Vieles aus der Historie bleibt verborgen

„Herumirren“ durch Weidigschule hat ein Ende
14. Dezember 2017
Vier Jahre und drei Monate Haft
15. Dezember 2017

Vieles aus der Historie bleibt verborgen

Vortrag Dr. Dieter Wolf berichtet über „Herren von Cleen / Geschichtsvereins-Film über Niederkleen

Niederkleen (ikr). Als i-Tüpfelchen zum Abschluss der dreiteiligen gemeinsamen Vortragsreihe der beiden Heimat- und Geschichtsvereine aus Niederkleen und Oberkleen präsentierten Doris Müller-Heinz und Hans-Joachim Röhrig aus Niederkleen einen fünfzehnminütigen, überaus kurzweiligen und professionell gedrehten Film, in dem sie zu einem „kleinen Rundgang durch unser liebes Niederkleen“ einluden. Dem Publikum im voll besetzten Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde in Niederkleen wollten sie damit „alte und bemerkenswerte Fachwerkhäuser näher bringen“. Selbst Ortsansässige konnten noch Neues dazu lernen.

Vorgestellt wurden unter anderem das „Hexenhaus“, auch „Altes Haus“ genannt und die Kleebachaue mit der so genannten „Burg“, die im 19. Jahrhundert auf den Grundrissen einer historischen Burg errichtet wurde und von der noch heute ein unterirdisches Gangsystem zur Kirche, dem Hofmann’schen Gehöft nahe der Kirche und dem „Hexenhaus“ führt. In ihren Ausführungen ließen die beiden Erzähler auch Dorfbewohner zu Wort kommen und verrieten viel Humorvolles und Wissenswertes aus ihrem Heimatort. Facettenreich war auch die Geschichte des „Ohly‘schen Haus“, das als „eines der schönsten Gebäude Hessens und darüber hinaus“ gelten soll. Es wurde 1633 mit reich verzierten Ornamenten und Schnitzereien gebaut. 1990 brannte es komplett ab, wurde aber innerhalb von acht Monaten mit großer Unterstützung der Bevölkerung wieder aufgebaut und ist seitdem wieder ein Schmuckstück des Kleebachdorfes. Der Dank der beiden Berichterstatter galt ausdrücklich Pascal Winkler, der als medientechnischer Assistent rund 40 Stunden ehrenamtliche Arbeit in die Aufnahmen und Fertigstellung des Films gesteckt hatte.

Hauptthema des Nachmittags war zuvor der Lichtbildvortrag von Dr. Dieter Wolf, Leiter des Museums und Stadtarchivs der Stadt Butzbach, über „Die Herren von Cleen und ihre Bedeutung für Ober- und Niederkleen“. Wolf, ein ausgewiesener Kenner des Themas, sprach detailliert über die Verwaltungs- und Herrschaftsrechte der Familie von Cleen und setzte diese Lokalgeschichte in den historischen Gesamtrahmen, wobei er mit der Römerzeit begann.

Die sogenannten Herren von Cleen traten erst kurz vor der Mitte des 13. Jahrhunderts unter diesem Namen auf. Fraglich sei, ob ihre Vorfahren schon zuvor als Grundherren in der Kleener Mark ansässig waren – in einer Zeit, als es in der Regel nur Vornamen gab, und noch keine Familiennamen oder speziell herkunftsanzeigende Namen üblich waren – oder ob sie erst zu einem späteren Zeitraum, als Kleen als Großmark mit mehreren Dörfern und Weilern bereits seit Jahrhunderten existierte, auftraten. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Kleen und der Cleener/Cleeheimer Mark  gab es im frühen Mittelalter ab 774 bis 818 durch sieben Schenkungen an das Kloster Lorsch, weitere, auch an andere Klöster, folgten.

Der Stammvater derer von Cleen war ein Conrad (I.) Milchling von Mulinheim, der sich 1252 selbst in seinem Siegel als „Milkelin de Clen“ bezeichnet. Niederkleen scheint der Ausgangspunkt für die ritterliche Familie von Cleen gewesen zu sein. Im 12./13. Jahrhundert spaltete sich der Stammbaum in die „Wenzel“- und die Johann-Linie“ auf. Zehn Generationen tragen den Namen Cleen, die letzte Adelige dieses Namens heiratete um 1520 einen Herrn der Burg  Frankenstein an der Bergstraße. Nicht nur das Wirken des Adelsgeschlechts in Niederkleen und Umgebung, sondern auch die Lage des Ortes an einer wichtigen Fernverkehrsstraße hatten Einfluss auf die Entwicklung des Ortes, der im 14. Jahrhundert als „Feste“ bezeichnet wurde. Vieles aus der Historie sei allerdings weiterhin vom Nebel der Geschichte bis heute verborgen, bedauerte der Referent, der zur Anschauung auch ein Faksimile (Nachbildung in Originalgröße) des Lorscher Kodex mitgebracht hatte, in dem die Seite mit den Schenkungen aus Niederkleen aufgeschlagen war.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.