„Weidig in seiner Epoche betrachten“

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„Weidig in seiner Epoche betrachten“

Foto: thg

DEMOKRATIEKONFERENZ – Historiker Dr. Gad Arnsberg am Dienstag zu Gast im Museum Butzbach

BUTZBACH (pm). Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ kommt der in Israel geborene Dr. Gad Arnsberg, der teils in Frankfurt aufgewachsen ist und Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv und dem Beith Berl Colleg in Israel lehrte, zur Demokratiekonferenz am Dienstag, 11. Dezember, 18.00 Uhr ins Museum der Stadt Butzbach. Das vor kurzem veröffentlichte Standardwerk „… über die Notwendigkeit einer deutschen Republik“ zeichnet den Historiker in besonderer Weise aus.

Inhaltlich geht es in der Konferenz darum, die deutsche Demokratiebildung zu hinterfragen und im historischen Kontext verstehen zu lernen. Weidig war facettenreich und ist im Kontext seiner Zeit zu deuten. Eine zeitgemäße Perspektive verhilft, ihn historisch einzuordnen, nämlich als frühen Vorreiter der Demokratie, ohne ihn deshalb zum modernen liberalen Demokraten zu stilisieren. 

Weidigs politische Denkfiguren dienen als Messlatte, an der die Entwicklungsstufen des demokratischen Reifeprozesses in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgelesen werden kann. Der Weg war gewunden und von der Wechselwirkung von Aufruhr, politischer Lockerung, Repression gekennzeichnet.  

So stand etwa Hambach für den Auftritt einer gesellschaftlich breit gefächerten politischen Öffentlichkeit in Deutschland, für die Erringung universaler, menschlicher und bürgerlicher Freiheiten, für die nationale Einigung unter einem demokratischen und republikanischen Vorzeichen, für die gegenseitige Solidarität der nationalen Freiheitsbewegungen und für einen europäischen Bund der unabhängigen Nationalstaaten. Es bedurfte zweier Revolutionen und zweier Kriegsniederlagen bis sich diese Grundwerte in Deutschland durchgesetzt haben. 

Geschichte verläuft nicht geradlinig, sondern dialektisch. Und so kündigen sich heute neue Prozesse an, die den (west)europäischen Konsens nach dem Zweiten Weltkrieg zu erodieren drohen. Das Demokratieverständnis war in der Moderne einem Wandel unterzogen.
Illiberale Züge sind geschichtlich bekannt, und manche neue Tendenzen gemahnen an historische Vorbilder. Vermag die europäische Leitidee eines Verbunds liberaler Demokratien die Gegenkräfte einzubinden und sich den neuen Herausforderungen anzupassen, ohne radikaleren Kräften außerhalb des demokratischen Grundkonsenses das Feld zu überlassen?

Im Anschluss an den Vortrag wird es ausreichend Möglichkeiten geben, mit dem Referenten ins Gespräch zu kommen.

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