„Zu Hause“: Regenbogen-Aktion in der BZ
25. März 2020
„Landwirtschaftliche Versorgung sicher“
25. März 2020

Verborgener Schatz neu entdeckt

BUTZBACH. Der gotische Altar in der Kirche Sankt Gottfried ist mit dem heutigen Fest Mariä Verkündigung verbunden.

Der gotische Altar in der Kirche Sankt Gottfried Butzbach / Am heutigen 25. März Fest Mariä Verkündigung

BUTZBACH (pm). Dem Besucher der Sankt Gottfriedskirche in Butzbach fällt meist ein Einrichtungsgegenstand ins Auge, der zum übrigen Erscheinungsbild der Kirche nicht ganz passen will. Die Kirche, die 1954 geweiht wurde, ist auch dem damaligen Zeitgeschmack geschuldet, eher nüchtern ausgestattet. Das große Altarkreuz, die Madonna und der Kreuzweg sind vom selben Künstler geschnitzt und im Naturton gefasst. Im rechten Seitenschiff jedoch steht ein gotischer Flügelaltar, der sich durch die Fülle seiner Farben und Formen von der anderen Ausstattung abhebt. Es ist offensichtlich, dass dieser Altar bereits existierte, als es die Kirche noch gar nicht gab. 

Sein ursprünglicher Standort war die Markuskirche, wo er zusammen mit noch anderen Schnitzaltären der Feier der Messe und der Andacht diente. Als im Zuge der Reformation der evangelische Gottesdienst eingeführt wurde,  verlor er seine Funktion, wurde mit Brettern zugeschlagen und überdauerte so als einziger die Zeiten. 

Als im 19. Jahrhundert in Butzbach die katholische St. Josefs-Kirche errichtet wurde (die heutige Friedhofskapelle), erhielten die katholischen Christen den Altar von der evangelischen Gemeinde als Dauerleihgabe für die Feier des Gottesdienstes. Aus der alten Kirche wanderte er dann in die neue Kirche, deren Bau nach dem Zweiten Weltkrieg notwendig geworden war. 

Der Altar zeigt den typischen Aufbau dieser mittelalterlichen Kunstwerke: Im Zentrum steht ein Schrein mit fast lebensgroßen Schnitzfiguren, rechts und links die türenartigen Flügel mit gemalten Szenen aus dem Leben verschiedener Heiliger. Es gehörte zur Frömmigkeit des Mittelalters, die Flügel der Altäre in den geprägten Zeiten, also Advent und Fastenzeit, zu schließen, sodass die meist schmucklosere und schlichtere Außenseite der Flügel sichtbar wurde. Im Falle unseres Altars wird die Szene der Verkündigung der Geburt Christi an Maria durch den Engel Gabriel sichtbar. Es ist dieses Ereignis der Heilsgeschichte, das die Kirche jedes Jahr am 25. März feiert, also genau neun Monate vor Weihnachten. In der St. Gottfrieds-Gemeinde wird der Brauch weiterhin gepflegt, die beiden Flügel während der Fastenzeit und des Advents zu schließen und so zeigt sich dem Betrachter auch heute wieder die Begegnung Marias mit dem Erzengel Gabriel. 

Obwohl die Innenseite des Altars mit Sicherheit die prächtigere ist, ist auch die Außenseite von bestechender Schönheit: ein phantasievoll gekleideter Engel mit bunten Flügeln aus Pfauenfedern ist durch die geschlossene Tür des Hauses eingetreten in die Kammer der Jungfrau Maria, die gerade auf ihrem Betstuhl kniet und in ihrem Gebetbuch liest. Erschrocken legt Maria die Hand auf ihr Herz. Im oberen Teil des Tafelbildes sieht man Gottvater, der den Heiligen Geist in Gestalt der Taube zu Maria sendet: Zeichen, dass sie Jesus Christus, den Gottessohn zur Welt bringen wird. 

Der Künstler hat einige liebevolle Details in seinem Gemälde verewigt, in einem Fach von Marias Betstuhl steht eine Blumenvase neben weiteren Büchern. Daneben liegt auch ein Apfel, der darauf schließen lässt, dass sich Maria auch mal eine kleine Stärkung gegönnt hat. Im Hintergrund sieht man das sauber geglättete Bett, neben dem ein Lehnstuhl steht. Zu Füßen der Gottesmutter steht ein kleines Kohlebecken, das in den zugigen Stuben des Mittelalters zum Wärmen diente. Eine große Vase mit Lilien und Maiglöckchen als Zeichen der Reinheit und Hingabe steht auf dem Boden. Maria und der Engel tragen Blumenkränze und wenn man genau hinschaut, sieht man, dass es Nelkenkränze sind. Die Nelke ist das Zeichen des Verlöbnisses. Die Botschaft, die der Engel zu überbringen hat, steht auf einem Spruchband, das sich um ein Lilienzepter windet. „Sei gegrüßt, du bist voll der Gnade …!“ 

Der Engel trägt die Botschaft Gottes in den Alltag Marias hinein, durch die verschlossene Tür hindurch. Vielleicht auch ein Bild für unsere Tage, wo viele hinter verschlossenen Türen sitzen. Vielleicht auch eine Einladung, sich dieses Bild einmal näher zu betrachten, das nur im Advent und in der Zeit vor Ostern sichtbar ist, den Zeiten der besonderen Sehnsucht und Hoffnung auf Erlösung: Geburt und Auferstehung. Der Altar in der Sankt Gottfriedskirche: Er ist ein verborgener Schatz, den es zu entdecken gilt. 

Es können keine Kommentare abgegeben werden.