Sommerfest im Haus Degerfeld
16. August 2019

Wald in katastrophalem Zustand

BUTZBACH. Die braune Färbung der Bäume im Butzbacher Stadtwald macht das Ausmaß der Schäden im Forst nach zwei trockenen Sommern besonders deutlich.

TROCKENHEIT – Massive Fichtenschäden im Butzbacher Stadtwald / „Mischwald von morgen“

BUTZBACH (thg). Einer Katastrophe für den Butzbacher Wald kommen die Borkenkäferschäden an den Fichten gleich. Der Weilroder Forstamtsleiter Bernd Müller von Hessen Forst sprach im Butzbacher Umweltausschuss am Mittwoch von einem „spürbaren Aderlass“ bei der Baumart. Im vergangenen und im laufenden Jahr werden am Ende voraussichtlich 60 000 Festmeter davon gefällt worden sein. Ein Fünftel bis ein Viertel der Fichten im Butzbacher Stadtwald seien verloren gegangen. 

Müller berichtete aber nicht nur über den Zustand, sondern warf auch einen Blick voraus. Aufforstung wird notwendig, und zwar in höherem Maß als bisher. Und das verursacht auch höhere Kosten. Zudem stellt sich die Frage, welche Baumarten gepflanzt werden sollen. Damit müssen sich die Stadtverordneten als Waldbesitzer befassen. Hessen Forst berät dabei. 

Im kommenden Jahr wird sich nach Müllers Befürchtungen der Verlust an Fichten noch fortsetzen. Drei Viertel des geschädigten Bestandes habe Hessen Forst „unter dem Pflug“, tote Bäume blieben aber teils auch stehen. Klima- und temperaturbedingt werde die Fichte aus den Tief- und Mittellagen verschwinden. Der Baum sei im 20. Jahrhundert nach den Weltkriegen künstlich in die Region eingebracht worden, es habe großer Bedarf an Bauholz bestanden. Das schnell wachsende Nadelholz liefere hohen Ertrag. 

Wegen des vielen Fichtenholzes auf dem Markt ist der Preis gesunken. Vor der Krise habe der Festmeter 98 Euro eingebracht, derzeit seien es zwischen 40 und 45 Euro. Die Aufarbeitung inklusive Nebenkosten liege bei 30 Euro. Es bleibe also noch etwas übrig. Für den Waldwirtschaftsplan dieses Jahres erwartet der Forstamtsleiter daher auch – noch – eine „schwarze Null“. 

Den Holzverkauf sieht Müller auch weiter als wichtig an. Die Gesellschaft benötige Holz, es gebe bereits Importe, aber in anderen Teilen der Erde würden die Wälder ausgeplündert, anders als in der nachhaltigen Bewirtschaftung hierzulande. Daher sei es falsch, auf die heimische Holznutzung zu verzichten. 

Unter dem Leitbegriff „Mischwald von morgen“ werden daher derzeit Entwürfe entwickelt, um einen beständigen Wald mit heimischen Baumarten angereichert mit Nadelbäumen – wie Weißtanne und Douglasie – für den Ertrag zu erhalten. 

Müller hofft, dass auf den freien Waldflächen zumindest in Teilen neuer Wald von selbst entsteht. Dies bedeute niedrigere Investitionskosten. Vor allem für heimische Arten sei dies positiv zu bewerten. Das bedeute aber auch, dass mehr Wild geschossen werden müsste, damit es die jungen Pflanzen nicht frisst. Die Jägerschaft müsse daher einbezogen werden. Dennoch sei ein großer Teil an Pflanzungen erforderlich, auch Zäune zum Schutz vor Wild müssten errichtet werden. 

Am Ende des Winters werde Hessen Forst eine Einschätzung abgeben, was gepflanzt werden soll. Schlimmstenfalls folgt dann aber ein trockenes Frühjahr, und die Neuanpflanzung gelinge nicht. 

Für eine weitere Waldbewirtschaftung plädierte Müller auch wegen der CO2-Bindung im Holz. Das Gas werde von den Bäumen aufgenommen, umgewandelt und gespeichert. Bei einer Verrottung gerate es wieder in die Atmosphäre. Werde das Holz verbaut, bleibe das CO2 in diesem auch weiter gebunden. Holz könne auch andere Materialien ersetzen, etwa Metall, für dessen Nutzung bereits viel Energie aufgewendet werden müsse. 

Vom Käfer befallene Bäume lagern mitunter noch im Wald. Dabei sei zu prüfen, in welchem Entwicklungsschritt sich die Insekten befinden und ob ein Fichtenbestand in der Nähe ist. Sollten stehende Bäume bedroht sein, müsse das Holz abgefahren oder mit einem Biozid behandelt werden – als letztes Mittel sei dies auch im zertifizierten Wald zulässig. 

Auch die Frage nach der Bodenqualität sowie nach Wasservorkommen wurde aufgeworfen. Wie Müller sagte, werde der Boden im Rahmen der auf zehn Jahre angelegten Forsteinrichtung etwa nach Wasserversorgung und Nährstoffgehalt klassifiziert. Es werde betrachtet, was für das Baumwachstum wichtig sei. 

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