Wetteraukreis nimmt keine Schüler aus der Nachbarschaft mehr an

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Wetteraukreis nimmt keine Schüler aus der Nachbarschaft mehr an

„Kreisfremde“ Kinder aus Langgöns in Butzbach abgelehnt / Raumkapazitäten für Flüchtlingskinder freihalten

BUTZBACH (thg). Schon seit Jahren liegt Butzbach den Langgönsern näher als Gießen, wenn es um die Wahl des Gymnasiums für den Nachwuchs geht. Nach Aussage des Wetteraukreises könnte sich dies nun ändern. Denn die Weidigschule soll, wie auch alle anderen Schulen im Kreis, keine „kreisfremden“ Schüler zum neuen Schuljahr aufnehmen. Begründet wird dies vom Kreis mit der zu erwartenden Anzahl von geflüchteten Kindern aus der Ukraine, für die in der Wetterau Kapazitäten zu schaffen seien.
Zwei Eltern aus Langgöns meldeten sich am Donnerstagnachmittag in der BZ-Redaktion. Sie hatten ein Schreiben der Weidigschule erhalten, in dem Schulleiterin Annette Pfannmüller bedauert, den Aufnahmeantrag für das jeweilige Kind ablehnen zu müssen. Der Wetteraukreis gebe die Rahmenbedingungen – mit Schreiben vom 29. April – vor, die für die Schulleiterin bindend seien.
Die Langgönser Eltern führen unter anderem an, dass manche der angemeldeten Schüler bereits Geschwisterkinder an der Weidigschule haben. Das nächste Kind nun nach Gießen auf die Schule zu schicken, sei dann unter anderem ein praktisches Problem bezüglich Schulweg oder auch Betreuung.
Die Pressesprecherin des Wetteraukreises, Deliah Eckhardt, bestätigte gestern auf Nachfrage der BZ die Regelung. Die Schulen sollen nach dem Wohnortprinzip die Plätze vergeben, Kinder die im Wetteraukreis leben, müssten Vorrang haben. Das Staatliche Schulamt habe dem Kreis mitgeteilt, dass mehr als 1000 ukrainische Kinder in so genannten Intensivklassen, in denen sie schnell Deutsch lernen sollen, im Kreisgebiet in die Schulen gehen sollen. Der Wetteraukreis sei dafür zuständig, die notwendigen Raumkapazitäten zu sichern. Die Absagen beruhten darauf. „Wir schauen aber auch im Einzelfall hin“, sagte Eckhardt. Argumente, einem Kind aus dem Nachbarkreis den Schulbesuch zu ermöglichen, seien etwa, wenn schon Geschwister dorthin gehen oder auch wenn ein Umzug in den Kreis geplant ist. Eltern könnten sich in solchen Fällen an die ablehnende Schule wenden, sagte Eckhardt.

Die Leiterin der Weidigschule berichtete der BZ gestern, dass am Vormittag der Wetteraukreis die Schule darüber informiert habe, dass Ausnahmegründe geprüft werden könnten. Pfannmüller sagte, dies nun so schnell wie möglich umzusetzen und mit den betroffenen Eltern Kontakt aufzunehmen.
200 Anmeldungen für die fünfte Klasse liegen der Weidigschule laut Pfannmüller vor. Damit könnten statt bisher sechs nun sieben Klassen im Sommer starten. 19 Kinder davon stammen aus dem Landkreis Gießen. Damit blieben 181 Fünftklässler im Sommer und voraussichtlich wieder eine Begrenzung auf sechs fünfte Klassen. Damit wäre dann auch die Kapazität für eine Intensivklasse gegeben. Eine solche Klasse hatte es aber auch in der Vergangenheit bei hohen Flüchtlingszahlen noch nicht gegeben.
Was die Raumkapazität an der Weidigschule angeht, merke man bereits jetzt die steigenden Schülerzahlen. An der Schule stünden zudem Sanierungsarbeiten des Hauptgebäudes vor der Tür. Container als Ausweichklassenräume würden im Sommer aufgestellt.
Die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Dr. Rosemarie zur Heiden, erklärte, dass die Ablehnung kreisfremder Schüler in der Entscheidungskompetenz des Wetteraukreises liegt. Der Schulträger habe die Kapazitäten im Blick. Weil die Aufnahme der Schüler verpflichtend sei, laste ein sehr großer Druck auf dem Kreis.
Flüchtlingskinder zu beschulen, sei nicht neu, so zur Heiden. Die Anmeldung für die Intensivklassen laufe über das Schulamt. Es werde gesehen, dass die Kinder eine Klasse in der Nähe des Wohnorts besuchen. „Am liebsten ist uns eine Anbindung an eine Gesamtschule“, denn dort könnten die Schüler, wenn sie Deutsch entsprechend beherrschen, in den Regelunterricht der entsprechenden Zweige aufgenommen werden.

 

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