Versuchter Wodka-Diebstahl kam 61-jährigem Butzbacher teuer zu stehen

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Versuchter Wodka-Diebstahl kam 61-jährigem Butzbacher teuer zu stehen

BUTZBACH (jwn). Sehr teuer ist einem 61-jährigen Butzbacher sein misslungener Diebstahlversuch von zwei Flaschen Wodka aus einem Edeka-Markt in Butzbach im April letzten Jahres gekommen. Ein Jahr und ein Monat Gefängnis lautete am Ende das Urteil. Dabei hatte der Angeklagte noch großes Glück, dass die Polizei ihn nicht noch am Tattag dem Haftrichter überstellt hatte. „Dann wären Sie sicherlich noch am selben Abend in Untersuchungshaft gewandert“, weist der Richter Dr. Bange dem Angeklagten in der Urteilsbegründung auf die Schwere seiner Tat hin und dass sein Prozess auch vor dem Landgericht hätte stattfinden können. Dann allerdings mit einer voraussichtlich wesentlich höheren Strafe, weil dann über einen Verbrechenstatbestand verhandelt worden wäre. Es sei ein ganz schmaler Grat, auf dem die Anklage fuße und er habe sehr viel Glück gehabt, dass am Ende nicht doch eine längere Haftstrafe herausgekommen sei.   

Was war gesehen? Am 8. April vergangenen Jahres war der großgewachsene, aber schmale 61-jährige Angeklagte nachmittags in einem Edeka-Markt in Butzbach erschienen. Sein Besuch ist nur kurz, denn er diente lediglich dazu, zwei Flaschen Wodka aus dem Regal zu nehmen und sie in seiner Jacke zu verstecken. Ohne zu zahlen wollte er dann schnell das Geschäft verlassen. Doch er hatte Pech. Der Ladendetektiv hatte ihn kommen sehen und ihn wegen seines stark torkelnden Ganges verfolgt. Der Angeklagte hatte zu dem Zeitpunkt nämlich schon fast zwei Promille Alkohol im Blut. 

Von dem Detektiv angesprochen, stritt er den Diebstahl kategorisch und strebte, jeden Widerstand zur Seite schiebend, dem Ausgang zu. Auch vor der Eingangstür zum Markt ließ er sich nicht aufhalten und rannte mit seiner Beute zu seinem Auto. Dort angekommen sprang er hinein und startete sein Auto postwendend. Er konnte sogar noch den Rückwärtsgang einlegen und anfahren, bevor der Detektiv dann doch die Autotür öffnen und den Zündschlüssel abziehen konnte. Bei diesem Vorgang kam es zu einer Rangelei, bei der der Detektiv auch Kratzspuren von den Fingernägeln des Angeklagten davon trug. Sie waren nach seinen Aussagen jedoch nicht gravierend. 

Da sich der Angeklagte aber weiterhin weigerte, zur Aufnahme seiner Personalien mit ins Marktbüro zu kommen, rief der Detektiv die Polizei zur Hilfe. Die stellte den hohen Alkoholpegel im Blut des Angeklagten fest. 

Für die Staatsanwaltschaft stellte sich bei der Anfertigung der Klageschrift nun die Frage, war es räuberischer Diebstahl, weil er mit Gewalt seine Beute sichern wolle? Nutzte der Angeklagte möglicherweise sein Auto als Waffe, weil er losfuhr, obwohl der Detektiv in der Autotür stand und nach dem Zündschlüssel griff? Oder war es nur eine Trunkenheitsfahrt, dazu noch ohne Führerschein – der war ihm knapp sechs Monate zuvor ebenfalls wegen einer Trunkenheitsfahrt abgenommen worden – mit Diebstahl und einer  einfachen Körperverletzung? „Irgendwie hängt alles zusammen. Da es aber nur um eine vergleichsweise kleine Beute ging und auch die Verletzungen nur aus harmlosen Kratzern bestand, sollte man hier die Kirche im Dorf lassen und nicht von einem Verbrechen reden. Denn dann müsste der Angeklagte auf Jahre ins Gefängnis“, plädiert selbst Oberstaatsanwalt Späth auf Milde. Hinzu komme, dass der Angeklagte ein erhebliches Alkoholproblem habe und zum Tatzeitpunkt schon kräftig getankt hatte. Als spürbare Auflage solle dem Angeklagten stattdessen der Führerschein entzogen und ihm als Denkzettel Arbeitsstunden aufgebrummt werden. 

Nachdem der Angeklagte in seinem Schlusswort versprochen hatte, nie wieder eine derartige Dummheit machen zu wollen und sich dann für die Tat entschuldigte, wobei er bis zum Schluss dabei blieb, dass er den Detektiv nur als fremden unbeteiligten Dritten wahrgenommen habe, schloss sich das Gericht der Strafforderung der Staatsanwalt an: ein Jahr und ein Monat Haft auf Bewährung, dazu Führerschein Entzug für mindestens ein Jahr und 100 Arbeitsstunden. Irgendwie wirkte der Angeklagte bei der Urteilsverkündung dann doch erleichtert, nachdem er gehört hatte, wie sein Prozess hätte auch verlaufen können.         

             

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