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Trost trotz der heiklen Situation

BUTZBACH. Konditorin Barbara Kaminski lieferte zehn Schwarzwälder-Kirsch-Torten an die Awo-Seniorenresidenz am Landgrafenschloss. Foto: auf

Fragen und Sorgen, aber auch schöne Begebenheiten in Coronavirus-Zeiten in Butzbacher Seniorenheimen

BUTZBACH (amf). Das Wüten des Coronavirus wirkt sich auch auf die Butzbacher Seniorenheime aus. Das Besuchsverbot in den Seniorenheimen gilt schon seit zwei Wochen, weshalb die Bewohner keinen bis kaum Kontakt zu ihren Angehörigen haben können. Das Haus Evergreen und die Awo am Landgrafenschloss verändern ihren Alltag mit dem Coronavirus. Die Atmosphäre im Altenheim sei sehr bedrückend und die ganze Situation sei angespannt und problematisch, so Betriebsleiter Uwe Holländer von der Awo am Landgrafenschloss. 

„Die Bewohner sind es gewohnt, Besuch zu bekommen. Nun fühlen sie sich einsam und isoliert von ihren Angehörigen, da striktes Besuchsverbot herrscht“, berichtet er. Er fügt hinzu, dass viele Bewohner Unsicherheit empfinden, unglücklich und einige trostlos sind, da für sie in erster Linie nicht absehbar sei, ob sie überhaupt noch einmal ihre Liebsten wiedersehen werden. „Es werden täglich Tränen von den Senioren vergossen, da sie sich antriebslos fühlen und am Limit sind. Oft am Tag höre ich „Sehe ich meine Familie überhaupt noch einmal wieder?“, erzählt Holländer über die Situation in der Awo im Landgrafenschloss. Um diese Traurigkeit zu lindern, hat die Awo im Landgrafenschloss es eingerichtet, dass montags bis freitags von 14.00 bis 15.00 Uhr etwas für die rund 100 Bewohner abgeben werden kann. Zudem werden täglich nacheinander die Bewohner, die Lust haben eine Runde zu gehen, auf einen Spaziergang in den Garten der Awo hinausgeführt.  

Auch das Haus Evergreen musste sich an die neuartige Situation anpassen. Lars Albert, Einrichtungsleitung des Hauses Evergreen, erzählt: „Wir nutzen diese Zeit und ermöglichen unseren Bewohnern vermehrt Einzeltherapien oder Gartenspaziergänge. Aktivitäten wie die Zehn-Minuten-Aktivierung, Zeitungs-, und Kartenrunden oder auch Gymnastik auf den Wohnbereichen stehen weiterhin auf dem Plan. Zudem backen wir mit den Bewohnern oder bieten Gedächtnistraining an.“ Trotzdem würde in beiden Seniorenheimen Verständnis für das Besuchsverbot und das Einstellen der meisten Aktivitäten gelten. Albert stellt fest: „Den meisten unserer Bewohner ist bewusst, dass sie zur Risikogruppe gehören. Sie befürworten deshalb die von uns getroffenen Maßnahmen.“ 

Die Bewohner hätten in der Awo am Landgrafenschloss keine Ausgangssperre, werden vom Personal jedoch oftmals daran erinnert, Abstand zu halten, das Seniorenheim nicht zu verlassen und sich so oft wie möglich die Hände zu waschen oder zu desinfizieren. Außerdem versuche man durchzusetzen, dass sich nicht näher als einen Meter genähert wird, was sehr schwierig sei, bei einer Wohngemeinschaft von 110 Menschen, schildert Holländer.  

„Auch für das Personal ist die gesamte Lage anstrengend“, berichtet Holländer weiter. „Das Pflegepersonal muss ohnehin mit einer großen Verantwortung und enormem Druck umgehen, was durch die Corona-Situation intensiviert wird.“ Er bekomme oftmals von Pflegekräften mitgeteilt, wie besonders jetzt der Druck beim Arbeiten steige, da viele daran denken, den Virus nicht mit ins Seniorenheim zu bringen, da sonst eine Katastrophe beginnen könnte. Außerdem wird nach wie vor in beiden Residenzen der Hygieneplan nach wie vor strikt eingehalten, dennoch sind die Hygienemaßnahmen verschärft. Handläufe und Türklinken werden nun nicht mehr einmal die Woche desinfiziert, sondern zwei Mal am Tag. Des Weiteren sei besonders in diesen Zeiten die Distanz zu wahren auch für das Personal schwierig. Holländer macht dies an diesem Beispiel deutlich: „Wie kann man eine Person nicht umarmen wollen, die weint, Trost sucht oder sich verloren fühlt?“ Trotz der heiklen Situation werden alle Bewohner genauso behandelt und versorgt wie früher, versichert er.  

Albert berichtet über das Personalverhältnis: „Der Zusammenhalt in der Kollegenschaft ist groß, man hilft einander und hat Verständnis für die Sorgen und Nöte. Die Bewohner sind dankbar für die Fürsorge und versuchen gemeinsam, die Situation zu meistern.“ Personalmangel gäbe es auf Grund des Viruses noch keinen, beteuern beide. Holländer erzählt, dass zwei Pflegefachkräfte Anfang März in ihre Heimatländer Kamerun und Kosovo geflogen sind und es immer noch nicht geschafft haben, zurück zu kommen, da beide nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besäßen und deswegen nicht in der Rückholaktion zurückgeflogen werden. 

Auch während einer Sterbephase werden neue Maßnahmen deutlich: Jeweils höchstens bis zu zwei Angehörige dürfen gleichzeitig in die Seniorenresidenz Awo. Nachdem Hände gewaschen und desinfiziert und der Mundschutz aufgesetzt wurde, dürfen die Angehörigen auf direktem Weg nach enger Absprache mit dem Personal die im Sterben liegende Person sehen. Auch im Seniorenheim Evergreen müssen sich Besucher in diesem Fall registrieren und gegebenenfalls eine Temperaturmessung absolvieren.

BUTZBACH. Besuche von Senioren in Heimen und anderen Einrichtungen sind stark reglementiert, unter anderem weist das Haus Evergreen in Butzbach am Eingang darauf hin.  Text + Fotos: amf

BUTZBACH. Die Schwarzwälder-Kirsch-Torten wurden über Spenden finanziert. Foto: auf

 

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