Wassergüsse nach Sebastian Kneipp fast wie „Prosecco in den Waden“

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Wassergüsse nach Sebastian Kneipp fast wie „Prosecco in den Waden“

BUTZBACH. Dr. Lutz Ehnert ist Internist, Badearzt, Kneipp-Arzt und Vorsitzender des Kneipp-Landesverbands.

Eins von fünf Elementen der Gesundheitslehre des Priesters / 120 Wasseranwendungen wie Wickel und Bäder

BUTZBACH (pm). Es ist das Sebastian-Kneipp-Jahr, am 17. Mai wäre Sebastian Anton Kneipp 200 Jahre alt geworden. Das Kneipp´sche Gesundheitskonzept hat an Aktualität nichts eingebüßt. Die Stärkung des Immunsystems ist wichtiger denn je. Die Stadt Butzbach arbeitet an der Umsetzung eines Kneipp-Konzepts. 

Das Sebastian-Kneipp-Jahr ist auch ein Appell für ein bisschen mehr Achtsamkeit. Kneipps unbeirrbarer Glaube und seine Hartnäckigkeit, die Gesundheit nicht der Krankheit unterzuordnen, wird von der Konzeptgruppe um Bürgermeister Michael Merle und Kneipp-Arzt Dr. Lutz Ehnert mit jeweils einem BZ-Beitrag zu seinen fünf Elementen gewürdigt.

Es ist ein wenig, als würde Prosecco durch die Waden rinnen. Nach einem kalten Guss „bitzelt“ es, ein Kältereiz durchströmt den Körper, der reagiert kurze Zeit später mit einem wohligen Wärmegefühl. Mit rund 120 Wasseranwendungen bietet Kneipp ein reichhaltiges Repertoire: Es gibt Waschungen, Güsse, Wickel oder Bäder. Sie bewirken Reize, die wie kleine Wachrüttler sogar Organe stimulieren und den Organismus stärken können.

Kneipp stieg in die Donau und erholte sich damit, wie er sagte, von einem Lungenleiden. Kneipp tauchte in die Bäderheilkunde – die Balneologie – ein. Er experimentierte, beobachtete genau. Wie und bei welchen Leiden hilft das Wasser? Kneipp wollte den Krankheiten den Boden entziehen. Mit Erfolg. „Ich glaube, dass ich kein Heilmittel anführen kann, das sicherer heilt als das Wasser“, schlussfolgerte der Priester. Dabei gilt: Kleine Reize entfachen die Lebensfunktionen, gut dosierte, mittlere Reize kräftigen, zu starke Reize schaden. 

Der Butzbacher Internist und Badearzt Ehnert mit Praxis in Bad Nauheim ist auch Kneipp-Arzt und zudem Vorsitzender des größten hessischen Kneipp-Vereins und des Landesverbandes. Als kleiner Junge stolzierte er mit seinen Eltern durch zahlreiche Tretbecken in Bad Wörishofen. Wenn seine Fußsohlen mit kaltem Wasser begossen wurden, hat er das besonders genossen: „Das hat gekribbelt und belebt.“ Es sind diese Erlebnisse, die ihn prägten. Kneipp wirkt – früher wie heute. Die Anwendungen funktionieren auch zu Hause. Ehnert erklärt: „Der kalte Knieguss in der einfachen Linienführung beispielsweise macht müden Beinen oder auch Kopfschmerzen den Garaus. Nicht verträglich ist er bei einem Hexenschuss, einem Harnwegsinfekt oder fortgeschrittenen Durchblutungsstörungen.“ Frauen während der Regelblutung sollten darauf verzichten. 

Ist die Haut warm, kann es losgehen: „Beginnen Sie am rechten Bein und führen Sie den kalten, nicht zu starken Wasserstrahl vom Fußrücken außen am Unterschenkel langsam aufwärts. Oberhalb der Kniekehle verweilen Sie zwischen fünf und acht Sekunden. Von dort wechseln Sie auf die Vorderseite, verharren oberhalb des Knies wieder eine Weile, bevor Sie auf der Innenseite den Wasserstrahl wieder zum Fuß lenken. Nun ist das linke Bein an der Reihe. Zum Abschluss werden die Fußsohlen nacheinander in Kreisen begossen“, erläutert Ehnert.

Wichtig laut Arzt: „Trocknen Sie sich nicht ab, ziehen Sie allenfalls das überschüssige Wasser mit der Hand ab. Gehen Sie ein wenig, tanzen Sie auf der Stelle. Mit noch feuchten Beinen geht es in die Strümpfe. Das Wasser verdunstet, gut durchblutete Waden und Füße sind der Lohn. Es fühlt sich fast an, wie ein kleiner Schwips“, beschreibt er.

Am Samstag, 14. August, wird von 14.30 bis 17.30 Uhr, gemeinsam mit dem Kneippverein Bad Nauheim / Bad Salzhausen / Friedberg, der TourismusRegion Wetterau und vielen Butzbacher Kneipp-Freunden der Schlosspark zum „ersten Sebastian-Kneipp-Tag“ in ein Kneipp-Mitmach-Areal verwandelt. Alle – Groß und Klein können an diesem Nachmittag die fünf Elemente nach Kneipp mit allen Sinnen kennenlernen.

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