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Wald bleibt Streitpunkt

Mehrheit für Zahlen des Forstamts / Eigenbewirtschaftung derzeit nicht billiger

BUTZBACH (thg). Der Waldwirtschaftsplan für das laufende Jahr wurde in der Sitzung der Butzbacher Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend im Bürgerhaus Butzbach mehrheitlich beschlossen. Die UWG lehnte das Zahlenwerk ab, die FDP enthielt sich der Stimme, ebenso wie Markus Ruppel als einziger CDU-Stadtverordneter.

Er hatte vor der Abstimmung gesagt, die Union stimme mehrheitlich „mit Bauchschmerzen“ zu. Unter anderem vermisste er eine Nachhaltigkeitsprüfung, in die der Flächenverlust durch Rückegassen einbezogen werden müsse. Auch der „Automatismus der Erhöhung des Dienstleistungsentgelts für Hessen Forst war einer seiner Kritikpunkte. Dadurch würden in zehn Jahren nur noch 30 000 statt wie in diesem Jahr rund 112 00 Euro Überschuss erwirtschaftet oder die Einschlagquote müsste um jährlich 100 Festmeter erhöht werden, um gleiche Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Die UWG lehnte den Plan ab. Astrid Gerum wies für ihre Fraktion darauf hin, dass die Funktion des Butzbacher Forsts aufgrund der hohen Holznachfrage zu Gunsten eines Wirtschaftswaldes verändert worden sei. Die Fraktion forderte die Reduzierung des Holzeinschlags um ein Drittel, was der Rest der Stadtverordneten ablehnte. Die UWG hatte argumentiert, damit könnten die Kosten für die Holzernte durch externe Unternehmer reduziert und 84 000 Euro eingespart werden. Ruppel hielt der UWG entgegen, die Einschlagreduktion führe auch zu einem Rückgang des Erlöses um 300 000 Euro und am Ende ein Verlust von 100 000 Euro.

Der Erholungswald sei „Augenwischerei“, so Gerum, und koste nur Geld. Steuergeld koste auch die
Holzernte, indem Fördermittel des Landes für die Instandsetzung der dabei beschädigten Waldwege gezahlt werden.

Die FDP hat Bedenken beim Plan wegen des Einsatzes von Harvestern im Wald, wie Dr. Christoph Bindhardt sagte. Auch die Diskussion im Ausschuss zum Thema Schäden durch Rückemaschinen mit dem Forstamtsleiter Bernd Müller müsse noch diskutiert werden. Positiv sei der Überschuss. SPD-Fraktionsvorsitzende Vera Dick-Wenzel wies darauf hin, dass der Magistrat zur Sitzung schriftlich die Anfrage ihrer Fraktion zum Thema „Eigenbewirtschaftung des Butzbacher Waldes“ beantwortete. Daraus gehe hervor, dass die kommunale Bewirtschaftung teurer wäre als die Dienstleistung von Hessen Forst. Die Beförsterungskosten werden vom Landesbetrieb „stufenweise erhöht“, um dann im Jahr 2025 für ihn kostendeckend zu sein, geht aus der Antwort hervor. „Ab 2025 gäbe es theoretisch zumindest für den forsttechnischen Betrieb keinen Kostenunterschied zwischen Eigenbeförsterung und Dienstleistung.“ Die forsttechnische Leitung werde von Hessen Forst weiter kostenfrei zur Verfügung gestellt. Sollte der Landesbetrieb dies auch nicht mehr übernehmen, müsste die Stadt dafür sorgen.

Zitate

Aus der Butzbacher Stadtverordnetenversammlung, Debatte über den Waldwirtschaftsplan

„Wäre man in vergangenen Jahren nachhaltig und umweltschonend mit unserem Wald umgegangen und hätte die bereits vorhandenen Einrichtungen instandgehalten, anstatt sie jetzt aufwändig reparieren zu müssen, hätte man sich das Erholungswaldprojekt sparen können“, sagte Astrid Gerum (UWG).

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„Es gibt immer Luft nach oben für Verbesserungen“, räumte SPD-Fraktionsvorsitzende Vera Dick-Wenzel ein.

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Während des vergangenen Kommunalwahlkampfes sei die UWG ein flammender Verfechter des Umwelt-, Natur- und Waldschutzes gewesen, sagte Markus Ruppel (CDU). Seitdem sei sie immer ein „Neinsager“.

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CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Euler nahm Bezug auf einen Leserbrief in der BZ, in dem die Gründung einer Waldpartei angekündigt wurde. Da habe jemand gemerkt: „Die UWG hat nichts mehr drauf.“ Im Wahlkampf sei sie auf der Welle Wald geritten und jetzt „wie ein Wal gestrandet“.

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„Der Antrag der UWG-Fraktion hätte in den Ausschuss gehört, leider hat sich der Vertreter der UWG dort nicht an der Diskussion beteiligt“, sagte Ausschussvorsitzender Rainer Michel (Grüne), was unwidersprochen blieb. (thg)

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