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„Wie gut es uns eigentlich geht“

BUTZBACH. Das Foto zeigt den Gastredner Wolfgang Bosbach (2.v.l.) zusammen mit den beiden Vorstandsmitgliedern der Volksbank Butzbach Thomas Köhler (r.) und Ralf Krause (l.) und dem Ersten Stadtrat Manfred Schütz (3.v.l.). Text + Fotos: pa  

MITGLIEDERVERSAMMLUNG – Wolfgang Bosbach Gastredner der Volksbank Butzbach im Bürgerhaus

BUTZBACH (pa). In der Mitgliederversammlung der Volksbank Butzbach gab Vorstandsmitglied Thomas Köhler einen Überblick über die Entwicklung der ortsansässigen Genossenschaftsbank im vergangenen Jahr – verbunden mit einem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Mit dem Gastredner Wolfgang Bosbach bescherte die Volksbank Butzbach über 600 Gästen einen spannenden und kurzweiligen Abend im Bürgerhaus Butzbach. 

Köhler: „Trotz der Belastungen aus den weiter anhaltenden Niedrigzinsen können wir auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurückblicken.“ Für festverzinsliche Geldanlagen sei der Realzins negativ. Die Volksbank biete eine genossenschaftliche maßgeschneiderte Beratung nach den Zielen und Wünschen der Kunden an. 

Ein weiteres aktuelles Thema war die Digitalisierung. Immer mehr Kunden nutzen die angebotenen elektronischen Dienstleistungen. 

Neben der Steigerung der Bilanzsumme um 30 Millionen Euro (sieben Prozent) auf 409 Millionen Euro und des gesamten Kundenvolumens um 38 Millionen Euro auf inzwischen 723 Millionen Euro berichtete Köhler über die erfreuliche Steigerung der Einlagen und Kredite. Insgesamt wurden 32 Millionen Euro neue Kredite vergeben, zwölf Millionen Euro an Verbundpartner und 6,6 Millionen Euro staatliche Fördermittel vermittelt. Die Kredite an Firmen- und Privatkunden wurden um 5,3 Millionen Euro (2,4 Prozent) auf 220 Millionen Euro, die Kundeneinlagen um 8,4 Prozent auf 311 Millionen Euro gesteigert. 

Die Volksbank stelle der Region insgesamt 7,8 Millionen Euro an Kaufkraft mit Ertragssteuern, Gehaltszahlungen, Aufträge an die heimischen Handwerker sowie Spenden für soziale, sportliche und kulturelle Einrichtungen zur Verfügung. An ihre 8133 Mitglieder wird die Volksbank wieder nach Zustimmung durch die Vertreterversammlung eine Dividende in Höhe von zwei Prozent zahlen. Mit circa 18 000 Kunden und 84 Mitarbeitern blicke die Volksbank vorsichtig optimistisch in die Zukunft. „Die Volksbank Butzbach konzentriert sich weiterhin auf die Bedürfnisse der Privatpersonen und Unternehmen in der Region“, betonte der Vorstand. Man sei gut gerüstet für die Anforderungen des Gesetzgebers und die genannten Herausforderungen des Marktes im Zeitalter der Digitalisierung. 

Gastredner Bosbach ist Rechtsanwalt und ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Aus dem Bundestag verabschiedete er sich 2017. Doch als Redner ist der CDU-Politiker weiter gefragt. Bosbach ist aus Redebeiträgen im Bundestag und als Gast in vielen Talkshows bekannt für seine Begabung, komplexe politische Sachverhalte mit einer klaren und verständlichen Sprache zu erläutern.

Er referierte zum Thema „2019 – Deutschland und Europa im Stresstest“ und begeisterte damit die Bankteilhaber. Bosbach schlägt in seiner Rede den großen Bogen von der Nachkriegszeit in Deutschland, der Wiedervereinigung, von Europa und dem Brexit, vom Festnetztelefon mit Wählscheibe bis zum Smartphone und das ganze mit einer ordentlichen Portion Humor. Die Zeitreise kommt gut an. 

Bosbach sezierte dabei mit einem Augenzwinkern und nie hämisch, das deutsche Wesen. Man meckere oft und häufig, vergesse aber, „wie gut es uns eigentlich geht“. Man dürfe ruhig einmal stolz auf das eigene Land sein, so Bosbach weiter. Seit 69 Jahren herrsche Frieden, und in 63 Jahren davon habe es ein wirtschaftliches Wachstum in der Bundesrepublik gegeben und nur in sechs Jahren ein „Minuswachstum“. 

Trotzdem weiche die politische Stabilität auf – auch in der Europäischen Union. Doch die EU sei ein Garant für Stärke und Frieden. „Es wäre eine Tragödie, wenn der Gedanke Europa seine Bedeutung verlieren würde.“ 

Und der Politiker mahnte an, dass man die fortschreitende Digitalisierung ernst nehmen müsse, denn da sollte Deutschland mit vorne dabei sein. Schmunzelnd sagte er: „Auch wenn es für mich befremdlich ist, wenn Menschen täglich durchschnittlich 120 Mal auf ihr dämliches Smartphone schauen.“ 

Wichtig sei vor allem für die Kinder „eine lebensnahe und lebenslange Bildung“, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Bildung sei die wichtigste Investition in die Kinder und die Zukunft des Landes. Deutschland befinde sich mitten im Übergang von der Industriegesellschaft in eine Wissensgesellschaft und dürfe hier den Anschluss nicht verlieren. Deutschland habe da gute Chancen mitten in Europa, so Bosbach. 

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