Wegen Brückenabbruch fuhr kein Zug der Main-Weser-Bahn am Wochenende

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Wegen Brückenabbruch fuhr kein Zug der Main-Weser-Bahn am Wochenende

BUTZBACH. Zwei Tage lang wurden bei der Main-Weser-Bahn insgesamt  drei Brückenbauwerke in Großen-Linden, Kirch-Göns und Griedel  abgebrochen. Zu „handlichen“ jeweils 30 Tonnen schweren Stücken wurden die Betonbrücken zersägt und neben der Bahn mit Hilfe eines Krans abgelegt. – Unsere Bilder zeigen den Brückenabbruch bei Griedel, auf dem linken Bild am Samstagabend gegen 18 Uhr und  auf dem rechten Bild am Sonntagvormittag um 11.30 Uhr.

Busverkehr zwischen Gießen und Bad Nauheim / Abbrucharbeiten verliefen planmäßig

BUTZBACH/GROSSEN-LINDEN (wiß). Weder mit den Ehrlich-Brothers noch mit David Copperfield hatten jene riesigen Sägeblätter etwas zu tun, schließlich wurden ja auch nicht Menschen, sondern harter Beton zersägt – beim Abriss der gut 90 Jahren alten Wirtschaftswegbrücke bei Großen-Linden. Diese und noch zwei weitere Wirtschaftswegbrücken in Kirch-Göns und Butzbach wurden am Samstag und Sonntag abgerissen, weshalb auch keine Bahn zwischen Gießen und Bad Nauheim verkehrte und hier an beiden Tagen ein Schienenersatzverkehr per Bus erfolgte. 

Der Abriss der Wirtschaftswegbrücke nördlich des einstigen Bahnwärterhäuschens in Großen-Linden über die Main-Weser-Bahn wurde durch die langanhaltenden Regenfälle bereits am Freitag erheblich erschwert. Denn am Freitagmorgen rollte der 500-Tonne-Kran an. Damit dieser überhaupt zur Baustelle im Bergwerkswald gelangen konnte, musste nicht nur die Statik der Brücke über die A 485 überprüft werden, ob diese eine solche Last überhaupt trägt, sondern auch die Zufahrt zur Baustelle aufgrund des aufgeweichten Bodens durch Druckverteilungsplatten gefestigt werden. 

Auch der Aufbau des Krans wurde durch den Dauerregen erschwert, wobei dann nach der Streckensperrung zunächst jene riesigen Sägeblätter zum Einsatz, kommen, die einem ansonsten nur aus Zaubershows bekannt sind. Doch auch Diamant- und Seilsägen kamen zum Einsatz um sich durch den fast einen Meter dicken Beton zu fräsen. Die fast 30 Meter lange und fünf Meter breite, noch aus den 30er-Jahren stammende Brücke wurde in neun Teile geschnitten, die Geländer an beiden Seiten mittels Flexeinsatz getrennt, derweil von den Gleisen mittels eines dort eingesetzten Hubsteigers die Befestigungen durch einen Bauarbeiter erfolgten. 

Wie der verantwortliche Projektleiter und auch Polier Uwe Kowald erläuterten, wurden für den Abriss die aus dem Jahr 1928 stammenden Bestandspläne herangezogen um die Statik für den Abbruch zu berechnen. Die wohl um 1930 errichtete Stahlbetonbrücke wurde in den 60er Jahren bereits saniert. 

In Großen-Linden wie auch an den anderen Baustellen in Kirch-Göns und  Butzbach wurde die Firma B &H-Bau in Ettlingen von der Bahn mit der Durchführung der Abrissarbeiten für die Bahn durch alle drei Baustellen beauftragt, wobei so an diesem Wochenende insgesamt 40 Arbeiter im Einsatz waren. Dabei wurden an allen drei Baustellen die Abrissarbeiten so ausgeführt, dass kein Verschwenken der Oberleitung, sprich Ab- und Neuaufbau, erforderlich war. Selbstverständlich war die Oberleitung für die Durchführung der Abrißarbeiten ausgeschaltet. 

War ursprünglich geplant, im Zuge der Brückenabrissarbeiten auch den Austausch der Oberleitungsmasten bei der Bahndammsanierung in Großen-Linden vorzunehmen, so gab es hier Schwierigkeiten dies während der Sperrphase durchzuführen. Hier müssen durch die Verformungen der Oberleitungsmasten insgesamt sieben Oberleitungsmasten ab- und acht Oberleitungsmasten aufgebaut werden – nun zu einem späteren Zeitpunkt. 

Am 75 Meter hohen Kranarm wurden nicht nur die zuvor „ausgesägten“ neun jeweils rund 45 Tonnen schweren Brückensegmente emporgehoben und auf der Westseite der Baustelle abgelegt, sondern auch die beiden Brückenpfeiler. Die Betonmassen werden vor Ort zerkleinert und transportfertig gemacht, um als Recyclingmasse wieder verwertet zu können. 

Bis am heutigen Montagmorgen um 4 Uhr mussten die Abrissarbeiten abgeschlossen sein, damit anschließend der Bahnverkehr wieder rollen kann. Nach dem nun vollzogenen Brückenabbruch werden außerhalb des Gleisbereiches die neuen Widerlager, welche dann als Auflager für den Überbau dienen, hergestellt. Der neue Stahlverbund-Überbau besteht aus insgesamt vier Stahl-Fertigteilträgern, welche dann in einzelnen Nachtsperrungen der Bahnstrecke im September 2021 mit einem Mobilkran eingehoben werden sollen. Dabei handelt es sich um bis zu 26 Meter lange Spannbetonfertigteile. Danach wird der Überbau betoniert und im Dezember soll dann die Brücke wieder für Fußgänger und Radfahrer freigegeben werden. Von dem allem bekamen die Bahnreisenden an beiden Tagen nichts mit, denn statt in die Bahn ging es in den Bus, der dann die einzelnen Bahnhöfe zwischen Gießen und Bad Nauheim ansteuerte. 

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