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Vier Jahre und drei Monate Haft

Ehemaliger Sparkassen-Mitarbeiter verurteilt / Schuldanerkenntnis wirkt strafmindernd

Wetteraukreis (jwn). Vier Jahre und drei Monate Gefängnis, die bürgerliche Existenz kaputt, und ob seine Ehe diesen Prozess übersteht, ist auch noch sehr fraglich. Das ist der Preis, den der 44-jährige Limeshainer für seine ungewöhnlichen Liebespraktiken und die Veruntreuung zahlen muss.

Die Strafkammer am  Gießener Landgericht blieb damit zwar hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück, die hatte nämlich fünf Jahre und zwei Monate Haft für die 34 Fälle von Untreue zulasten des ehemaligen Arbeitgebers, der Sparkasse Oberhessen, gefordert, doch waren sich am Ende alle Beteiligten einig, mit dieser Vorgeschichte wird dem Angeklagten nach Verbüßung seiner Haftstrafe ein Neuanfang sehr schwer fallen.

Das umfassende Geständnis des ehemaligen Fachbereichsleiters bei der Sparkasse und auch die Zeugenaussagen untermauerten die Anklage in allen Punkten. Danach soll der dreifache Familienvater aus Limeshain in den vergangenen zehn Jahren durch geschicktes Hin- und Herbuchen auf internen Konten der Sparkasse das Institut um annähernd neun Millionen Euro betrogen haben. Sehr leicht habe ihm die Sparkasse den Betrug gemacht, denn  die Kontrollen seien entweder viel zu lax oder gar nicht vorhanden gewesen.

Das bestätigten auch sowohl das Gericht in seiner Urteilsbegründung, als auch die Staatsanwaltschaft und die  Verteidigung in ihren Plädoyers zuvor. Der Angeklagte habe zum einen den organisatorischen Fehler der Sparkasse, nämlich unzureichende Kontrolle, ausgenutzt und zum anderen das Vertrauen seiner nun unzulänglich ausgebildeten Mitarbeiter skrupellos missbraucht.

Ausführlich ging der Vorsitzende Richter Holtzmann sodann auf die Triebfeder seines Handelns ein. In den Jahren 2005 oder 2006 sei er in die Fänge einer Kölner Domina geraten, die Sado-Maso-Praktiken auf hohen Niveau anbot. Als sich die Preise pro Sitzung auf 15 000 Euro steigerten, war der Griff in die Kasse seines Arbeitgebers die logische Konsequenz. Hinzu kam, dass er zu diesem Zeitpunkt sich und seiner Familie ein Eigenheim gebaut hatte und mit den Zahlungen trotz eines guten Gehaltes bei der Sparkasse nicht mehr nachkam. „Das Doppelleben, das der Angeklagte führte, auf der einen Seite der leitende Sparkassen-Angestellte mit einer nach außen intakten Familie, einem sehr guten Ruf in seiner Gemeinde als Kommunalpolitiker und Vereinsmensch und  auf der anderen Seite seiner außergewöhnliche Neigung zu dem Rotlichtmilieu wurde dort sehr schnell entdeckt. „Und damit haben die mich dann auch regelrecht erpresst“, räumte der Angeklagte in einer nicht öffentlichen Vernehmung vor Gericht ein. Sein Liebesleben mit den verschiedenen Dominas und stetes unter Drogen wurde von diesen heimlich auf Fotos festgehalten. Und als der Angeklagte nach einigen Jahren schließlich seinen Ausstieg aus der Szene ankündigte, wurden ihm die Fotos mit der gleichzeitigen Drohung, sein Doppelleben auffliegen zu lassen, vorgelegt.

Allein die Kölner Domina erhielt so rund 1,7 Millionen Euro. Andere Damen aus dem Milieu kamen auf
900 000 und 700 000 Euro im Lauf der Zeit. Doch weil er wusste, dass seine Betrügereien bei seinem Arbeitgeber irgendwann einmal auffliegen würden, verprasste er nicht das ganze Geld. Rund die Hälfte legte er zugunsten seiner Familienangehörigen an, kaufte Wertpapiere oder Immobilien.

Da der Angeklagt sämtliche 34 ihm vorgeworfenen Untreuetaten einräumte, kam es für das Gericht genauso wie für Staatsanwalt Rauch oder den Verteidiger Michael Simon auf den Täter-Opfer-Ausgleich an. 8,7 Millionen  Euro betrug der Gesamtschaden über die zehn Jahre seines Handelns. Da 4,5 Millionen Euro von dieser Summe bereits verjährt sind, weil die Taten bereits vor 2012 stattgefunden haben, blieb nur noch ein Schaden von 4,2 Millionen Euro, der für das Strafrechtsverfahren relevant war. Den konnte er durch die Rückführung des bei ihm und seinen Familienangehörigen verbliebenen Vermögens vollständig ausgleichen.

Da er zudem die vollen 8,7 Millionen Euro im Zuge eines Vergleichs vor Gericht als Schuld gegenüber der Sparkasse anerkannt hat, ein Titel, der 30 Jahre Bestand hat, sah das Gericht dieses Schuldanerkenntnis als freiwilliges Sonderopfer des Angeklagten an und verminderte die sonst fällige Strafe um fast ein Jahr. Sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch der Angeklagte akzeptierten noch im Gerichtssaal das Urteil und verzichteten auf weitere Rechtsmittel.

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