„Wir sind Butzbach“-Show 3.0 war wieder ein Volltreffer

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„Wir sind Butzbach“-Show 3.0 war wieder ein Volltreffer

Furios, farbenfroh und fröhlich | Akrobatik, Gesang, Talk und Tanz | Literatur und Lokalsatire

BUTZBACH (win). Und wieder war sie ausverkauft, die dritte Auflage der „Wir Butzbach“-Show mit Martin Guth. Das Platzangebot in der Alten Turnhalle bewährte sich und bot im wahrsten Sinne genügend Spielraum für die Künstler, aber auch ausreichend Sitzplatzkapazitäten für die Zuschauer. Die erlebten eine kunterbunte Unterhaltungsshow, gespickt mit hochkarätiger Akrobatik, beeindruckendem Tanz, glanzvollem Chorgesang, liebevoll-beißender Satire sowie lustiger Mundart-Comedy und kurzweiligem Talk. Es war ein wunderbarer Querschnitt durch alle Altersklassen und Stilrichtungen. Butzbach hat eben doch eine Menge zu bieten und machte seinem Prädikat „Perle der Wetterau“ alle Ehre.

Das abwechslungsreiche Programm begann mit den jüngsten Teilnehmern des Abends. Die „Little Swaggers“ des Tanzstudios Steffi Kaiser zeigten, was sie in Sachen Hip-Hop drauf haben. Die tanzbegeisterten Kids siegten im letzten Jahr bei der TV-Show „Got to Dance Kids“ und haben sich seitdem enorm weiterentwickelt. Aber auch die 14- bis 17-Jährigen, die einen hervorragenden 3. Platz bei der Hip-Hop Europameisterschaft belegten, zeigten ihr Können.

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Als Überraschungsgast hatte Martin Guth die Spitzensportlerin Christiane Klopsch eingeladen. Die erfolgreiche Hürdenläuferin beendete im Oktober 2015 ihre Sportkarriere, um sich ganz auf ihre Berufsausbildung zu konzentrieren. Nach dem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte wird sie im nächsten Jahr als freie Mitarbeiterin beim Hessischen Rundfunk arbeiten, wo sie derzeit ihr Volontariat absolviert. Sie gab einen kleinen Einblick hinter die TV-Kulissen und plauderte ein wenig aus dem HR-Nähkästchen. Auch ein privates Geheimnis wurde gelüftet, denn 2017 läuten für Klopsch die Hochzeitsglocken.

Realsatire mit dem Butz

Der Butz alias Patrick Kempf ließ das Butzbacher Jahr Revue passieren. Witzig verband er die Themen, die die Butzbacher bewegten, nahm sie genau unter die Lupe, und unterzog sie sehr zur Freude der Zuschauer einer kritisch-ironischen Betrachtung. Unter dem Motto „Hakuna Matata“ – alles wird (wieder) gut – sinnierte er über die „Kenia-Koalition“ der Stadt und die Ereignisse, die wieder einmal nicht stattgefunden hätten. Der als „Neuschwanstein Butzbachs“ bekannte Bahnhof sei nicht abgerissen worden. Was liegt da näher, als dieses Gebäude in „romantischer Asbestoptik“ nun doch unter Denkmalschutz zu stellen, schlug er vor; erst recht aufgrund der Eigentumsverhältnisse des Bahnhofsvordachs. Die Tourist-Info sei nach wie vor nicht im Rathaus zu finden; bestenfalls mit viel Glück oder aus Versehen im Museum. Meist sei dann aber geschlossen. Über die neuesten Entwicklungen in Sachen B3a war er ebenfalls bestens im Bilde. Der Butz wagte natürlich auch einen Blick über die Grenzen der Wetterau hinaus. So spottete er über den „Humor auf die britische Art, im Theater an der Themse“, wo „der Hausmeister erst die Bude anzündet und danach abhaut.“ Der Theaterchef habe singend das sinkende Schiff verlassen, und in der neuen Saison werde das beliebte Musical „May fair lady“ aufgeführt, schloss er messerscharf. Also, nichts gegen den schrägen Humor der Briten. Denn wer hätte gedacht, dass über den Teich hinaus im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum ersten Mal in der Weltgeschichte ein Horroclown Präsident wird.

