Was sich die Menschen von der katholischen Kirche wünschen

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Was sich die Menschen von der katholischen Kirche wünschen

BUTZBACH/MÜNZENBERG/ROCKENBERG. Sie konzipierten und organisierten das Interview-Projekt im Dekanat Wetterau-West (v.l.): Peter Hähn (Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Mariä Himmelfahrt Friedberg), Daniela Muntetschiniger (Dekanatsjugendreferentin) und Michael Langer vom Seelsorgeteam der St.-Lioba-Schule Bad Nauheim.Text: Müh / Foto: Dekanat Wetterau-West

„Pastoraler Weg“: Umfrage in Butzbach, Münzenberg und Rockenberg stellt Christen in den Mittelpunkt

BUTZBACH/MÜNZENBERG/ROCKENBERG (Müh). Eine Kirche, die im Alltag präsent ist, die sich in politische und gesellschaftliche Themen einbringt und die sich um Bedürftige sorgt. So lauten zentrale Botschaften einer Umfrage im katholischen Dekanat Wetterau-West. Eine kleine Gruppe aus den verschiedenen Gemeinden im Dekanat Wetterau-West hatte mehr als 150 Menschen verschiedenen Alters zu ihrem Leben und ihrem Glauben befragt. Auch im Gebiet der künftigen Pfarrei Nord, zu der auch die katholischen Kirchengemeinden Butzbach, Münzenberg, Gambach und Rockenberg gehören werden, waren Interviewer unterwegs. 

Hintergrund der Aktion ist der „Pastorale Weg“ des Bistums Mainz. Hand in Hand mit notwendigen Strukturveränderungen geht der Versuch, herauszufinden, was die Menschen von der Kirche tatsächlich brauchen. Das Interview-Projekt sollte daher die Befragten in den Mittelpunkt stellen: Was ist Ihnen im Leben wichtig? Worum sorgen Sie sich? Was bedeutet für Sie Spiritualität? Wie kann Kirche in Ihren Augen für die Menschen relevant sein? Durch solche und ähnliche Fragen versuchten die Interviewer deutlich zu machen: Wir möchten mit den Menschen ins Gespräch kommen und sind an ihrer Meinung zu Lebens- und Glaubensfragen interessiert.

Weil es sich nicht um eine repräsentative Umfrage handelt, sind die Antworten nicht in Statistiken aufbereitet, sondern als Impulse für die zukünftige Arbeit auf dem Pastoralen Weg zusammengefasst.

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen, insbesondere die jüngeren Generationen, ihren Sinn im Leben in vielen Dingen außerhalb von Glauben und Kirche zu finden scheinen. In den Interviews wurden als Lebensziele vermehrt die persönliche Zufriedenheit, Erfolg, Spaß, Genuss und Freiheit genannt. „Kirche muss auf die Menschen zugehen, kein erhobener Zeigefinger, sondern die ausgestreckte Hand.“ In Zukunft wird es eine der größten Herausforderungen im Bistum und den Gemeinden sein, wie man vor allem mit jungen Menschen über ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte und den Glauben ins Gespräch kommt, ohne sie dabei einzuengen.

Viele Befragte schilderten in den Interviews ihre sehr positiven und vielfältigen Erfahrungen im Glauben und in der Gemeinschaft der Kirche: tiefgründige Glaubenserfahrungen, Freude beim Engagement, menschliche Begegnungen. Bei manchen Antworten war auch eine gewisse Trauer darüber zu spüren, dass Kirche und Glauben in der heutigen Gesellschaft so sehr an Ansehen verlieren. „Schade, dass in der katholischen Kirche Vieles nicht mehr so ist, wie in meiner Kindheit und Jugend.“ Darin wurde deutlich: Glauben beinhaltet Schätze für viele Menschen. Darauf können Kirchengemeinden aufbauen und selbstbewusst anbieten. Ohne allerdings eingeschnappt zu sein, wenn ihre Angebote ausgeschlagen werden.

„Ich wünsche mir eine modernere und tolerante Struktur der Kirche.“ Diese oft genannte Antwort zeigt, dass die Befragten sich stark nach Offenheit in der katholischen Kirche sehnen. Die Menschen wünschen sich eine Kirche, in der Vorurteile keinen Platz haben und die niemanden ausschließt. Mehr Weltnähe, Demokratie und Ökumene sind sehr oft genannte Forderungen.

Die Befragten teilten darüber hinaus mit: „Die Machtfrage in der Kirche lösen! Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen weihen! Verständnis für Geschiedene und Wiederverheiratete! Änderung der Sexualmoral! Freiwilliger Zölibat!“ Ferner wurden Themen ins Gespräch gebracht, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, auf die vor Ort jedoch wenig bis kein Einfluss genommen werden kann. Tendenziell stimmen viele Menschen mit den „offiziellen“ Sichtweisen von Kirche nicht mehr überein und stellen die Frage, wie es vor Ort dennoch gelingen kann, bestimmte Überzeugungen umzusetzen? Eine Kirche, die im Alltag präsent ist, die sich in politische und gesellschaftliche Themen einbringt und die sich um Bedürftige sorgt, ist die Vorstellung von einer lebendigen Kirche. 

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