„Um Schmelzen der Gletscher zu verlangsamen, muss etwas geschehen“

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„Um Schmelzen der Gletscher zu verlangsamen, muss etwas geschehen“

BUTZBACH. Trotz jahrelanger Forschung wissen wir immer noch nicht genau, wie schnell der grönländische Eisschild schmilzt. Diese Frage will Regisseur Lars Henrik Ostenfeld, hier mit Professor Alun Hubart am Rand einer Gletschermühle, beantworten, wenn er mit Forschenden auf Expedition geht. Text + Fotos: amh

Dokumentarfilm „Into the Ice“ im Butzbacher Kino / Forschung in Grönland / „Auch in Butzbach handeln“

BUTZBACH (amh).  Der NABU Butzbach, der BUND Butzbach, die Stiftung Kultur und politisches Bewusstsein sowie das Butzbacher Kino luden am Donnerstag gemeinsam zur Präsentation des Dokumentarfilms „Into the Ice“ ein. Nach dem Film bot sich die Möglichkeit,  mit dem Produzenten des Streifens, Stefan Kloos, ein Publikumsgespräch zu führen.

Der Film „Into the Ice“ begleitet drei Wissenschaftler bei ihrer Forschung in die spektakuläre Eiswelt von Grönland. Die Frage der Forscher lautet: Wie schnell schmelzen die Polkappen wirklich? Und welche weiteren Auswirkungen hat dies im Zuge des Klimawandels? 

Regisseur Lars Henrik Ostenfeld begleitete in „Into the Ice“ drei führende Forschende, die ihr berufliches Leben der Erforschung des Klimawandels im ewigen Eis von Grönland gewidmet haben. Es sind die Dänin Dorthe Dahl-Jensen, der Amerikaner Jason Box, und der Brite Alun Hubbard. Mit ihrer Hilfe möchte Ostenfeld versuchen, die Frage zu beantworten, wie schnell der grönländische Eisschild aufgrund des Klimawandels tatsächlich schmilzt und in welchem Umfang der Meeresspiegel dadurch weltweit tatsächlich ansteigen kann. Er hat die Befürchtung, dass, wenn die zur Zeit zugrunde liegenden Annahmen falsch sind, dies eine große Gefahr, vor allem für Menschen, die an Küsten und auf Inseln leben, sein könnte. Und das beträfe, so die Aussage des Films, gut 20 Prozent der Weltbevölkerung.

Im Film wird mit spektakulären Bildern das Innere des Eises gezeigt, als Alun Hubbard, Professor für Glaziologie (Lehre vom gefrorenen Wasser und Gletscherkunde)  an der Arctic University in Norwegen und der Aberystwyth University in Wales sich in eine Tiefe von 175 Metern in eine Gletschermühle abseilt. Das ist bisheriger „Weltrekord“. 

Gletschermühlen sind in der Regel spiralförmige, tiefe und höhlenartige Löcher in der Eisdecke, die dadurch entstehen, dass Schmelzwasser, durch Risse im Eis, kreisförmig abfließt, wie bei einer Badewanne, und dabei auch Sand und kleinere Steine (Mahlsteine) mitführt. Das Wasser kann dann, unterhalb des Eises, bis ins Meer fließen. Eine wichtige Frage für die Forscher ist, ob dies nur zeitweise oder während des ganzen Jahres, also auch im Winter, geschieht, denn dann könnte der Eisverlust der Gletscher möglicherweise größer sein, als bisher gedacht. 

Um das herauszufinden, haben die Forschenden auf dem Höhlenboden eine Bohrung durchgeführt. Nach bereits weniger als zwei Metern stießen sie auf „warmes“ Wasser, was ihre Befürchtungen zu bestätigen scheint. „Wenn man erkennt, was hier vor sich geht, schläft man nachts nicht mehr gut“, so Box. Der 1970 in den USA geborene Box lebt seit zehn Jahren in Dänemark. Auch er ist ein international angesehener Professor für Glaziologie. Er hat seine Professur an der Geologischen Forschungsanstalt für Dänemark und Grönland (GEUS). Er ist zudem einer der Autoren des vierten, fünften und sechsten Sachstandsberichts zum Klimawandel des Weltklimarates der Vereinten Nationen, der 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. 

Das Problem, so die Forschenden, sei, dass es auf Grönland durch den Klimawandel mehr Schneefälle gebe, aber auch mehr Regen, der den Schnee wieder schmelzen lasse.  

Als Erzählerstimme für den Film konnte, auf Grund der langjährigen Zusammenarbeit mit Produzent Kloos, der Sänger und Musiker Campino von den „Toten Hosen“ gewonnen werden. 

Im Anschluss an den Film, stellte sich Kloos dem Publikum zu einem Podiumsgespräch zur Verfügung, in dessen Verlauf noch einige Fragen zum technischen Aufwand einer Produktion dieser Art beantwortete, bei der es aber auch um die Schlussfolgerungen der Ergebnisse der Forschung ging. Kloos betonte, dass noch keine endgültigen Ergebnisse vorlägen. Es würde noch mindestens ein Jahr dauern, bis alle Daten erfasst und ausgewertet wären. Es ist aber klar, so die einhellige Meinung im Auditorium, dass etwas geschehen müsse, um das Abschmelzen der Gletscher, wenn nicht ganz aufzuhalten, so doch aber stark zu verlangsamen. Der Kampf gegen die Erderwärmung und den Klimawandel, so ein Zuschauer, beginne aber nicht auf Grönland, sondern schon in Butzbach und Umgebung. Ein Jeder müsse sich Gedanken machen, ob wirklich jedes Jahr drei mal ein Urlaubsflug nötig sei und ob jede Besorgung mit dem Auto gemacht werden müsse.

Lehrkräfte, die Interesse an Sondervorstellungen für Schulkassen haben (Empfohlen ab der siebten Jahrgangsstufe), können sich per E-Mail unter info@kino-butzbach.de direkt an das Butzbacher Kino wenden. Auf der Internetseite der Film-Verleihfirma Rise and Shine Cinema kann auch kostenloses Begleit- und Arbeitsmaterial für Schulklassen heruntergeladen werden.

BUTZBACH. Stefan Kloos, der Produzent des Films, beantwortete die Fragen des Publikums zum Film auch wie es gelungen sei, Campino von den „Toten Hosen“ als Erzähler des Films zu gewinnen: „Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob er Lust hätte.“

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