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TSV übersteht wechselvolle Zeiten

BUTZBACH (ba). Die alte Turnergarde des TSV 1846 Butzbach beim 150-jährigen Jubiläum des Traditionsvereins im Foyer des Butzbacher Bürgerhauses, die sich große Verdienste um die Turnerei in Butzbach erworben hat. – Das Foto zeigt (v.l.) Werner Meyrahn, Elli Haltmeier, Dr. Willi Nern, Isolde Leistert und Willi Büttner.

Verbot, Zusammenlegung, neue Abteilung und Hallenbau prägen 175 Jahre im Butzbacher Jubiläumsverein 

BUTZBACH (ba). Der TSV 1846 Butzbach feiert in diesem Jahr Jubiläum und blickt nunmehr auf 175 Jahre Turn- und Sportbewegung zurück. Die Anfangszeit des Vereins war wechselhaft. 

Die Freude am Vereinsturnen dauerte nach der Gründung nicht lange. Im Juni 1847 erreichte die Turner die Nachricht von der Auflösung sämtlicher Turnvereine im Großherzogtum Hessen. Die Turner hätten sich in die Politik eingemischt, um für ein vereintes Deutschland zu werben. 1848 wurde das Turnverbot wieder aufgehoben. Die zweite Auflösung vollzog sich im August 1852, obwohl in Gießen und Offenbach die Turner weiter aktiv sein durften. Die gesamte Führungsschicht in Butzbach mit Bürgermeister Kraus, einem Mitstreiter Weidigs, an der Spitze war Mitglied der Turngemeinde und wurde auch weil das verbotene Feldbergturnfest ersatzweise auf dem Schrenzer durchgeführt werden sollte, daher von der Regierung mit besonderem Argwohn betrachtet. 

Erst im August 1859 vollzog sich die Neugründung des Vereins. Der alte Turnplatz wurde wieder gemietet und Turngeräte besorgt. Im Jahr 1866 wurde die Freiwillige Feuerwehr Butzbach gegründet. Turnwart Störiko war erster Hauptmann der Wehr, der 45 Turner beitraten. 1874 wurde die vereinseigene Turnhalle eingeweiht. Der Hallenbau war für Moritz Kuhl eine Herzensangelegenheit. 

Im Februar 1876 starb Kuhl, der den Verein 27 Jahre lang führte. Er war ganz von den Idealen Weidigs durchdrungen und stellte sich Zeit seines Lebens mit seiner ganzen Schaffenskraft in den Dienst der deutschen Turnerei. Er war der erste Kreisvertreter des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft und zählte zu den Mitbegründern des Feldberg-Turnfestes. Im gleichen Jahr wurde eine erste Fechtriege aufgebaut. 

Da die vereinseigene Turnhalle als baufällig eingestuft wurde, fasste der Vorstand der Turngemeinde im Jahr 1896 den Beschluss, eine neue Halle zu bauen. Die Hauptversammlung fällte 1897 mit knapper Mehrheit gegen die Meinung des Vorstandes folgende Entscheidung: Die Stadt Butzbach möge den gekauften Bauplatz mit sämtlichen Kosten übernehmen und den Hallenbau ausführen. „Dadurch ist der Verein nicht mehr Herr im eigenen Haus“, verlautete es damals aus dem Vorstand, der geschlossen zurücktrat. Am 1. Mai 1899 wurde die Alte Turnhalle in der August-Storch-Straße bezogen. 

Das Jahr 1900 gilt als die Geburtsstunde des Frauenturnens in der Turngemeinde. Diese Idee wurde von dem damaligen Vorsitzenden Professor Albert Wamser tatkräftig unterstützt.  

