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Waschmühle besteht seit 600 Jahren

GAMBACH/GRIEDEL. Die Waschmühle wird in diesem Jahr 600 Jahre alt, wie Gail Schunk nach Dokumentenstudium herausgefunden hat. Foto: GS

GESCHICHTE – In Gambacher Gemarkung gelegenes Gebäude erhielt auch Besuch von Räuberbanden

GAMBACH/GRIEDEL. Die heutige Waschmühle auf der Straße von Butzbach nach Gambach gehört in die Gemarkung Gambach. In diesem Jahr ist die Mühle 600 Jahre alt geworden. Unterstützt wurde der Bau von der Stadt und Wollenweberzunft in Butzbach. Am 13. Januar 1419 lud der Rat der Stadt Butzbach zu einem Umtrunk auf der Kreuz- oder Waschmühle ein: „Item 12 heller um Wein getrunken als man erste Muhle die Kreuzmühle bestellte circa octavam epiphaniae (1419 c. Jan. 13)“. 

Die Geschichte der Kreuz- oder Waschmühle bei Gambach ist sehr wechselhaft. Am Anfang stand eine Kreuzmühle bei der Rainmühle in der Griedeler Gemarkung. 1315 überließ Mechthild, Witwe des Huperts aus Wetzlar, den Johannitern in Nieder-Weisel die Kreuzmühle gegen Kornrenten zu Kirch-Göns. Um eine Mühle am Laufen zu halten, musste man investieren. Dies hatten die Johanniter vernachlässigt. Eine der beiden Rainmühlen und die Kreuzmühle, beide in Besitz der Johanniter, verfielen. Die Kreuzmühle wurde sogar überbaut. Um die Mühlen wieder in Betrieb zu bringen, hat Philipp von Falkenstein kurzerhand die Mühlen am Platz quasi „verstaatlicht“.  1380 waren die Mühlen wieder in Betrieb, und Philipp von Falkenstein schenkte den Johannitern Mehl aus der Mühle, die man Kreuzmühle nannte, mit dem Hinweis, dass der neue Pächter Angestellter der Falkensteiner war.

Dies war die letzte Erwähnung der Kreuzmühle bei der Rainmühle. Erst an dem denkwürdigen Tag des Umtrunks im Jahr 1419 hörte man wieder von einer Kreuz- oder Waschmühle. Im Laufe des 15. Jahrhunderts durfte auch Mahlgut aus Pohl- und Kirch-Göns und weiteren Hüttenberger Orten dort angenommen werden.  

Irgendwann im frühen 17. Jahrhundert wurde die Gemarkungsgrenzen im Bereich der Waschmühle neu gezogen. Die Mühle und das ganze Bockenheimer Feld gingen von Griedel an Gambach. Ein Müller dieser Zeit, Johann Konrad Grieb, wurde Gerichtsschöffe in Gambach.  

Die etwas abgelegene Lage der Mühle führte dazu, dass häufig Räuberbanden dort einfielen. Schon 1430 musste die Stadt Butzbach Fuhrlohn bezahlen, um am Tag der heiligen Katharina (25. November) Schützen nach der Mühle zu fahren. Die Bande wurde von den Schützen durch den Gambacher Wald verfolgt, wo sie die Spuren verloren. Nach der Jagd auf die Räuber gab es auf der Mühle einen Umtrunk. 

1581 wurde die Mühle an die Wollenweberzunft in Butzbach verpachtet. Aber die Zunft lag im Verfall. Kaum einer wollte noch beitreten. Lediglich die Strumpfweber nutzten die Waschmühle. Getreide wurde auch noch auf der Mühle gemahlen, so dass ein wirtschaftliches Standbein noch existierte. Wohl haben manche Butzbacher Mehl dort mahlen lassen, so dass der Müller behauptete, Mahlrecht in Butzbach zu haben. Dies führte noch ab 1713 zu Streit mit den Grafen von Solms-Braunfels und den Griedeler Mühlen, der offensichtlich nicht mehr im Alten Reich gelöst werden konnte. Im 19. Jahrhundert gab es keinen Mühlenzwang mehr, und noch weniger Mühlen, so dass die Konkurrenz nicht mehr so stark war.

Im Herbst dieses Jahres findet ein Vortrag über „Mühlengeschichten aus Griedel“ in Griedel statt. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Gail Schunk

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