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„Verstellt habe ich mich nie“

BUTZBACH. Nach 34 Jahren in Diensten der Stadt Butzbach verabschiedeten Bürgermeister Michael Merle (r.) und Erster Stadtrat Manfred Schütz gestern Museumsleiter Dr. Dieter Wolf, hier mit Ehefrau Gabi, in den Ruhestand. Text  Foto: thg 

Bürgermeister Michael Merle überreicht Dr. Dieter Wolf im Museum Urkunde zum Übergang in den Ruhestand

BUTZBACH (thg). Offiziell verabschiedete Bürgermeister Michael Merle gestern Museumsleiter Dr. Dieter Wolf nach rund 34 Jahren Tätigkeit für die Stadt Butzbach in den Ruhestand. Der Historiker sei noch weiter beratend tätig für die Stadt, die Stelle werde neu ausgeschrieben, sagte Merle. Wolf sagte bewegt, er habe mit Herzblut die Geschichte Butzbachs und der Wetterau erforscht. „Das war auch immer meine Lebensaufgabe.“ 

Vor 20 Zuhörern nahm Wolf gestern im Museum seinen Abschied, darunter neben Magistratsmitgliedern auch Weggefährten. Neben Merles Abschiedsworten lobte für den Personalrat der Stadt Volker Wagner Wolf auf persönliche Weise die Zusammenarbeit mit Wolf. Bodo Heil wies für den Geschichtsverein auf die Bücher Wolfs und seine Beiträge in den und Ideen für die Butzbacher Geschichtsblätter hin. Wolf sei immer eine Stütze des Vereins gewesen. 

Pfarrer Jörg Wiegand bedankte sich für Wolfs Hilfsbereitschaft bei den historischen Fragen zu Markuskirche und Kugelhaus. Für die Erforschung habe der Historiker „unschätzbare Dienste“ geleistet. Michael Schröter erinnerte an zehn Jahre gemeinsame Arbeit im Freundes- und Förderkreis Museum und die Arbeit Wolfs in den vergangenen drei Jahrzehnten: „Die Zeit ist rasend schnell vergangen.“ Hans Möller bedankte sich im Namen des Vereinsrings für die stete Hilfsbereitschaft Wolfs und das hoch einzuschätzende gute Miteinander. 

Für den Bund für Volksbildung bedankte sich Claudia Rancke für die „wunderbare“ Zusammenarbeit von Anfang an ihrer Vorsitzenden-Tätigkeit. „30 Jahre Freud und Leid“ hätten sie erlebt, sagte Künstlerkreis-Ehrenvorsitzende Holde Stubenrauch, die ihn als „sehr guten Chef – kritisch, aber immer sachlich“ bezeichnete. Ebenso wie Wagner sagte sie, dass im Museum das laute Schimpfen Wolfs, aber dann auch kurz darauf wieder das laute Lachen zu hören waren. 

Merle wiederholte seine Einschätzung, dass Wolf nicht nur Geschichte erforscht, sondern auch „selbst Geschichte gemacht“ habe. Er habe sich um das jüdische Erbe der Stadt gekümmert, dies sei ihm besonders ans Herz gewachsen, es sei eine wichtige Interessenlage. Das Museum sei ein „Stück des Bürgerstolzes unserer Stadt“, es sei kulturelles Gedächtnis und Ort für Kulturveranstaltungen. Die Stadt habe Wolf viel zu verdanken. Er habe viel angeschoben und sich immer als Teil eines Teams verstanden. Er sei geschätzt für seine menschlichen Qualitäten und für seine fachliche Expertise. „Wir werden noch lange davon zehren.“ Die Zusammenarbeit sei hervorragend gewesen, so Merle, wenn auch nicht immer diskussionsfrei. „Das macht aber den Reiz aus, und man profitiert davon.“ Wolf habe sich dann auch mit Positionen des Magistrats angefreundet. 

„Verstellt habe ich mich nie“, sagte Wolf nach den Würdigungen. Tausend Geschichten könne er aus seiner Zeit im Museum erzählen, darunter die von der „noch scharfen“ Fliegerbombe im Magazin in der Michaeliskapelle, für die dann der Kampfmittelräumdienst bestellt wurde. Ein Museum neu zu planen und zu beziehen, sei eine Gelegenheit gewesen, die „kaum ein Historiker in seinem Leben bekommt“, sagte Wolf. „Ich war quasi Gründungsdirektor.“ 

Auch seine ersten Eindrücke von Butzbach berichtete Wolf, Jahrgang 1956. Überaus lang habe man am Bahnübergang warten müssen, da sei er etwa drei Jahre alt gewesen. 1961 sei er dann mit seinem Vater, einem Polizisten, an der JVA gewesen. Später dann habe die Familie Küken in Kirch-Göns geholt. 

Und er lobte die Mitarbeiter, darunter Antje Sauerbier als seine Stellvertreterin, die seit 27 Jahren nicht wegzudenken sei. Sie habe Themen bearbeitet, „wo ich nicht mitziehen musste, weil sie es gemacht hat“. Er dankte auch den übrigen Mitarbeitern bis hin zu den Aushilfen. Sie hätten viel mehr gemacht als sie gemusst hätten. Circa 300 Aufsätze auf rund 9000 Druckseiten habe er veröffentlicht, sagte Wolf, Zeitungsbeiträge und Bücher nicht eingerechnet. Die Abschiedsworte gestern im Museum seien seine 1004. Rede oder Führung gewesen, sagte der scheidende Historiker und Archivar. 

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