Überwiegende Mehrheit der Grundschüler bleibt zu Hause

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Überwiegende Mehrheit der Grundschüler bleibt zu Hause

Ein Fünftel bis ein Viertel nimmt am Präsenzunterricht teil / Lehrer bringen Päckchen mit Arbeit vorbei

BUTZBACH (thg). Etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Schüler an Butzbacher Grundschulen erschien gestern zum Unterricht. Die überwiegende Mehrheit blieb also zu Hause und folgte damit den Appellen, unter den Bedingungen der Pandemie den „Distanzunterricht“ zu bevorzugen. Von einem guten Start berichteten Grundschulleiterinnen, wobei die Resonanz auf den ersten und zweiten Schultag aber noch abzuwarten sei. 

„Gut angelaufen“ sei der Schulbetrieb nach den Ferien, berichteten die Kernstadt-Schulleiterinnen Cornelia Jüttner-Tunkowski von der Degerfeldschule und Christa Oechler von der Stadtschule. Sie wie auch die Leiterinnen der Hausbergschule Hoch-Weisel, Anja Andres, und der Gönser Grundschule, Anette Schliebener, hoben hervor, dass die Rückmeldung der Eltern auf die Frage, welche Kinder am Montag in die Schule kommen würden, schnell beantwortet wurden. Schliebener hob die enge Vernetzung im dörflichen Bereich hervor, Oechler berichtete, dass die Klassenlehrer engen Kontakt zu den Eltern halten. 70 von 430 Stadtschülern, fast ein Viertel der 220 Hausbergschüler, 34 der 128 Gönser Grundschüler und 75 Schüler der Jahrgänge eins bis sechs der Stadtschule waren gestern anwesend. 

Nahezu alle Lehrer der genannten Schulen sind vor Ort. Nur an der Hausbergschule sind einzelne der 17 Lehrer im Homeoffice. Alle zehn Lehrer sind an der Gönser Grundschule im Einsatz, auch wenn zwei zu Risikogruppen zählen. 

Für die Daheimgebliebenen haben die Schulen jeweils ähnliche Konzepte entworfen. So erhalten vor allem die jüngeren Schüler Päckchen mit Material für die Arbeit zu Hause. Teils haben Lehrer sie schon am Wochenende selbst zu den Kindern gebracht, teils hatten Degerfeldschüler die Gelegenheit, die Unterlagen an einem Fenster abzuholen verbunden mit einem Gespräch mit den Lehrern. 

Digitale Möglichkeiten sind je nach Altersstufe unterschiedlich im Einsatz. An der Degerfeld- und an der Hausbergschule gibt es jeweils Eingangsklassen. An der Degerfeldschule ist für sie etwa die digitale Pinnwand verfügbar beispielsweise mit kurzen Filmen zu Themen. Mit der Wetterauer Schul-Plattform Wtkedu arbeitet die Hausbergschule, aber auch per E-Mail werden über die Elternvertreter Aufgaben verteilt. Individuell – auch je nach Ausstattung mit technischen Geräten bei den Schülern zu Hause – arbeiten die Lehrer an der Stadtschule. Dort hat auch jeder Schüler ein Passwort für die Schulcloud. Aufgrund der hohen Zugriffszahlen sei aber die Technik kurzzeitig zusammengebrochen.  An der Gönser Grundschule laufen die Vorbereitungen auch über andere Kanäle, damit in der nächsten Woche dann Videokonferenzen stattfinden können. Schulleiterin Schliebener hob das enge Kommunikationsnetz mit den Eltern hervor. 

Auch wenn das Mischsystem aus Präsenz- und Distanzunterricht ein schwieriges Modell sei, haben sich die Lehrer doch auf den Lockdown vorbereitet. Die Schulleiterinnen unterstrichen, dass die Erfahrungen aus dem März und April genutzt wurden, um sich unter anderem digital „gut aufzustellen“, so Andres, und „deutlich entspannter“ in diese Phase zu gehen. Schliebener sagte, die Schule habe es geschafft, aus den „schrägen Vorgaben“ aus Wiesbaden ein gutes, wenn auch nicht optimales Bild zu schaffen. Sie seien „von oben nach unten durchgereicht“ worden. Es gebe eine Grauzone, aber auch einen großen Gestaltungsspielraum im ansonsten hierarchischen System Schule. 

Wichtig ist den Schulleiterinnen, dass niemand abgehängt wird im Distanzunterricht, dass die Schüler gleich behandelt werden und dass sie die bestmögliche Unterstützung erhalten. Auf dem Halbjahreszeugnis werden Ende des Monats dann die Bewertungen zu finden sein, die auch vor Weihnachten schon bekannt waren, denn in der Regel waren die Schulen so organisiert, dass beispielsweise alle Arbeiten schon vor der Schließung im Dezember geschrieben waren. 

Bei aller geleisteten Organisation sind sich die Lehrerinnen aber einig darin, dass Präsenzunterricht für die Kinder wichtig ist. „Alle die gekommen sind, freuten sich, hier zu sein“, so Jüttner-Tunkowski. „Es fehlt der Kontakt mit dem Kind in jeglicher Hinsicht“, sagte Andres. Und es fehle das Handlungsorientierte. So würde beispielsweise in der Schule auch nicht experimentiert, den Eltern zu Hause sei dies auch nicht zuzumuten. Schliebener unterstrich, dass sich die Schüler gut aufgenommen und willkommen fühlen: „Wir freuen uns auf Euch, es ist alles vorbereitet“, so die Devise. Es herrsche ein gutes soziales Miteinander. 

Die Schulleiterinnen freuten sich denn auch über wertschätzende Rückmeldungen von Eltern an die Lehrer. Schliebener sprach auch davon, dass ihr nicht gefällt, welches Bild von Lehrern derzeit vermittelt werde, als ginge es ohne sie. Gerade die soziale Ebene lasse sich nur im Präsenzunterricht erfahren. Was den Kindern nun fehle, werde man voraussichtlich in zehn Jahren merken. Die medizinischen Aspekte einmal außen vorgelassen, sagte sie: „Wir würden uns freuen, wenn wieder Regelunterricht stattfinden würden. Aus pädagogischer Sicht ist das besser für die Kinder.“

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