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Vor zwei Jahren brannte Notre-Dame

BUTZBACH. Mit allein geschätzten 13 Millionen Besuchern pro Jahr war die Kathedrale Notre-Dame de Paris die meistbesuchte Sehenswürdigkeit und hatte damit doppelt so viele Bewunderer wie der Eiffelturm. Noch am 13. April 2019 war eine Gruppe des Städtepartnerschaftsvereins Butzbach zu Gast in der Partnerstadt Saint-Cyr-l’École und in Paris und startete die Erkundung der Metropole von der Kathedrale aus.

Butzbacher Städtepartnerschaftsverein zum Stand der Aufbau-Arbeiten / Ursache weiter unbekannt

BUTZBACH (pm). Zwei Jahre nach dem Feuer in Notre-Dame blickt der Städtepartnerschaftsverein Butzbach auf die Pariser Kathedrale. Am 15. April 2019 gingen die Aufnahmen der brennenden Kathedrale „Notre-Dame de Paris“ um die Welt.  Das Inferno im Herzen der französischen Hauptstadt hatte international Erschütterung ausgelöst. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte damals einen Wiederaufbau innerhalb von fünf Jahren versprochen.  

Die wildesten Ideen für die Restaurierung der Kirche wurden eingebracht: ein Turm aus Glas, ein begrüntes Dach. Die Charta von Venedig setzte den Querelen ein Ende. Diese Urkunde aus dem Jahr 1964 gilt als zentrale und international anerkannte Richtlinie in der Denkmalpflege und als wichtigster denkmalpflegerischer Text des 20. Jahrhunderts. Sie legt zentrale Werte und Vorgehensweisen bei der Konservierung und Restaurierung von Denkmalen fest und ist auch wegweisend für die Kathedrale, die nun originalgetreu wieder aufgebaut wird. Die grundlegenden Entwürfe für das Projekt der Chefarchitekten Philippe Villeneuve und Rémi Fromont sind genehmigt. 

Wohl jeder hat noch das erschütternde Bild noch vor Augen, als der brennende Dachreiter der Kathedrale in das Innere der Kirche stürzte. Dieser war im März/April 2019 wegen einer anstehenden Restaurierung mit einem Stahlgerüst umbaut worden. Am 11. April 2019 hatte man die Statuen der zwölf Apostel und der vier Evangelisten entfernt, die den Turm umgaben. Viele Schätze, wie die berühmten Reliquien der Dornenkrone Christi, ein Splitter vom Kreuz Christi sowie ein Nagel von der Kreuzigung, wurden noch während des Brands unter lebensgefährlichem Einsatz der Feuerwehrkräfte gerettet. Das kostbare mittelalterliche Dachgestühl aus circa 1300 Eichenstämmen wurde unwiederbringlich vernichtet. Das Gewölbe in der Vierung, je ein Gewölbe im nördlichen Querhaus und im Langhaus stürzten ein. 

Nach dem Brand war die Kathedrale sensibel und ihre Sicherung eine wahrhafte Herausforderung. Das Stahlgerüst um den Dachreiter mit 250 Tonnen Gewicht, bestehend aus 40 000 Stahlteilen, war durch die Flammen deformiert und wurde nach und nach abgetragen. Diese Arbeit war am 24. November 2020 vollbracht. Die Kathedrale musste gegen Witterungseinflüsse gesichert werden und spannende Rettungen von Einzelfiguren und Kunstwerken erforderten nach dem Brand eine hohe Sensibilität. Dazu erschwerten überall verkohltes Holz und das geschmolzene Blei der Dachverkleidung sowie und herabgefallenen Steine die Bergung sowie die Sicherung der Kirche. 

Da das Gleichgewicht des Bauwerkes durch den eingestürzten Dachstuhl und das Löschwasser massiv gestört war, wurden im äußeren Bereich des Chores hölzerne Rundbögen von 16 Metern Länge unter die Bögen der Strebepfeiler geschoben, um diese zu verstärken. Die kleinste Erschütterung hätte fatale Folgen gehabt.

Die Ursache des Brandes ist immer noch nicht geklärt, denn mit dem zerstörten Dachstuhl sind auch viele Indizien nicht mehr vorhanden. Ein terroristischer Anschlag wird ausgeschlossen. Am wahrscheinlichsten erscheint immer noch ein Defekt in der Stromleitung. 

Glücklicherweise hatten zwei junge Filmer, Victor Agulhon, und Chloé Rochereuil, kurz vor dem Brand einen Film in virtueller Realität gedreht, das heißt in 360-Grad- Technik, hochauflösend und in 3D-Technik. Dieses Team hat nun einen zweiten Film gedreht „Rebuilding Notre-Dame“. Die Sicherungsarbeiten sollen im Sommer/Herbst 2021 beendet sein. Erst dann kann der Wiederaufbau im Winter 2022 beginnen. 

Frankreich sucht nun passende Steine für den Wiederaufbau. Gemeinsam mit dem Büro für Geologie- und Bergbauforschung sollen Steine identifiziert werden, die ästhetisch und physikalisch mit den beschädigten Steinen kompatibel sind. Die Kathedrale wurde 1163 bis 1345 mit Kalksteinen aus dem Pariser Becken errichtet.

Offen ist auch noch, wie die zerstörten Glasfenster wieder ersetzt werden. Im August 2020 begann der Abbau der Hauptorgel mit 8000 Pfeifen. Das Instrument hat den Brand überstanden. Durch das Feuer wurde die Orgel aber mit bleihaltigen Rückständen überzogen. Der Abbau, die Reinigung und der Wiederaufbau werden etwa vier Jahre in Anspruch nehmen.    

Die Emotionen, die der Brand auslöste, führte zu einer großen Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau. So kamen durch 134 000 Spender allein 850 Millionen Euro zusammen. Das Datum der Fertigstellung von Notre-Dame soll nach wie vor der 16. April 2024 sein. Experten bezweifeln, dass das möglich sein wird und verdreifachen den Zeitraum für den Wiederbau. 

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