Weidig-Musical „Aus freien Stücken“ ist auf den Herbst 2020 verschoben

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Weidig-Musical „Aus freien Stücken“ ist auf den Herbst 2020 verschoben

BUTZBACH. Wegen der Corona-Pandemie muss auch die Aufführung des Weidig-Musicals „Aus freien Stücken“, die eigentlich im Juni stattfinden sollte, auf den Herbst verschoben werden. Die Collage zeigt die Mitglieder der Musical-AG der Weidigschule. Foto: egerer

BUTZBACH (pm). Das Weidig-Musical „Aus freien Stücken“ … kann, wie andere Veranstaltungen, ebenfalls nicht wie geplant im Juni 2020 stattfinden. Denn „aus freien Stücken“ zu proben, „aus freien Stücken“ auf die Bühne zu gehen und zu zeigen, woran man die letzten zwei Jahre gearbeitet hat, … daran ist erstmal nicht zu denken. Die Mitglieder des aktuellen Ensembles der Musical-AG der Weidigschule erleben derzeit hautnah, was es heißt, sich nicht „aus freien Stücken“ versammeln zu können oder in öffentlichen Sportstätten gemeinsam Sport zu treiben u.ä. So wie Weidig, der Protagonist des selbst geschriebenen Stückes, wenn er dies mit seinen Schülern auf dem Schrenzerturnplatz tat, stets unter Beobachtung stand oder als Burschenschaftler gegen die Sanktionen der damaligen Zeit aufbegehrte. 

Solche Dinge recherchierten die Schüler der Musical-AG der Weidigschule in den vergangenen eineinhalb Jahren, in denen sie sich nun mit dieser Thematik befassen und es jetzt in die letzte Phase gehen sollte, zu der auch das Benennen und Veröffentlichen des obigen Titels gehört. Auch wenn allen klar ist, dass die historischen Beweggründe keineswegs vergleichbar sind mit der derzeitigen Situation. 

In keiner vorherigen Musical-Produktion waren aber ansatzweise vergleichbare Folgen derart greifbar, wie sie die jungen Darsteller aktuell erleben. Dadurch sind sie dazu aufgefordert, ihr Skript allein zu überarbeiten, den Tanz in den eigenen vier Wänden zu proben, den Song zwar mit aufgenommener Klavierbegleitung, jedoch ohne Coach zu üben, eben alles, wofür man brennt und es bald auf der Bühne hätte präsentieren wollen, ohne Interaktion, Unterstützung und gemeinsame Ideen fertig stellen muss. Denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben! 

Geplant ist die Aufführung für Herbst 2020, also nach den Sommerferien und trotzdem mit allen Beteiligten auf, vor, hinter und neben der Bühne. Selbst die diesjährigen Abiturienten, die zentrale Rollen bekleiden, haben signalisiert, dass sie dann noch zur Verfügung stünden und unbedingt dabei sein wollen. Wobei hier nicht nur von „wollen“ die Rede sein kann, natürlich sollen sie dabei sein, wo sie doch so lange, teils Feder führend, wie z.B. Hauptdarsteller Ben Krappatsch als Friedrich Ludwig Weidig, mitgearbeitet und das Stück zu ihrem Stück gemacht haben bzw. noch machen werden. 

Doch „Was bleibt?“ und überdauert ohne reale Treffen, Proben und allem positiven Stress in der heißen Phase vor dem Musical, die nun leider gar nicht so „heiß“ ist und das Fortsetzen des Skripts im stillen Kämmerlein, das Einstudieren der Choreos über Videosequenzen, das Komponieren der Songs ohne Band etc. stattfindet. „Was bleibt?“ ist nicht nur der Titel der letzten Weidigschul-Musicalproduktion aus 2018, sondern auch ein treffender Slogan für die Musical-Familie . Was denken und fühlen die Mitglieder der aktuellen AG? „Was bleibt?“ aus der Zeit als wir noch gemeinsam und analog probten, sind Erinnerungen an … „auf dem Boden rumkriechen und komische Geräusche machen, ist eigentlich peinlich, aber in der AG einfach nur witzig“, … „Coachings, Spiele, gemeinsame Inszenierungen“, … „aus irgendwelchen Recherchen und Informationen spannende Szenen zu entwickeln“, … „Motivation, die man allein nicht hat“, … „zusammen denken und kreativ sein“, … „stolz auf sich und die anderen Mitglieder auf der Bühne zu stehen“, … „gemeinsam zu feiern, singen und tanzen“, … „jahrgangsübergreifende Freundschaften knüpfen“, … „Leute richtig gut kennen lernen, mit denen man sonst nie etwas zu tun hätte“. 

