Viele Tiere in Butzbach zu versorgen

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Viele Tiere in Butzbach zu versorgen

BUTZBACH. Josie Thiele (v.l.) unterstützt als Hundetrainerin das Tierheim Butzbach mit der Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Hanne Kolb, hier mit den Hunden Sammy, Ares, John und Inge. Foto: thg

Mehr Nachfrage und Vermittlungen im Tierheim wegen Corona, aber auch mehr Rückgaben als sonst

BUTZBACH (thg). Der Lockdown hat die Nachfrage nach Haustieren in ganz Deutschland nach oben getrieben, so auch im Tierheim Butzbach, wie Hanne Kolb, Vorsitzende des Tierschutzvereins, berichtet. „Eigentlich sollten wir glücklich darüber sein, aber leider hat sich die Zahl der zurückgegebenen Tiere ebenfalls erhöht.“

Seit Januar seien bereits fünf Hunde wieder ins Tierheim zurückgekommen Das sind so viele wie sonst in über zwei Jahren. Und die Tiere kämen oft nach nur kurzer Zeit wieder zurück.

„Das gab es früher in dieser Form nicht. Obwohl wir nicht einfach so ein Tier vermitteln: Es gibt ausführliche Vorort-Gespräche, es gibt weitaus mehr als zwei Kennenlern- und/oder Gassigeh-Termine mit unseren Tieren.“ Selbst Mitarbeiter aus dem Tierheim begleiteten die ersten Gassi-Gänge, um mehr zu dem entsprechenden Tier zu erzählen. „Alle Adoptanten müssen eine Selbstauskunft ausfüllen, dabei fragen wir unter anderem auch danach, was mit dem Tier passiert, wenn sich die Lebensumstände wegen Krankheit, Trennung oder anderem ändern. Das ist nicht nur gut für uns zu wissen, sondern auch für die Adoptanten, denn man muss“, wie Kolb betont, sich Gedanken machen „was wäre, wenn …“. „Wir machen grundsätzlich eine ausführliche Vorkontrolle bei den jeweiligen Interessenten und erst danach wird gemeinsam mit dem Tierheim-Vorstand entschieden, ob ein Tier in das neue Zuhause einziehen darf.“

Bis zu diesem Punkt sei meist alles toll – man will dem Tier ausreichend Zeit geben, man möchte bei eventuell auftretenden Problemen Bescheid sagen und auch Trainerstunden, wenn nötig, nutzen.

Die Realität in den letzten Wochen sah laut Kolb anders aus: „Einer unserer Hunde musste nach nur drei Tagen zurück, ein weiterer nach ein paar wenigen Wochen –  die Gründe waren etwa angenagte Möbel oder dass das Tier noch nicht allein bleibe.“ Eine weitere Hündin musste zurück, weil sie mit den Nachbarskindern nicht zurechtkam. Dann werde innerhalb weniger Stunden entschieden, dass das Tier zurück muss. „Selbst Angebote von uns, dass wir mit Trainerstunden unterstützen würden – ein nicht alltäglicher Service eines Tierheims – werden sogar ausgeschlagen. Das Tier muss oft schnell zurück, auch schon mal mit dem Nachsatz ‚Wir wollen uns jetzt lieber einen Welpen vom Züchter holen“‘, wie Kolb erlebte. „Das wäre schon schlimm genug, aber einige der Menschen wollen sogar die Vermittlungsgebühr wieder zurückhaben. Wie bei einem Umtausch einer Ware“, äußert Kolb Unverständnis. So könne ein kleines Tierheim nicht mehr richtig planen – weder finanziell noch auf den Platz bezogen.

Für das Tier sei die Situation erneut sehr dramatisch: „Es trauert, es versteht die Welt nicht mehr!“ Die ehrenamtlichen Helfer müssten wieder mit den Tieren arbeiten und vieles fange von vorne an.

Hinzu kommen nach Kolbs Worten die „normalen Abgabetiere“: Viele Menschen legten sich ein Tier zu, ohne darüber nachzudenken, wie es nach Corona aussieht. „Aber die Anschaffung eines Tieres will gut überlegt sein und bedeutet oft eine jahrelange Verantwortung. Viele Halter sind mit ihren neuen Hunden überfordert und wollen sie dann wieder im Tierheim loswerden, aber die werden voller und voller.“

Die Angst um die Gesundheit der ehrenamtlichen Helfer bestehe fort, und damit auch die Angst, durch Krankheitsfälle oder Quarantäneverordnungen die zahlreichen Tiere, die hier im Tierheim leben, nicht mehr ausreichend pflegen zu können. „Mit unserem Hygienekonzept und der FFP2-Maskenpflicht im Tierheim, versuchen wir, alles am Laufen zu halten, wenn auch immer noch ohne Publikumsverkehr und geregelte Öffnungszeiten.“ Gassigänger müssen vor dem Tierheim warten, ehrenamtliche Mitarbeiter geben die Hunde heraus. „Nur wer ein echtes Interesse an einem ganz bestimmten Tier hat, kann einen Termin zum Kennenlernen mit uns ausmachen. Denn natürlich müssen wir unsere Tiere auch vermitteln“, erläutert Kolb.

Eine gute Nachricht hat die Vereinsvorsitzende aber auch: „Damit wir endlich auch unser Katzenhaus mit einem Freigehege ausstatten können, werden wir noch im Frühling das neue Elvira-Ohland-Freigehege einweihen. Unsere Katzen haben somit endlich auch die Möglichkeit, genau wie unsere Hunde, die Sonnenstrahlen draußen zu genießen.“ Die namensgebende Spenderin aus Solms hat den Bau ermöglicht. 

Spenden für das Tierheim sind möglich auf dem Konto Tierschutzverein Butzbach und Umgebung, Sparkasse Oberhessen, IBAN: DE68 5185 0079 0002 0005 39.

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