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Vom Wollen zum Können gelangt

Auszeichnung Wilfried Weyl erhält in Wien Johannes-Feest-Preis / Verdienste in JVA-Krankenpflege

BUTZBACH (pm). Auf der neunten Europäischen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft in Wien wurde der ehemalige Pflegedienstleiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Butzbach, Wilfried Weyl mit dem Johannes-Feest-Preis ausgezeichnet. Weyl ist der dritte Preisträger nach dem Wiener Professor Dr. Jörg Pont und Bärbel Knorr von der deutschen Aids-Hilfe.

Laudator Professor Dr. Heino Stöver von der University of Applied Sciences in Frankfurt würdigte den Preisträger: „Weyl ist eine Person, die sich intensiv um die Gesundheitsförderung in Haft bemüht hat, und zwar sowohl in der täglichen Praxis als auch der konzeptionellen Weiterentwicklung. Und das auf eine Art und Weise, vor der sich die Preis-Jury mit hohem Respekt verneigt.“ Mit ihm werde auch eine Profession ausgezeichnet, die oft drohe in der Diskussion nicht erwähnt zu werden, die aber für die Gefangenen immer die erste Anlaufstelle darstellt: die Krankenpfleger.

Der australische Arzt und Gesundheitsexperte Professor Michael Levy erkennt eine Mittelpunktfunktion, die Krankenpflege oft im Vollzugsalltag für die Gefangenen einnehmen: Sie sind Versorger, Zuhörer, Kümmerer, Macher, Vertreter und Übersetzer der Ärzte gleichermaßen, sie stellen Verbindungen zum Vollzug und zu Einrichtungen in Freiheit her.

Der diesjährige Preisträger seu ein sehr mutiger Vertreter seiner Profession, voller Respekt für die Patienten, voller Kooperationsbereitschaft und kollegialer Unterstützung. Er schafft die Balance – wie viele Krankenpfleger – zwischen den verschiedenen Erwartungen: Gefangene, Ärzte, Vollzug, Leitung, externe Organisationen.

Weyl habe sich sehr um ein professionelles Selbstverständnis der Krankenpfleger im Justizvollzug bemüht und um eine Selbstorganisation dieser Profession. Er sei mutig und kämpferisch und er legte sich auch mit Vorgesetzten bis hin zu dem Justizministerium seines Bundeslandes an.

In lebhafter Erinnerung bleibt seine Mitarbeit und Einsatz für die Konzeption zur Risikominderung ansteckender Krankheiten, damals in der Diskussion nur auf das  Spritzenaustauschprojekt fokussiert.Nach seiner Pensionierung hat seine Mitarbeit an der Charta der Bundesregierung zur „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ die Situation im Vollzug beschrieben. Weyl sei jemand, dem die Bedarfe der Menschen in Haft, die oft aus ressourcenarmen Schichten der Gesellschaft kommen, Ausgegrenzte und Stigmatisierte am Herzen liegen, und mit Herzblut viel für deren Unterstützung tut und getan hat. „Wir brauchen Menschen wie ihn, um lassen Sie es mich philosophisch ausdrücken – vom Wollen zum Können zu kommen.“

„Ich habe nur meine Arbeit gemacht und mir immer gesagt: was würdest du erwarten wenn du aus welchen Gründen auch immer in Haft kommen würdest und da ist Menschlichkeit das mindeste“, sagte Weyl.

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