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Traumfrauen mit Kernkompetenz Musik

KONZERT Quartett Belle Mélange gastiert mit Programm „Cherchez la femme“ in Alter Turnhalle

BUTZBACH (mit). Belle Mélange – bittersüße Mischung, genau dies brachten vier Vollblutmusikerinnen am Samstagabend in die vollbesetzte Alte Turnhalle in Butzbach. Zunächst gab es leichte Startschwierigkeiten, denn Theresa Heinz (Sopran), Nadja Schneider (Cello) und Polina Blüthgen (Querflöte) hatten das unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas fehlte, als sie anfangen wollten. Bevor sie dieses Gefühl ergründen konnten, betrat Vitalina Pucci (Flügel) mit einem Glas Sekt und einem vergessenen Lockenwickler im Haar ganz gelassen die Bühne.

Das Quartett startete mit der Eigenkomposition und dem Motto „Cherchez la femme“ in den unterhaltsamen Abend. Zunächst bekam das erstaunte Butzbacher Publikum von Heinz, die sich im Laufe der Veranstaltung durch ihr lebensfrohes Wesen gepaart mit einer tollen Stimme und großer Ausstrahlung als Mittelpunkt des Geschehens herauskristallisieren sollte, eine komplett neue Version der Schöpfungsgeschichte nahegebracht. Welcher Butzbacher wusste vorher, dass der erste Mensch in Butzbach erschaffen wurde und zudem eine Frau war? Nur ihrer Einsamkeit war es geschuldet, dass dann noch der Mann nachgeschoben wurde, den die Frau dann ganz okay fand. Spätestens jetzt war jedem klar, dass die „mitgeschleppten“ Männer einen nicht ganz einfachen Abend vor sich haben würden. Hieß das Programm im Untertitel doch „Was Mann wissen muss“.

Wie sich die vier Profimusikerinnen zusammengefunden hatten, wurde ebenfalls geklärt, handelt es sich doch um eine Oberhessin gepaart mit Weißrussland, Russland und Ukraine. Beginnend im Internet mit Heiratsannoncen unter der Rubrik „Traumfrau gesucht“, sei frau schnell dahintergekommen, dass das „Objekt der Begierde“ ein gemeinsames gewesen sei und frau habe sich dann schnell auf die Kernkompentenzen … die Musik … besonnen.

Mit dem Lied „Herrliches Weib“ von Georg Kreisler wurden die Männer gewarnt, dass die äußeren Vorzüge einer Frau auf Dauer nicht ausreichen, wenn sie nicht kochen, lesen, schreiben, denken, tanzen und singen könne. Überhaupt sei der Abend ja eine Lehrveranstaltung über die Frau und alles, was ihr Universum bewegt und in Walllung bringt. Ihre natürlichen Feinde seien unter anderem die Schwerkraft, skinny Jeans und das deutsche Steuergesetz.

Ein erstes Beispiel ihrer guten oberhessischen Sprachkenntnisse gab Heinz in einer Neuinterpretation des 70er Jahre Hits von Gloria Gaynor  „I will survive“. Das Liebeskummerlied „Ich geh da dorsch“ begeisterte das Publkum. Mit dem Instrumentaltitel „Tango Mélange“ und dem ruhigeren Song „Sag es nicht“ bedienten die Vier dann ein ganz anderes Musikgenre.

In einem Programm um die Frau darf natürlich das Thema „Liebe“ nicht fehlen. Mit dem Habanera-Rap „Ja, die Liebe“ wurde dem auch Rechnung getragen. Schwarzhumorig ging es dann weiter mit der Interpretation des Kreisler/Bronnersongs „Bitte erschieß deine Gattin“.  „Black coffee“ war in der A-cappella-Ecke angesiedelt und zeigte, welche Töne normalen Haushaltsgeräten wie zum Beispiel einer alten Kaffeemühle zu entlocken sind.

Ein absoluter Höhepunkt des Abends war die Parodie des Schlagers von Evelyn Künneke „Ach Egon“. Nachdem die Diskussion über sekundäre Geschlechtsmerkmale bei dem Begriff „Brust“ jedes Mal mit einem Prost aus kleinen Wodkaflaschen endete, war der Weg nicht mehr weit von der Bühne ins Publikum und aus Egon wurde passend „Iwan“.

Jetzt mussten einige Herren ganz stark sein, denn Heinz scheute auch nicht vor Tuchfühlung zurück. Wahre Lachstürme erzielten ihre Versuche, die Balaleika, ohne die kein russisches Lied auskommt, mit ihrer Zunge oder Gurgeln zu imitieren.

Nach der Pause konnte nicht länger ein zentrales Thema, wenn es um Frauen geht, ignoriert werden. Ein kurzer Test brachte das Dilemma ans Licht. Auf die Frage „Welche Frau im Publikum ist zu hundert Prozent mit ihrer Figur zufrieden?“,  waren keine Meldungen erkennbar. Die Protagonistinnen auf der Bühne gestanden unterschiedliche Diätversuche ein. So waren die Wodkadiät (Verliere drei Tage in einer Woche) und die Amputationsdiät als die drastischsten zu nennen. Die Parodie auf den Charles-Aznavour-Titel „Du lässt dich gehen“ passend mit französischem Akzent „Isch lass misch gehen“ passte zum Thema. Nachdem frau festgestellt hatte, dass die hessische Essich-Diät (Ess ich oder ess ich nicht) dann doch wohl die angenehmste sei, widmete sich der „Nutella Blues“ dann dem wahren Genuss. Otto Reutter hat es mit seinem Lied „Nehmse n Alten“ schon Anfang des letzten Jahrhunderts besungen, diesen eindringlichen Rat gaben jetzt auch „Belle Mélange“.

Mit dem Instrumentaltitel „Oblivion“ und dem nachdenklichen „Geh leben, Engel“ bewies das Quartett noch einmal seine große Musikalität. Ein Mitmachlied nur für Männer und der Titel „Man´s World“ von James Brown sollten den Abend beenden. Unter Schunkeln folgte man  in der Zugabe Georg Kreisler zum „Taubenvergiften im Park“ und ließ sich mit „Isch geh da dorsch“ nach Hause begleiten. Ein äußerst vergnüglicher Abend ging unter großem Beifall zu Ende. Am 8. März zum Weltfrauentag kann man die vier Damen in der Alten Turnhalle mit ihrem neuen Programm „Lebe Live! – für Probleme ist mein Leben zu kurz“ wiedersehen.

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