„Umfangreiche Aufforstung nötig“

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„Umfangreiche Aufforstung nötig“

BUTZBACH. Die Dürreschäden vom vergangenen Jahr sind in den heimischen Wäldern nicht zu übersehen und auch in diesem Sommer fehlt abermals der Niederschlag, überall in den Wäldern sind graue, kahle Fichtenbestände auszumachen.

TROCKENHEIT – Försterin im Maibacher Revier, Birgit Wetzel, über das Fichtensterben im Staatswald …

BUTZBACH (pd). Der Wald ist in Not, berichtet Birgit Wetzel von der Revierförsterei Maibach. In Folge des Klimawandels und der damit einhergehenden Erderwärmung sind die heimschen Wälder der Erde im Allgemeinen und die Fichte in Europa im Besonderen außerordentlich starkem Stress ausgesetzt. Extreme Hitzewellen mit langanhaltenden Dürreperioden und Orkanereignissen wie zuletzt „Friederike“ und „Burglind“ fordern ihren Tribut. Der sogenannte Brotbaum in Deutschlands Wäldern, die Fichte (Picea albies) ist in Gesamtdeutschland mit 28 Prozent im Ökosystem Wald vertreten. In Hessen liegt ihr Anteil um die 22 Prozent. 

Die 2200 Hektar Waldfläche umfassende Revierförsterei Maibach ist unter anderem für den 540 Hektar großen Staatswald zwischen Maibach und Bodenrod, eingebettet im Stadtwald Butzbach, zuständig. In diesem seit Ende der achtziger Jahre naturgemäß bewirtschafteten Wald stehen etwas über 33 Prozent Fichten im Alter zwischen 60 und 180 Jahren über die ganze Waldfläche verteilt, ferner wachsen junge Fichten von einem bis 59 Jahre aus natürlicher Verjüngung heraus, also nicht gepflanzt, sondern aus der Saat der Altfichten oder „Mutterbäume“ auf rund 128 Hektar über die komplette Fläche verteilt. Dieser hohe Fichtenanteil im Mischwald aus bis zu 20 verschiedenen Baumarten pro Hektar macht deren Ausfall durch die Borkenkäfermassenvermehrung augenscheinlich. 

Infolge des heißen trocknen Sommers und des vorher über den Wald fegenden Orkans „Friederike“ am 17. Januar 2018 fand der rindenbrütende Buchdrucker (Ips typographus) optimale Bedingungen für seine Vermehrung auf, so Wetzel. Seine Bruten konnten sich überwiegend sehr gut entwickeln. Sie gediehen so gut, dass er auch im Innersten intaktester kühler Waldbestände auf frischen Standorten, Fichten zum Absterben brachte. Egal wie dick oder dünn, wie alt oder jung, ob von Buchen oder Eichen umgeben, der Borkenkäfer findet alle Fichten. 

Hinzu kam im zeitigen Frühjahr dieses Jahres ein massiver Kupferstecher (Pityogenes chalcographus)-Ansturm auf insbesondere vorherrschende Fichten hinzu. Sind Fichten durch beispielsweise Wassermangel gestresst, riecht das der Buchdrucker. Er fliegt die gestresste Fichte an und versucht, sich durch die Rinde zu bohren, um unter der Rinde sein Brutnest auszubauen. Die Fichte wiederum wehrt sich mit Harzfluss gegen das Einbohren des Käfers. Bei Wassermangel ist die nötige Harzmenge schnell verbraucht, und dem Käfer gelingt es, sich durchzubohren. Dann ist es für jede Hilfe zu spät, da bringt auch ein hungriger Specht keine Abhilfe.  

Durch den Harzfluss, in der Förstersprache „harzticken“, verstärkt die Fichte ihre Attraktivität für den Buchdrucker, da sie natürlicherweise Angreifer wie rindenbrütende Borkenkäfer mittels Allomone, das sind chemische Signal- und Botenstoffe, im Vorfeld abwehrt. An diese aus Terpenen bestehenden Botenstoffe kann sich ein spezifischer Erreger wie der Buchdrucker unter optimalen Witterungsbedingungen, trocken und warm, anpassen und sie als Erkennungsmerkmal eines geschwächten Organismus nutzen. Kurz gefasst wird aus dem Abwehrstoff ein Lockstoff.  Das wird der Fichte nun zum Verhängnis. 

Wir Försterinnen und Förster versuchen, die befallenen Fichten zu nutzen, bevor die unter der Rinde angelegte Brut innerhalb von sechs Wochen in potenzierter Form – ein Käferpaar kann bis zu 200 Nachkommen zeugen – ausfliegt und die nächsten gesunden Fichten befällt. Dazu läuft man kontinuierlich alle, aber auch wirklich alle Fichten an, um frische Bohrlöcher oder frisches Bohrmehl zu identifizieren.“ Die Fichte wird dann markiert für die möglichst zeitnahe Entnahme und deren Vertrieb auf dem Holzmarkt, was zurzeit ob des hohen Angebotes an Fichtenholz ein nicht einfaches Unterfangen ist. 

Würden die Fichten wie die Eichen oder Tannen tiefer wurzeln, könnten sie aus tieferliegenden Gesteinsschichten Wasser ziehen, dieses ist ihnen mit ihrem relativ flach streichendem Wurzelwerk, das immerhin bis zu 6 Meter tief in die Schieferschichten wurzelt, nicht möglich. Tannen, Eichen und Kiefern können im günstigsten Fall bis zu neun Meter tief wurzeln. „Jedenfalls kommt in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten ein enorm umfangreiches Wiederaufforstungsprogramm auf alle Waldbesitzer sowie ihre Förster zu. Die Fichte gesellt sich, wie bereits erwähnt, von ganz allein wieder hinzu.“

Das Bild zeigt Fraßgänge des Borkenkäfers.

Auch am Samstag war im abgesperrten Staatswald zwischen Müns­ter und Bodenrod eine Harvester-Maschine im Einsatz.

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