Bilder aus alten Aufführungen, wie sie hier zu sehen sind oder CD-Aufnahmen helfen natürlich, die Motivation ein wenig aufrecht zu erhalten und sich doch „aus freien Stücken“ auf das zu freuen, was rund um das diesjährige Weidigmusical hoffentlich noch kommen wird. Jiesue Choi, eine der Jüngeren des Esembles, vermisst es „selbst mit guter Laune angesteckt zu werden, wenn alle zur AG kommen. Mein eigenes Talent und neue Seiten an mir zu entdecken und irgendwo gebraucht zu werden“. Da ist sich auch Weidig (alias Ben Krappatsch) sicher, für den es bedeutet „ein Teil einer Gemeinschaft zu sein und etwas Großes auf die Beine zu stellen“. 

Anna Schumann erinnert sich an „Musical-Partys, einzigartige Menschen kennen zu lernen“ und sie sagt: „Ich fühle mich durch die Freizeiten immer ein Stückchen mehr als Mitglied der AG“. Mit „Freizeiten“ meint sie die alljährlichen Musical-Arbeitstage in Weilburg, an die viele gern zurück denken, weil „die wohlbekannten Kopfschmerzen und der Schlafmangel mit zur schönsten Zeit im Januar gehören und Verrücktheit, ausgefallene Ideen und vor allem Spaß auf dem Tagesplan stehen. Und auch wenn es danach wieder nach Hause geht, bedeutet Musical mehr als donnerstags nachmittags oder am Wochenende in der Schule zu bleiben. Man verbringt eine schöne Zeit, verliert die letzten Hemmungen und findet neue Freunde“. 

Emma Hoppe, die im aktuellen Stück die Figur der „Unterdrückung“ spielt, meint: „Die Probenwochenenden und die Aufführungen sind immer das Coolste am Musical-Dasein und erst dann haben wir das eigentliche Musical-Feeling“. Ihre Gegenspielerin, die Figur der „Freiheit“, gespielt von Julia Hußmann stimmt im realen Leben Emma zu und ergänzt: „Man kann zu Hause ja singen oder schauspielern, aber allein macht das viel weniger Spaß als in der Gruppe und vor allem mit der Musical-AG und gerade das fehlt, … gemeinsam singen, Spaß haben, die Sau raus lassen“. Außerdem stimmen die beiden überein: „Gerade jetzt in der eigentlich heißen Phase fehlt das Gruppengefühl, eigentlich wäre man ständig zusammen, würde proben, Spaß haben und es ist einfach schade, das zurzeit nicht zu erleben“. 

Aber eines ist für Julia und Emma gleichermaßen wichtig – ihre Freundschaft, die auch in der Zeit ohne AG, Schule u.ä. besonders wichtig ist. Ohne die AG, da sind sich die beiden einig, „wären wir bestimmt nie so gute Freunde geworden, obwohl wir uns eigentlich schon seit der Grundschule kennen und nicht weit voneinander entfernt wohnen, hatten wir nichts miteinander zu tun. Seitdem wir zusammen in der Musical-AG sind, sind wir beste Freunde geworden. Und das möchten wir nicht mehr missen!“. 

In diesem Sinne hoffen aber nicht zuletzt die vier Lehrer der AG Alexander Fischer, Ariane Kurz, Tanja Potschka und Anika Eberer, dass sie durch Videokonferenzen, Briefe, Aufgaben, Austausch über Skript und Songtexte, Videos etc. digital ein bisschen Kontakt untereinander, aber auch zur AG als Ganzes halten können. Mit dem Ausblick auf die, wenn auch verschobenen, dennoch gemeinsamen Aufführungen von „Aus freien Stücken“ wollen sie den Mitgliedern der AG Mut machen, die Motivation und Inspiration nicht zu verlieren, und sich erst recht auf gemeinsames Arbeiten, Singen, Tanzen, Schwitzen, Proben und Feiern zu freuen. So liebäugelt die gesamte Weidig-Musicalfamilie damit, dass im Herbst 2020 die große Produktion „Aus freien Stücken – Das Weidig-Musical“ wie in den vergangenen Jahren viele Zuschauer ins Butzbacher Bürgerhaus locken wird, wenn es die durch Corona hervorgerufene Situation zulässt – ganz im Sinne von Friedrich Ludwig Weidig, „frei, gesund und gemeinsam“.

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