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Wie eine Narrensitzung im September

LIVE – „Normal müsste dat halten“: Handwerker-Comedy mit Kai Kramosta im Bauzentrum Gerhardt

BUTZBACH (win). Besondere Szenen aus dem Handwerkerleben spielten sich am Samstagabend im Bauzentrum Gerhardt ab. Comedian Kai Kramosta war im Rahmen von Live in Butzbach zu Gast und erfreute mit seiner Handwerker Comedy „Normal müsste dat halten“ die zahlreichen Zuschauer.
Kramosta hat gestandene Handwerker im Programm – frei nach dem Motto „Passt, wackelt und hat Luft!“. Allen voran der „HP“ Handwerker Peters – der Traum aller Kunden. Aber da gibt es auch den Basaltbrockens Erich, den Schippestiels Heinz oder Gänseblümchens Manni. Bei dem hat Weißkittels Peter, der Arzt, ein Praktikum gemacht und Ähnlichkeiten im Beruf festgestellt: „Wenn Du was verpfuschst, kannste es mit Erde bedecken.“ Aber auch Frittenfetts Theo, seines Zeichens Koch und der Sicherheitsbeauftragte, Supergaus Volker, mischten kräftig mit.

Als Sohn eines Stukkateurmeisters aus der Eifel weiß der 33-jährige Comedian, wovon er spricht. Vieles hat er auf der Baustelle aufgeschnappt. Stoff für seine Handwerker-Comedy sammelte er nicht nur im elterlichen Betrieb. Die lustigsten Sachen seien tatsächlich so gesagt worden, die habe er in der Mittagspause auf der Baustelle aufgeschnappt, gab er zu. „Der Eifel-Handwerker ist hemdsärmelig, sehr ehrlich und hat ein absolutes Fachwissen. Ein Problem ist, dass er oft nicht über den Tellerrand hinausguckt“, weiß er zu berichten. Das karikierte er in seiner Figur des „Handwerker Peters“: Der kenne sich in seinem Bereich super aus, aber von anderen Bereichen wolle er nichts wissen. „Vielleicht, um nicht zu zeigen, dass er da noch ein paar Defizite hat“, mutmaßte er. 

Handwerker wollte er selbst nie werden, auch wenn sein Vater das gerne gesehen hätte. „Ich musste als Teenager im Betrieb mithelfen, und da hat mein Vater schnell gemerkt, dass ich zwei linke Hände mit zwei rechten Daumen habe“, verriet er lachend. Er spielte lieber im Kindertheater, und nachdem er erfolgreich sein Debüt in der Bütt einer Karnevalssitzung im heimischen Dorf gab, wollte er nichts anderes mehr werden als Unterhalter. 

Der Handwerker Peters sagt, was er denkt und kann damit auch manchmal Leute vor den Kopf stoßen. Aber man weiß genau, woran man bei ihm ist. Und er regt sich ständig auf. Es ist Kramostas Paraderolle, die ihm förmlich auf den üppigen Leib geschrieben ist. Seine Körperfülle schreibt der Comedian dem besonderen Umstand zu, ein „Teilchenbeschleuniger“ zu sein. Er esse nun mal für sein Leben gern süße Teilchen.

Viel zu sagen hat bei ihm auch der Bauunternehmer Arno Pütz. Als Chef hält er den Laden zusammen. Pütz sei der typische Rheinländer, der zu seinen Kunden sagt, „normal müsste dat halten“ und „passt schon“, wenn sie Zweifel anmelden. Oder er versichert dem Kunden: „Ihr Haus, dat wird wunderschön, und den Rest macht die Farbe.“ Bei Kramosta kamen aber nicht nur Handwerker zu Wort. Wandlungsfähig schlüpfte er auch in die Rolle eines Gelehrten, der aus dem Buch „Im Eifler des Gefechts“ über die Menschheitsgeschichte rezitierte. Dabei erfuhr das Publikum, dass man auf einer Feier in der Stadt nach fünf Bier als Alkoholiker gelte, wohingegen auf dem Land fünf Bier den Fahrer auszeichneten. 

Getreu seinem Motto „deftig, kräftig, heftig“ kam Handwerker Peters nun so richtig in Fahrt und zündete ein Feuerwerk nach dem anderen. Zwischenzeitlich leistete er Übersetzungshilfe in „Eifelplatt – Deutsch“ und umgekehrt. War das Publikum anfangs noch etwas verhalten, ging es nun richtig aus sich heraus. Es wurde viel und herzlich gelacht. Zum Beispiel über Dauerwells Lisbeth – die Frau von „HP“ – oder die 68-jährige Nachbarin Schmitz Gisela, die ein Auge auf „HP“ geworfen hat. Über Frauen hat er so seine Meinung, mit der es nicht zum Besten steht. Da echauffierte er sich über Herdplattens Alice – die Gleichstellungsbeauftragte im Betrieb – genauso wie über die Frauen, die Nordic Walking betreiben: „Klackern und schnattern. Die moderne Form der Stockenten.“

Kramosta verstand es, sein Publikum Teil der Show werden zu lassen. „Wo der Zollstock mehr Bierflaschen geöffnet hat als Meter gemessen“ kam Zuschauer Stefan auf die Bühne und machte den Spaß mit. Es lässt sich nicht leugnen, dass der Comedian seine Wurzeln im Karneval hat. Es war ein bisschen wie Narrensitzung im September. Dabei wurde es von Minute zu Minute derber und doller, und das Publikum hatte dabei sichtlich seinen unbeschwerten Spaß. 

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