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Venenmuskelpumpe braucht Training

MEDIZIN – Kerckhoff-Klinik informiert über Besenreiser und Krampfadern, deren Vorbeugung und Behandlung

BADNAUHEIM (pd). Ein Experte der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik weiß Rat zum Thema Besenreiser und Krampfadern. Besenreiser haben bereits 60 Prozent aller 20- bis 29-jährigen Frauen und Männer. Das sind kleine in der Haut gelegene Äderchen, die violett oder blau durch die Haut schimmern. Sie treten überwiegend im Bereich der Kniekehle und Wade auf, hängen aber nicht unbedingt mit einer Krampfader zusammen. Nur bei rund fünf Prozent steckt ein ernsteres Venenleiden dahinter. 

Für das Venenleiden liegt meist eine erbliche Veranlagung vor. Mit zunehmendem Alter steigt generell die Wahrscheinlichkeit, dass sich Besenreiser oder Krampfadern bilden. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Stehberufe oder eine Schwangerschaft. „Normalerweise fließt das Blut aus den oberflächlichen Venen in die tiefer gelegenen Gefäße und dann, entgegen der Schwerkraft, zurück zum Herzen. Dabei verhindern die Venenklappen im Normalfall einen Rückfluss des Bluts. Schließen die Klappen nicht korrekt, staut sich das Blut in den Beinen, tritt nach außen, dehnt die Gefäße – und lässt Krampfadern entstehen“, erklärt Dr. Simon Classen, Direktor des Harvey Gefäßzentrums der Kerckhoff-Klinik. Während Besenreiser meist harmlos und eher ein kosmetisches Problem sind, können Krampfadern schon gefährlich werden. 

Krampfadern sind meistens familiär angelegt und treten bei Frauen viel häufiger als bei Männern auf. Insbesondere im Rahmen der Schwangerschaft können werdende Mütter aufgrund des Geschlechtshormons Östrogen, das das Bindegewebe weicher macht, plötzlich blaue, knotige Schlängelungen oder Knäuel von Hautvenen an den Beinen entdecken. Weitere typische Symptome sind unter anderem schwere müde Beine, Spannungsgefühle in den Beinen, geschwollene Knöchel und Füße, Wärmegefühl und Jucken in den Beinen.

„Krampfadern sind nicht nur Knötchen. Die Belastung des Gewebes durch einen Knoten und durch Flüssigkeiten kann dazu führen, dass es zu Verhärtungen, braunen Flecken oder Entzündungen kommt. Mit der Zeit kann sich eine offene Wunde entwickeln, die nur durch Hauttransplantationen geheilt werden kann. Im schlimmsten Fall entstehen Thrombosen“, erklärt Dr. Classen. „Bei familiären Vorbelastungen sollte unbedingt ein Experte, ein so genannter Phlebologe, darauf schauen, um rechtzeitig – ohne Komplikationen – das Thema zu behandeln“, empfiehlt der Mediziner. 

Wichtig ist Bewegung wie Radfahren, Wandern, Walken oder Schwimmen, um die Venenmuskelpumpe anzuregen, die für den Bluttransport verantwortlich ist. „Wer öfter geschwollene Beine hat, sollte sich regelmäßig kalte Wassergüsse und Wechselduschen entlang der Waden, Knöchel und Füße gönnen“, so Dr. Classen. Wer im Büro arbeitet und viel sitzen muss, kann mit einigen kleinen Übungen seine Venenpumpe aktivieren. Dafür beispielsweise regelmäßig die Zehen auf und ab bewegen oder sie zu Krallen formen. Bei langen Auto- oder Flugreisen sind Kompressionsstrümpfe ratsam. Denn wird von außen Druck auf die Vene ausgeübt, hält die Venenwand dem Innendruck leichter stand und die Venenklappen schließen wieder, was die Entstehung weiterer Aussackungen verhindert. Die gängigste und einfachste Methode, um Besenreiser zu entfernen, ist die Verödung (Mikrosklerotherapie). Zu einer Operation bei einem Venenleiden raten die Gefäßchirurgen der Kerckhoff-Klinik dann, wenn große oberflächliche Venen oder deren Seitenäste zu Krampfadern erweitert sind oder sich ein offenes Bein zu entwickeln droht. Das gebräuchlichste Verfahren ist das Stripping: Über einen kleinen Schnitt in der Leiste führt der Chirurg eine Sonde in das Blutgefäß ein. Darüber wird die erkrankte Stammvene mitsamt ihren Seitenästen in einem Stück aus dem Bein herausgezogen. Häufig ziehen Gefäßchirurgen nur die kranken Abschnitte der Vene und ihre Seitenäste.

Bei der Radiowellentherapie wird eine Sonde in die große oberflächliche Sammelvene eingeführt. An der defekten Schleusenklappe werden die Radiowellen aktiviert und der Katheter langsam zurückgezogen. Dabei werden die Hauptvene und die einmündenden Verbindungsvenen bei einer Temperatur von 80 bis 90 Grad von innen „geschmolzen“ und so verschlossen. 

Eine weitere Alternative bei der Behandlung kleiner Krampfadern ist die Schaumverödung (Skelorisierung). Dabei spritzt der Phlebologe einen Verödungsschaum direkt in die Krampfader. 

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