltet. Zum Beispiel wurden auch Videos mit Grüßen oder Kochrezepten versendet und Päckchen mit Knobelaufgaben oder Bastelanleitungen den Menschen nach Hause gebracht.

Seit Montag, 8. Juni, können sich – mit starken Einschränkungen –Besucher wieder beispielsweise in Friedberg in der Tagesstätte treffen. Zwei Gruppen mit je drei und vier Besucher dürfen zwei Mal in der Woche für drei Stunden kommen. Die Entscheidungen, wer kommen darf und wer nicht, sind laut DWW schwierig, da die Informationen des Landes Hessen und des Diakonie-Landesverbandes zu Risiken bei Grunderkrankungen sich teils täglich ändern. 

Leider gibt es mittlerweile doch die ersten massiven Krisen bei Tagesstätten-Besucher, berichtet das DWW aus Friedberg. Für einige Wenige ist es schwer nachvollziehbar, warum andere wieder kommen dürfen, sie selbst aber noch nicht. „Da fließen auch Tränen am Telefon“, erzählt Sascha Kendel und erklärt „dass sich diese Übergangszeit für alle Beteiligten deutlich unübersichtlicher und komplizierter gestaltet als die komplette Schließung“. Alles, was angeboten werden kann – Gruppengröße, Anzahl der Besuchenden, mögliche Aktivitäten – werde sich danach richten, wie sich die Lockerungen weiter entwickeln. Denkbar seien als nächster Schritt gemeinsame Wanderungen in Feld und Wald mit bis zu zehn Teilnehmern .

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