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Wetterauer Räuberschicksal im Theater

GAMBACH. Noch in Freiheit und Freundschaft vereint sind in dieser Theaterszene einige Kumpane aus der Räuberbande (v.l. Ben Krappatsch, Klaus Winkelmann und „Heidenpeter“ Tobias Vogel). Text + Foto: hwp

HEIDENPETER – „Kleine Bühne Gambach“ und „Lampenfieber“ führen Stück von Johannes Schütz auf

GAMBACH (hwp). Wohl jeder kennt den Schinderhannes und seine Schandtaten – doch wer war der Heidenpeter, der Schodenheinrich oder der Schwarze Jung? Wenig ist bekannt über die Räuber, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zwischen dem Vogelsberg und dem Taunus jenseits aller Robin-Hood-Romantik ihr „Unwesen“ trieben, ohne dabei gleich zur Mörderbande zu werden. Diesen vergessenen Figuren der Wetterauer Geschichte nimmt sich die „Kleine Bühne Gambach“ in  Zusammenarbeit mit der Gambacher Theatergruppe „Lampenfieber“ in ihrer neuen Produktion an. 

Die Ur-Aufführungen des historischen Theaterstücks finden unter Regie von Johannes Schütz und Doris Regina an den Terminen  25./26. Oktober und 1./2. November, jeweils um 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Gambach statt: Nach den hoch gelobten Aufführungen des Stücks „Ratzkatrein“ im letzten Herbst über die Gambacherin Catharina Ratz, die im Jahr 1718 wahrscheinlich als letzte Frau in Hessen als vermeintliche Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, bildet das neue Stück „Heidenpeter“ den zweiten Teil der Trilogie „Gegen das Vergessen“ von Autor und Regisseur Johannes Schütz.

Zum Stück: „Heidenpeter“ beleuchtet das Schicksal des Peter Görzel, genannt Heidenpeter, der im Jahr 1813 gemeinsam mit anderen der Gaunerei beschuldigten Männern im gefürchteten Gießener „Stockhaus“ einsaß. Dort muss „Heidenpeter“ sich nun im Angesicht der Gerichtsbarkeit entscheiden – zwischen Loyalität und Verrat, Kameradschaft und Familie, Leben und Tod – und er begibt sich dabei auf einen für ihn gefährlichen Weg mit ungewissem Ausgang.  

Die Geschichte zu dieser Inszenierung basiert auf Originalaufzeichnungen des Gießener Untersuchungsrichters Friedrich Ludwig Adolf von Grolman, der das Verhör für die damalige Zeit ungewohnt psychologisch geschickt leitete und für den der Fall des „Heidenpeter“ zu einer sehr persönlichen Angelegenheit wurde. So beschreibt er den Inhaftierten mit den Worten: „Er ist behend, geschmeidig, flüchtig, aufmerksam, gelehrig, vorsichtig, überlegt, eitel, einschmeichelnd, von guter Beurteilungskraft und Gedächtnis. Mögen indes auch Falschheit, Grausamkeit und Eigennutz in ihm gewurzelt haben, so ist er doch für bessere Regung und Eindrücke noch empfänglich und die Anhänglichkeit an seine Familie erscheint vollkommen aufrichtig.“

Mit „Heidenpeter“ wird die „Kleine Bühne Gambach“ auch wieder inszenatorisch neue Wege gehen. Neben den schon bei „Ratzkatrein“ eingesetzten zentralen Elementen wie Licht, Ton und Vorhang – zum Sichtbarmachen und Öffnen von Grenzen – sollen in das unmittelbare Erlebnis der Theateraufführung nun ganz neu auch Filmsequenzen eingewoben werden, die Realitäts- und Wahrnehmungsebenen miteinander verbinden. Derzeit finden neben den anspruchsvollen, zahlreichen Bühnenproben auch die Filmaufnahmen dazu statt – gedreht in der unmittelbaren Gambacher Umgebung mit Darstellern, die sich in ihre Rollen regelrecht einleben.

Mit seiner „Trilogie gegen das Vergessen“ möchte Schütz das Publikum auf unterhaltsame Weise auffordern, sich anhand realer überlieferter Schicksale aus dem ortsgeschichtlichen Umfeld zu erinnern – an Ungerechtigkeiten und Ausgrenzung: in Deutschland, in der Wetterau, in Gambach – zu unterschiedlichen Zeiten einst und jetzt und in unterschiedlichen Kontexten. „Denn Opfer“, so Schütz, „dürfen einfach nicht vergessen werden“, und „nur Erinnern hilft – vielleicht – ein Unrecht in der Zukunft zu vermeiden.“ 

Die Karten zu den vier Aufführungsabenden, jeweils Freitag und Samstag, können ab sofort erworben werden unter www.vr-entertain.de oder über die Homepage des Theaters www.kleine-buehne-gambach.de. Der direkte Kartenverkauf findet statt am Samstag, 5. Oktober, zwischen 10.00 und 15.00 Uhr im Foyer des Bürgerhauses Gambach. Eintrittskarten kann man auch von Schütz, Sudetenstraße 11, 35516 Münzenberg (Telefon: 06033/68017) nach Absprache unmittelbar beziehen. Informationen gibt es auch unter www.kleine-buehne-gambach.de.

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