Vergewaltigungsopfer mit Lücken in der Erinnerung, Zeugen bleiben aus

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Vergewaltigungsopfer mit Lücken in der Erinnerung, Zeugen bleiben aus

32-jähriger Syrer steht in Friedberg wegen Tat in Butzbach vor Gericht / Polizei: Keine Spuren von Gewalt

BUTZBACH/Friedberg (jwn). Wegen der möglichen Vergewaltigung einer 15-Jähirgen in Butzbach muss sich derzeit ein 32-jähriger Syrer vor dem Schöffengericht in Friedberg verantworten. 

Ganz in Weiß gekleidet dazu mit längeren Haaren, sein Gesicht zum größten Teil verborgen hinter der Corona-Maske, so betrat der 32-jährige Angeklagte in Begleitung seines Frankfurter Anwaltes Mhammed El Carrouchi den Gerichtssaal 28 in Friedberg. Ihm wird vorgeworfen, am 12. Juli 2020 nachts in Butzbach die damals 15-Jährige vergewaltigt zu haben. Der Mann verweigert dazu jede Aussage. Auch seinen Beruf wollte er zu Beginn des Prozesses nicht verraten. Lediglich sein Heimatland und seinen Familienstand gab er preis, nämlich Syrien, und er ist verheiratet, hat aber keine Kinder. 

Das Geschehen soll sich in einer Samstagnacht ereignete haben. Die 15-Jährige hatte den Abend in Gießen, ihrem Wohnort, mit ihrer Freundin begonnen. Gemeinsam hatten sie im Laufe des frühen Abends bereits eine Flasche Wodka konsumiert und auch einige Party-Pillen Ecstasy geschluckt. Da es den beiden Mädchen in Gießen zu langweilig wurde, schlug die Freundin vor, nach Bad Nauheim, ihrem Wohnort, zum Sprudelhof zu fahren, weil dort an den Samstagabenden immer sehr viel los sei. Auf dem Bahnhof in Gießen hatten die beiden Freundinnen zwei Männer kennengelernt, darunter den Angeklagten, die sie anboten nach Bad Nauheim zu fahren. 

„Im Sprudelhof haben wir dann noch etwas getrunken und gefeiert“, berichtete die heute 17-Jährige vor Gericht. Irgendwann sei ihr aber dann schlecht geworden und einer der beiden neuen Bekannten habe ihr daraufhin angeboten, sie in seine Wohnung nach Butzbach zu bringen, wo sie sich ausschlafen könne. Dieses Angebot habe sie auch angenommen, und so seien sie alle nach Butzbach gefahren. Dort angekommen, habe sie sich in das Schlafzimmer des Wohnungsinhabers zurückgezogen und sei sofort eingeschlafen. „Ansonsten kann ich mich an nichts mehr erinnern“, gesteht sie. 

Der Vorsitzende Richter Dr. Markus Bange hielt ihr daraufhin ihre Aussage vor der Polizei vor. Da habe sie ausgesagt, dass sie bereits geschlafen habe, als der Angeklagte das Zimmer betreten und vor ihr Sex gefordert habe. Das habe sie mit dem Hinweis, sie sei noch Jungfrau, strikt abgelehnt. Daraufhin habe er sie mit Gewalt entkleidet und sei, obwohl sie immer wieder „nein, nein, nein, sie wolle das nicht“ gerufen habe, gewaltsam in sie eingedrungen sei. Erst als der Angeklagte nach vollendetem Geschlechtsakt aufgestanden sei, habe sie fliehen können. „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern“, wiederholte die 17-Jährige nach der Vorhaltung. 

Dem steht die Aussage des Polizeibeamten entgegen, der sie in der Tatnacht in Butzbach vom Bahnhof abgeholt hatte, von wo sie die Polizei alarmiert hatte. „Sie ist auf unseren Streifenwagen zugelaufen und hat gerufen: Ich bin eben vergewaltigt worden“, berichtete der Beamte. Sie hätten sie mit auf die Wache genommen und noch in der Nacht medizinisch untersuchen lassen – mit dem Ergebnis, dass sie keine Jungfrau mehr ist, aber auch keine Spuren von Gewalt an ihrem Körper hatte. Der Alkoholtest in der Nacht hat beim  Opfer 1,5 Promille Alkoholgehalt im Blut ergeben. „Für ein junges Mädchen eine durchaus beachtliche Menge. Und dazu noch die Ecstasy- Pillen“, berichtet eine Polizeibeamtin. 

Alles Weitere blieb an diesem Verhandlungstag dann jedoch im Dunkeln, denn keiner der fünf geladenen Zeugen erscheint trotz Ladung vor Gericht. Mit der Folge, dass der Richter einen Fortsetzungstermin ansetzen muss und den nicht erschienen Zeugen eine Ordnungsstrafe aufbrummte. Sie werden zu dem Fortsetzungstermin am 31. Mai nun vorgeführt. 

Staatsanwältin Jessica Schröder sieht das alles gelassen: „Für mich bleibt es in jedem Fall bei dem Vergewaltigungsvorwurf. Wenn das Tatbestandmerkmal ‚gegen den erkennbaren Willen der Opfers’ wegfällt wegen der nun aufgetauchten vermeintlichen Erinnerungslücken des Opfers, dann greift die andere Variante des Paragraphen 177 StGB, bei der der Täter die hilflose Situation des Opfers ausnutzt, weil dieses seinen Willen nicht mehr bilden oder äußern kann.“  

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