Wintergrillen mit heimatgeschichtlicher Wanderung war wieder Publikumsmagnet

Das neue Jahr bringt für den kriselnden. ..
10. Januar 2020
Der Butzbacher Wald wird wenig pfleglich von Forstbetrieben behandelt
13. Januar 2020

Wintergrillen mit heimatgeschichtlicher Wanderung war wieder Publikumsmagnet

GAMBACH. Die heimatgeschichtliche Wanderung führte am Samstag in Gambach in Richtung Bockenheimer Feld. Stadtarchivar und Heimatpfleger Hagen Vetter führte die Gruppe, die auch einigen Proviant mit sich führte.

GAMBACH (HV). Der Gambacher Bürgerplatz war bestens vorbereitet und Petrus steuerte sein ideales Wanderwetter bei: Das Wintergrillen der Gambacher Theatergruppe Lampenfieber e. V. war am Samstag ein voller Erfolg. Bereits ab 14 Uhr versammelten sich zahlreiche Interessierte, um an der heimatgeschichtlichen Wanderung in die Gambacher Gemarkung teilzunehmen. 75 (!) Heimatfreunde lauschten den Worten von Stadtarchivar und Heimatpfleger Hagen Vetter, der nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Ralf Schäfer einige heitere und interessante Quizfragen zur Gambacher Geschichte stellte. Deren Lösung gab es natürlich erst nach Rückkunft…!   

Der Weg führte die Wanderer zunächst über die Gartenstraße zur Ecke Bahnhofstraße/Goldwiesenweg. Hier erläuterte Vetter die bauliche Entwicklung des größten Münzenberger Stadtteils zur Mitte des 19. Jahrhunderts und wies auf vergangene und vergessene Verkehrswege hin. Von dieser Stelle begann vor dem Bau der Chaussee 1841 der eigentliche Weg in die Nachbarstadt Butzbach. Dem Goldwiesenweg folgend, der 1911 im Zuge der ersten Flurbereinigung (Melioration = Bodenverbesserung) entstanden war, erreichte die Gruppe die Autobahn an der Goldwiesenbrücke, die am 23. Oktober 1971 um genau 17.52 Uhr mit einem riesigen Knall gesprengt wurde und der Verbreiterung der Autobahn weichen musste. 

Der 1935-38 gebauten Autobahn folgend erreichten die Heimatfreunde an der so genannten „Schwimmenden Brücke“ den Flurbereich des „Bockenheimer Feldes“, wo eine Rast eingelegt wurde. Helfende Hände hatten einen Trosswagen mit kalten und heißen Getränken mitgeführt, dessen Beladung dankbare Abnehmer fand. Hier war man auch dem „toten Mann“ nahe, einer Flur auf einer Anhöhe südwestlich der „Schwimmenden Brücke“, deren merkwürdige Namensgebung möglicher Weise mit dem altbekannten „Mortacker“ weiter westlich zur „Heerstraße“ zu tun hat. Beide Namen können nicht zweifelsfrei ergründet werden, haben aber vielleicht mit einem oder mehreren Todesfällen in freier Flur in früheren Jahrhunderten zu tun, was in jenen dunklen und unsicheren Zeiten durchaus kein Novum war: Mitunter wurden Menschen tot im Feld aufgefunden, gestorben durch Krankheit oder Unfall – oder auch durch Straftaten. Ein solcher „Mordfall“ ist jedoch in den Akten des Stadtarchivs bislang nicht aufgetaucht.   

Dann führte der Weg zurück nach „Bockenheim“, einer ausgegangenen Siedlung am gleichnamigen Bach, etwa an der Stelle, wo der südliche Abzweig des Breiten Weges den Bach überquert. Mindestens zwei große Hofanlagen bildeten das seit dem frühen 9. Jahrhundert belegte „Bockenheim“ (Heim bei den Buchen), dessen Ruinen die berühmte „Ratzkatrein“ noch gesehen haben muss. Hier berichtete Vetter von umfangreichen Besitzverhältnissen der Johanniter („Herren von Wiszele“) und von einem Feldfrevel des Gemeindeschäfers Anton Kopf vom August 1851, als er auf dem „18-Morgen-Acker“ versehentlich den Klee abweiden ließ. Ein strenges Feldpolizeistrafverfahren war die Folge und der arme Schäfer sollte ein Sechstel seines Jahreseinkommens (!), das waren 31 Gulden bei 180 Gulden Jahreslohn, als Strafe zahlen. Der Ausgang des Strafverfahrens ist bislang nicht erschlossen worden und harrt der Aufklärung. Unter den Wanderern war sogar ein Nachkomme des Anton Kopf in direkter Linie, der zur Belustigung aller eine Schäfer-Anekdote seiner Vorfahren aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts, vor knapp 100 Jahren, beisteuerte: Ein Gambacher ärgerte sich über den damaligen Gemeindeschäfer Konrad Magel und bezichtigte ihn der unberechtigten Abweidung seines Klees durch dessen Herde mit den Worten an seinem Hoftor: „Konrad, Du hast meinen Klee gefressen!“ Der schlagfertige Schäfer antwortete schriftlich auf dem gleichen Hoftor: „Gillmann, Du bist ein Rindvieh – Konrad frisst keinen Klee!“

Die gutgelaunte Wanderschar erreichte nach knapp anderthalb Stunden wieder den Bürgerplatz und erfuhr die Auflösung der anfangs gestellten „Quizfragen“. So erfuhr die wissbegierige Menge, was die „Moritzbieh“ in Gambach ist und an welchen und wieviel Stellen man von Gambach aus auf die Westseite der Autobahn gelangen kann. Ebenfalls wurde bekannt, was an der Adresse „Bahnhofstraße 100“ ist und wie die Brücke in der Hauptstraße über den Altstädter Bach heißt. Die Antworten werden freilich an dieser Stelle nicht verraten und können ja jetzt von vielen informierten Gambachern erfragt werden…! Das Orga-Team der Theatergruppe Lampenfieber hatte ganze Arbeit geleistet und ein Lagerfeuer samt Grillstation aufgebaut, beides stark umlagert. Ebenso willkommen war der „Hirschkuss-Stand“ von Klaus-Dieter Raith aus Ober-Hörgern, dessen leckere Produkte reißenden Absatz fanden. Manfred Kremers steuerte in gekonnter Weise seine mitreißende, handgemachte Musik bei, die viele bis in die Abendstunden zum Tanzen und Mitsingen animierte. Ein in der ganzen Region bekannter und beliebter Klangkörper, der ein treues Publikum und viele Fans hat. Das „Wintergrillen“ der Gambacher Theatergruppe Lampenfieber e.V. das seit Mitte der 90er Jahre veranstaltet wird, war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Die Bevölkerung freut sich schon auf das nächste Mal…! 

GAMBACH. Auf dem Bürgerplatz hatte die Gambacher Theatergruppe„ Lampenfieber“ am Samstag wieder ein Win­tergrillen vorbereitet. Manfred Kremers sorgte für die musikalische Umrahmung, während Klaus-Dieter Raith Hoch­prozentiges bereithielt.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.