1921 wurden die Abteilungen Handball, Schwimmen, Fechten, Boxen und Leichtathletik gebildet. Daher erhielt die Turngemeinde einen neuen Namen: Turn- und Sportverein Butzbach, Turngemeinde von 1846. Der Sportplatz am Ostbahnhof wurde 1924 angeschafft. Beinahe die gesamten Kosten wurden von Vereinsmitgliedern übernommen. Viele Turner, Handballer und Leichtathleten stellten zum Ausbau der Anlage ihre „Manpower“ zur Verfügung. Auf Grund der politischen Verhältnisse wurden der TSV, der VfR und der Arbeitersportverein zu einem Turn-  und Sportverein im Reichsbund für Leibes-übungen zusammengelegt. 

1936 bei der 90-Jahr-Feier des TSV wurde das Weidig-Bergturnfest aus der Taufe gehoben. Es fand am 13. Juni 1937 vor Tausenden von Zuschauern erstmals auf dem Schrenzer statt und wurde von den Nationalsozialisten für ihre Zwecke instrumentalisiert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte die Zwangsauflösung des Turn- und Sportvereins durch die amerikanische Besatzungsmacht. Eine Kultur-und Sportgemeinschaft (KSG) wurde gegründet. Aus dieser KSG ging 1946 die Tischtennis-Abteilung, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiert, hervor. 

1947 erhielt der Verein seinen angestammten Namen TSV 1846 Butzbach zurück. Die Fußballer des VfR, die 1933 beigetreten waren, machten sich nach 22 Jahren Zugehörigkeit zum TSV wieder selbständig. Die Box-Abteilung hatte einen erheblichen Mitgliederschwund zu verzeichnen und löste sich 1959 auf. Die Fecht-Abteilung beendete ebenfalls infolge personeller Engpässe ihren Sportbetrieb und verschwand 1973 von der Bildfläche. Die Schwimmer des TSV wechselten im gleichen Jahr zur DLRG-Ortsgruppe Butzbach. 1974 kam es zur Gründung der Abteilungen Basketball und Volleyball. 

 

BUTZBACH (ba). Der TSV 1846 Butzbach feiert am 28. März 2021 seinen 175. Geburtstag. Vier 1. Vorsitzende des TSV befinden sich gleichzeitig auf diesem Foto, das am 1. Dezember 1997 entstand: stehend, v.l.: Andreas Groth (Abt.-Leiter Tischtennis), Alfred Jung (ehemaliger Vorsitzender), Reinhard Auer (Kassenwart), Hermann Bang (damals amtierender Vorsitzender), Michael Rüspeler (Abt.-Leiter Basketball und jetztiger Vorsitzender), Hans Nandzik (Abt.-Leiter Volleyball) und K. Krüger (Abt.-Leiter Handball); sitzend, v.l.: Ursula Gratzfeld (Abt.-Leiterin Turnen), die Ehrenvorstandsmitglieder Otto Brand und Isolde Leistert und Dieter Giebel (ehemaliger Vorsitzender).

Im Jahr 2007 präsentierte sich der TSV beim Hessentag in Butzbach und stellte eindrucksvoll die große Vielseitigkeit eines Mehrspartenvereins unter Beweis. Auf dem Schrenzer fand 2011 das 70. und vorerst letzte Weidig-Bergfest statt, weil die Teilnehmerzahlen und auch die Anzahl der Helfer sehr stark rückläufig waren. 2014 wurde in Gemeinsamkeit mit dem Hessischen Turnverband im historischen Rathaus am Marktplatz eine Weidig-Ausstellung unter Leitung des ehemaligen Sportkreisvorsitzenden Rolf Lutz zusammengestellt. Damit einher ging ein wunderbarer, stimmungsvoller Berg-abend. 250 geladene Gäste erlebten auf dem Schrenzer unter dem Motto „200 Jahre Turnplatz in Hessen“, eine gelungene Gemeinschaftsveranstaltung des HTV und des gastgebenden TSV. Die Olympiateilnehmer Willi Jaschek und Fabian Hambüchen gehörten zu den Ehrengästen. Den Festvortrag hielt Butzbachs Museumsleiter Dr. Dieter Wolf. 

  

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