„Unterstützung von Schulamt und Ministerium lässt zu wünschen übrig“

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„Unterstützung von Schulamt und Ministerium lässt zu wünschen übrig“

Gewerkschaft kritisiert starke Arbeitsbelastung des pädagogischen Personals vor allem in Grundschulen

WETTERAUKREIS (pm). An vielen Schulen im Schulamtsbezirk Hochtaunuskreis und Wetteraukreis sind die Lehrkräfte deutlich überlastet. Das stellt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fest. Gerade an den Grundschulen erhöhe sich der Druck von Woche zu Woche, da die Lehrkräfte sowohl in Präsenz als auch auf Distanz ihre Schüler unterrichten.

Dies bedeute einen sehr viel höheren Zeitaufwand, da viele Lehrkräfte, die am Vormittag die Kinder in der Schule unterrichten, sich nachmittags um die Kinder kümmern müssen, die zu Hause bleiben. Dadurch werde die Arbeitszeit oft erheblich überschritten. Das führe zu erhöhter Belastung und zunehmend zur Erschöpfung. Ähnliche Auswirkungen, wenn auch aus anderen Gründen und nicht in dieser Häufigkeit (Präsenzunterricht in den Abschlussklassen, oft in zwei Räumen, zusätzlicher Distanzunterricht) zeigen sich für die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen.

Die digitale Ausstattung der meisten Schulen ist laut GEW sehr mangelhaft. Oft fehlen digitale Endgeräte an den Schulen, fehlendes W-Lan und eine schlechte Internetverbindung in den Schulen machen oftmals guten Unterricht unmöglich. Darüber hinaus stelle der defizitäre Netzausbau in einigen ländlichen Gebieten ein großes Problem dar.

Trotz der Möglichkeit der Testung für Lehrkräfte sei die Angst vor Ansteckung bei vielen Lehrkräften groß. Gerade im Grundschul- und Förderschulbereich sei der Abstand nicht zu gewährleisten und eine Maskenpflicht im Unterricht fehlt ebenfalls für die Schüler, wenn auch aus gutem Grund. Die berechtigte Sorge vor einer Ansteckung belastet die Lehrkräfte zusätzlich; immerhin gelten ansonsten im Lockdown in allen anderen Bereichen strengste Vorschriften.

Trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen, der hohen zusätzlichen Arbeitsbelastung und der Gesundheitsgefährdung sind laut GEW viele Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte im Schuldienst weiterhin zu diesem Kraftakt im Interesse der ihnen anvertrauten Kinder bereit, um deren Wohl es den Pädagogen vor allem geht. Aber die Hilferufe häufen sich.

Mit Aufnahme des Unterrichts für die Klassen 1 bis 6 im Wechselmodell werde sich diese Situation nicht weiter entspannen, sondern eher verschärfen. Ziel ist es laut Ministerschreiben vom 8. Februar, möglichst viele Schüler im Präsenzunterricht beschulen zu können. Gleichwohl müssten aber durch Teilung von Klassen und Aussparung einzelner Fächer die Lerngruppen möglichst klein gehalten werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren.  

„Wie aber angesichts fehlender Fachkräfte, verursacht durch eine langfristig fehlgesteuerte und unterfinanzierte Personalpolitik im Bildungswesen, zusätzliche qualifizierte Mitarbeiter gewonnen werden sollen, ist völlig unklar. Angesichts der hohen Arbeitsbelastung in allen Schulsystemen scheint auch die Möglichkeit, den zusätzlichen Bedarf durch bezahlte Überstunden abzudecken, wenig erfolgsversprechend“, so die GEW. 

Bisher schafften es die Lehrkräfte, allen voran die extrem belasteten der Grundschulen, nur mühsam, den Spagat zwischen Distanzunterricht und Notbetreuung zu meistern. Mit dem Wechselmodell würden gleichzeitig für einen Teil der Schüler Präsenzunterricht, für einen weiteren Teil Distanzunterricht und für einen dritten Teil eine Notbetreuung stattfinden. Dies fresse zeitliche Ressourcen und erhöht die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte erneut.

Dem Kultusministerium wirft die Gewerkschaft vor, Zahlen schönzurechnen. Denn deutlich mehr Schüler kämen in den Unterricht als angenommen. Offensichtlich seien in den Klassen 1 bis 6 viele Eltern auf die Betreuung ihrer Kinder durch die Schule angewiesen. 

Die Unterstützung der Schulen von Schulamt und Ministerium lasse sehr zu wünschen übrig. 

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