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Von Mops-Raub nichts gewusst

Gericht 28-Jähriger Türke aus Butzbach muss in Haft / Hunde-Raub des Bruders wird separat verhandelt

BUTZBACH (jwn). Sehr teuer kommt einen 28-jährigen Türken aus Butzbach seine brüderliche Hilfe zu stehen. Zwei Jahre und drei Monate Knast für den Überfall auf die Familie der Ex-Freundin seines Bruders unter Einsatz von körperlicher Gewalt und Pfefferspray hielt das Gericht für angemessen. Der Vorsitzende Richter am Gießener Landgericht Jost Holtzmann wollte den Begriff „Rollkommando“, den einer der Verteidiger in diesem Zusammenhang ins Spiel gebracht hatte, zwar so nicht gelten lassen, „doch wenn fünf ausgewachsene Männer im besten Alter eine Familie in ihrer Wohnung im Rahmen einer Vergeltungsaktion überfallen, dann geht das schon unter die Haut und ist nicht nur ein simpler Hausfriedensbruch“.

Was war passiert? Am 19. Juni vergangenen Jahres waren die beiden türkischstämmigen Brüder, 27 und 28 Jahre alt, zusammen mit drei Freunden vor dem Elternhaus der Ex-Freundin des jüngeren Bruders erschienen, um einen Streit mit Verwandten der Ex-Freundin aus dem Wege zu räumen. Gegen den Willen der Eltern der 23-jährigen Ex-Freundin drangen die fünf in die Wohnung ein, auf der Suche nach dem Bruder der  Ex. Der hatte nämlich eine Woche zuvor Streit mit dem jüngeren Angeklagten in dessen Shisha-Bar angefangen, weil der seine Schwester, die trotz Trennung zu dem Zeitpunkt noch in der Bar gearbeitet hatte, nicht nur vor die Tür gesetzt, sondern sie dabei auch noch geschlagen hatte. Der Bruder der 23-Jährigen war daraufhin mit Freunden in der Bar erschienen und es wurde nicht nur Worte gewechselt.

Der „Besuch“ der beiden Brüder zusammen mit ihren drei Freunden in der Wohnung der Eltern galt eigentlich dem Bruder der Ex. Nur war der an diesem Abend nicht zu Hause. Im Flur der Wohnung sei es zu Rangeleien gekommen, weil der Vater die fünf Türken wieder aus der Wohnung haben wollte. Es wurde von beiden Seiten gerempelt, geschubst und auch gestoßen. Als die fünf endlich vor die Wohnungstür gedrängt waren, war diese auch nicht mehr heil. Das wiederum nutzte der ältere Bruder, um durch die entstandene Lücke Pfefferspray in die Wohnung zu sprühen. Was er nicht wusste war, dass sein Bruder währenddessen den Hund seiner Ex, einen zwei Jahre alten Mops, mit aus der Wohnung genommen hatte. Die Anklage lautete deshalb zunächst auf besonders schweren Raub, in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Doch dies war nach den zwei Verhandlungstagen und der weitgehenden Aufklärung des Tatgeschehens dann auch der Staatsanwältin Fischer zu viel des Guten. Auf Vorschlag des Gerichts milderte sie die Anklage zumindest gegenüber dem älteren Bruder auf einfachen Raub, gefährliche Körperverletzung sowie Nötigung und Hausfriedensbruch ab. Es gebe keinen hinreichenden Beweis, dass er von der Mitnahme des Mops durch seinen Bruder schon vorher wusste. Außerdem habe er angenommen, dass der Mops ihm gehöre und nicht seiner Ex. Die Staatsanwältin forderte deshalb unter Anrechnung einer alten Strafe drei Jahre Haft. Die Verteidigung plädierte hingegen auf einer Bewährungsstrafe, da sein Tatbeitrag doch recht begrenzt gewesen und aus Bruderliebe geschehen sei.

In der Verhandlung blieb es zunächst bei der Anklage gegen den älteren Bruder, weil sich der jüngere mit seinem Anwalt kurz vor dem dritten Verhandlungstag zerstritten hatte und nun auf einem neuen Verteidiger bestand. Nach kurzer Beratung folgte das Gericht dem Antrag und teilte das Verfahren gegen den 27-Jährigen kurzerhand ab. Das wird nun innerhalb der nächsten drei Wochen mit neuem Rechtsbeistand separat fortgesetzt. Auch wenn der Tatbeitrag des 28-Jährigen sich auf das Schubsen und das Sprühen von Pfefferspray beschränkte, so verhängte das Gericht auch schon wegen der vielen einschlägigen Vorstrafen trotzdem eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monate. Der Angeklagte habe einen Hang zur Gewalttätigkeit und die müsse man ihm austreiben. Der Mops ist übrigens einige Tage später von alleine wieder zu seinem Frauchen zurückgekehrt.

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