„Verschwendung von Steuergeldern“

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„Verschwendung von Steuergeldern“

E-Auto-Ladesäulen Energiegenossenschafts-Vorstand kritisiert Ovag-Pläne für Stromtankstellen

wetteraukreis (pd). Die Ovag bietet allen Kommunen in ihrem Gebiet das „Geschenk“ einer Ladesäule an und integriert diese in das Ladenetzwerk „Plug-Surfing“. Dahinter stecken primär Verträge mit der RWE-Tochter Innogy, Vattenfall, EnBW und weiteren Institutionen die auf Atom- und Kohlestrom setzen, schreibt Diethardt Stamm vom Vorstand der Mittehessischen Energiegenossenschaft (Mieg) in einer Pressemitteilung. Die Ovag habe in ihrer Pressemitteilung „vergessen“, den Preis für das Laden einer Kilowattstunde (kWh) von 36 Cent/kWh zu nennen, also 24 Prozent mehr, als der Strom für jedermann an der Steckdose kostet.

Die Nutzung der Säulen sei gering, so Stamm. So fanden an der Ladesäule in Friedberg am Goetheplatz insgesamt 33 Ladevorgänge und vor dem Rathaus in Nidda im gleichen Zeitraum elf Vorgänge statt. „Noch nicht einmal ein Auto pro Tag kommt vorbei“, sagte Stamm. Und jetzt möchte die Ovag noch Dutzende dieser Ladesäulen weiter aufstellen. „Dies ist wegen des 25 Prozent-Zuschusses vom Land Hessen Verschwendung von Steuergeld und wegen der in den nächsten Jahren zu erwarteten Verluste eine ungerechtfertigte Minderung der Gewinnausschüttungen an die Landkreise als „Ovag-Eigner“, sagte Stamm.

Er wirft der Ovag eine mangelnde Analyse der Verkehrs- und E-Mobilitäts-Gegebenheiten vor. Zweit- und Drittfahrzeuge legten kurze Strecken zurück. Mittelklasse-E-Autos hätten eine Reichweite von 200 bis 250 Kilometer bei einer Vollladung in der Nacht an einer Steckdose, die für das Dauerladen eines E-Mobils ausgelegt ist, bei einem kWh-Preis selbst bei der Ovag  für nur 29 Cent.

Die Mieg wirbt für die Nutzung vom Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage speziell für das Zweit- und Drittauto in Verbindung mit einem Speicher. Ferner setzt die Mieg auf die Organisation von Carsharing oder Umsonstladen, was beim Einkaufen in vielen Märkten heute schon Standard ist. Die Energiegenossenschaft möchte nicht potenzielle E-Autofahrer mit ungerechtfertigten hohen „Tankpreisen“ verschrecken, „sondern ihnen ohne Abzocke den Weg in eine sinnvolle Fortbewegungstechnik ermöglichen“, so Stamm.

Wenn die erste E-Auto-Generation nach acht bis zehn Jahren ersetzt und dann durch verbesserte Technik auch das Erstauto ein „Stromer“ sein wird,  könnte es sein, dass man ein paar öffentliche Ladesäulen „im Dorf“ benötige, aber dann seien die heute hingestellten Ovag-Ladesäulen technisch überholt. Wenn die Ovag ernsthaft die E-Mobilität voranbringen wolle, müsse sie den Ladestrompreis senken und die „indirekte Zusammenarbeit mit den Umweltverschmutzern im Kohleverbrennungsbereich beenden“. Und sie müsse endlich ein Gesamtkonzept vorlegen, aus dem die Verbindungen zwischen erneuerbaren Energien, deren Speicherung, zukünftigem Mobilitätsverhalten, dezentraler Energieversorgung in Privathaushalten, Carsharing und E-Autos eine Rolle spielen. Die Genossenschaft lädt die Ovag zu gemeinsamen Pilotmodellen auf der Basis von Studien zu neuen Verkehrskonzepten im ländlichen Raum ein.

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