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Weidigschule auf Umwegen erreicht

BUTZBACH. Im Rahmen des diesjährigen Kollegiumsausfluges verabschiedete das Kollegium der Weidigschule vier längjährige Lehrkräfte in den Ruhestand. Das Foto zeigt (v.l.) Schulleiterin Annette Pfannmüller, Rainer Hufnagel, Monika John, Sigrid Jung und Maritta Bedenbender. Text + Foto: br

VERABSCHIEDUNG – Vier Lehrer des Butzbacher Gymnasiums gehen in den Ruhestand

BUTZBACH (br). Im Rahmen eines Kollegiumsausfluges mit abendlicher Feierstunde verabschiedete die Schulleiterin der Weidigschule Butzbach, Annette Pfannmüller, vier Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand. Maritta Bedenbender (Mathematik, Ev. Religion), Rainer Hufnagel (Mathematik, Ev. Religion, Informatik), Monika John (Englisch, Sport) und Sigrid Jung (Französisch, Sport) beenden mit Beginn der Sommerferien ihre aktive Lehrtätigkeit. Allen vieren ist gemeinsam, dass sie in einer Zeit ihr Referendariat beendeten, als es ziemlich schwer war, eine Planstelle zu bekommen und so mussten alle in er ersten Zeit improvisieren, bevor sie in den Schuldienst eintreten konnten und auf mehr oder weniger großen Umwegen an die Weidigschule kamen. 

Maritta Bedenbender nahm zunächst eine Stelle in Dorsten an, das so weit von Gießen entfernt war, dass sie nur am Wochenende zu ihrer Familie nach Hause kommen konnte. Als sie nach Neukirchen wechseln konnte, musste sie täglich „nur noch“ 150 km pendeln. 1999 klappte es dann mit der Versetzung an die Weidigschule, an der sie die Fächer Mathematik und evangelische Religion unterrichtete. Pfannmüller beschrieb die Pensionärin als sehr zugewandte und freundliche Lehrerin, die es geschafft habe, ihren Beruf immer ernst zu nehmen und sich dennoch einen Ausgleich zu den oft anstrengenden Zeiten geschaffen habe, indem sie mit ihrem Mann ein Haus selbst ausbaute und Reparaturarbeiten an ihrem VW-Bus selbst durchführte. 

Rainer Hufnagel gehörte dem Kollegium der Weidigschule seit 35 Jahren an. Aufgewachsen im Marburger Hinterland folgte er nach erfolgreich abgelegtem Staatsexamen seiner Frau nach Baden-Württemberg, wo diese ihr Lehrvikariat absolvierte. In dieser Zeit hatte er mehrere Nebenjobs, besuchte Kurse an der VHS und als Gasthörer an der Uni im Fach Informatik. Aus dieser Zeit stammen  seine EDV- und Informatikkenntnisse und er ist stolz, dass er bereits 1975 seinen ersten Taschenrechner besaß. 1985 wurde ihm dann eine Stelle in der Wetterau, an der Weidigschule, angeboten. Neben seinem Unterrichtseinsatz in Mathematik und Religion war  Hufnagel von Anfang an in der Verwaltung als EDV-Experte gefragt. „Hierbei zeigte sich sehr deutlich sein Organisationstalent und seine Fähigkeit, im Gespräch mit Mitarbeiterinnen des Sekretariats sowie Kolleginnen und Kollegen Probleme sachbezogen anzugehen und einvernehmlich zu lösen,“ zitierte Pfannmüller eine aus ihrer Sicht sehr zutreffende Formulierung aus einer Beurteilung Hufnagels, nicht ohne mit einem Augenzwinkern auf seinen trockenen und sehr speziellen Humor hinzuweisen. 

Monika John wollte schon immer Sportlehrerin werden, weil sie das am liebsten mache. Dazu wählte sie Englisch als zweites Fach, obwohl gerade das Sitzen am Schreibtisch zum Korrigieren von Arbeiten gar nicht in ihrer Natur lag. Als Ausgleich diente ihr der Reitsport  und noch heute ist sie aktiv im Reit- und Fahrverein Butzbach. John legte ihr Abitur an der Weidigschule ab. Nach ihrem Referendariat an der Humboldtschule in Bad Homburg gab es auch für sie keine Stelle im Schuldienst und so arbeitete sie zunächst als Büroangestellte und später als Flugbegleiterin. 10 Jahre nach dem Referendariat kam ein Stellenangebot und ein Jahr später sogar die Versetzung nach Butzbach an die Weidigschule. Dort brauchte man aber ihre Fächerkombination nicht, weswegen sie zwischen 1993 und 2000 an die MPS Oberer Hüttenberg abgeordnet wurde. Danach unterrichtete John Englisch und Sport an der Weidigschule und erwarb sich zuletzt große Verdienste rund um den Aufbau des Zertifikats „Gesunde Schule“. 

Sigrid Jung zog es nach dem Abitur an der Weidigschule zunächst als Au Pair nach Frankreich, bevor sie aus Liebe zum Nachbarland in Saarbrücken Französisch und Sport studierte. Auch sie bekam zunächst keine Stelle und kehrte zurück nach Butzbach, wo sie begann, als Animateurin im Club Méditerranée zu arbeiten.Als sie schon eine Umschulung ins Auge gefasst hatte, wurde ihr eine Stelle im Internat Lucius in Echzell angeboten. 16 Jahre lang arbeitete Jung dort und konnte endlich das tun, was sie am liebsten macht: Schülerinnen und Schüler zu begeistern Sport zu treiben. 2006 erhielt Sigrid Jung eine Planstelle an der Weidigschule, die ganz andere Herausforderungen für sie brachte. Nach der Gewöhnung an die viel größeren Lerngruppen rief sie eine Drittortbegegnung im Jura ins Leben, bei der Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte in einer einsam gelegenen Berghütte viele interessante Erfahrungen machen konnten. 

Auch der Personalrat und die jeweiligen Fachkollegien verabschiedeten die angehenden Pensionäre mit verschiedenen Beiträgen und wünschten alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand.

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