Nach so viel Satire wurde es mit Elisa Wächtershäuser, die eine ihrer Kurzgeschichten vorlas, nun ausgesprochen literarisch. Die 24-jährige Ärztin und zehnfache Ovag-Jugendliteratur-Preisträgerin versteht es, die Menschen mit ihren Geschichten zu begeistern. Mit ihren Kurzgeschichten hat die Ebersgönserin mittlerweile fast alles gewonnen, was man in jungen Jahren an Literaturpreisen gewinnen kann. Das Publikum hörte aufmerksam und gespannt zu. Im Saal war es plötzlich so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Welturaufführung Butzbach-Kanon

Interessanten Talk und feine Musik gab es mit dem außergewöhnlichen Vater-Tochter-Duo, Otto und Viola Wanke. Musiklehrer Wanke hat übrigens eine ausgeprägte Schwäche für Butzbach, bekannte er. Mit der Welturaufführung seines selbst ausgedachten Butzbach-Kanons, unterstützt vom Gospelchor des Kirchspiels Münster begeisterte er das Publikum.

Zwar zierte sich Martin Guth, zunächst augenzwinkernd, nach einer Literaturpreisträgerin wie Elisa Wächtershäuser mit seinen Geschichten aufzuwarten. Doch verblüfft der Lokalmatador immer wieder mit seiner hervorragenden Beobachtungsgabe, an der er mit bewundernswerter Sprachgewandtheit ein breites Publikum teilhaben lässt. Der Pohl-Gönser, als Kolumnist und auch als Autor über die Grenzen der Wetterau hinaus bekannt, gab mit dem „Christkindl-Indiz“ ein Mutter-Tochter-Gespräch zum Besten. Darin schilderte er die Misere der Eltern, wenn sie ihren Kindern die Illusion von Weihnachtsmann, Christkind & Co. rauben müssen. Schlimmer noch, denn mit diesem Geständnis wird den Kids auch klar, dass sie sieben Jahre lang nach Strich und Faden belogen wurden. Das Publikum applaudierte heftig, und es hatte den Anschein, dass einigen Müttern und Vätern diese Art Erlebnis durchaus bekannt vorkam. Ähnliche Reaktionen riefen Guths Schilderungen zu „Fleisch-Tunneln“ hervor, in denen er seine Beobachtungen aus der Welt des „Ohrloch-Schießens“ sowie der Piercings und Tattoos offenbarte.

Wir-sind-Butzbach-Lied

Bei der ersten „Wir sind Butzbach“-Show im Jahr 2014 bescherte Pfarrer Udo Neuse dem Publikum mit „Was die Welt zusammenhält“ einen echten Ohrwurm. Seitdem geht er um, der Wurm – und erlebte am diesem Abend ein Revival. Die WSB-Show-Band mit Christian Krauß (Keyboard), Martin Zörb (Saxofon, Klarinette, Tenorhorn), Max Pfreimer (Schlagzeug, Percussion) und Lioba Schmukat (Gesang) gab dem Ohrwurm den musikalischen Rahmen.

Auch in diesem Jahr hatte der Butzbacher Lauftreff für die Zuschauer kulinarische Köstlichkeiten zubereitet, die reißenden Absatz fanden. Frisch gestärkt ging es dann nach der Pause weiter mit der Akkordeongruppe der Musikschule Butzbach.

Mit „Feliz Navidad“ lud Pfarrer Udo Neuse zusammen mit dem Gospelchor des Kirchspiels Münster die Zuschauer zum Mitsingen ein. Das taten sie auch kräftig. Die Stimmung war bestens, und bei „Forever young“ und „This little light“ sang schließlich der ganze Saal.

Rope Skipping

Die Rope Skipper des TSV Butzbach zeigten mit ihrer Elec-tro-Swing-Show, dass Rope Skipping zur Musik und mit einer Choreografie viel mehr als einfach nur Seilspringen ist. Ob allein, zu zweit oder in der Gruppe erfordert diese Sportart absolute Koordinationsfähigkeit und Ausdauer. Die Mischung aus Eleganz und Balance, Kraft und Dynamik war beeindruckend, was das Publikum mit großem Applaus honorierte.

Das Highlight am Ende der Show waren ganz eindeutig William Thum und Lutz Herbel alias Kaiser Franz-William und Prinzessin Sissi-Lutz, die nicht nur mit ihren Kostümen begeisterten, sondern vor allem durch ihre scharfzüngigen lokalpolitischen Betrachtungen und Beobachtungen aus der Butzbacher Glitzerwelt.

Mit der Nationalhymne „Hesse wie mir“ läuteten Martin Guth und Christian Krauß mit der WSB-Band das Finale der bewegten Show ein. Verbunden mit dem Dank an die Sponsoren, ohne die dieser Abend nicht möglich gewesen wäre, bat er zum Schluss noch einmal die rund 100 Künstler auf die Bühne, um sich mit „Jingle Bells“ von den Zuschauern zu verabschieden. Die Stimmung war großartig, die Zuschauer erlebten einen schwungvollen, abwechslungsreichen und unvergesslichen Abend in toller Atmosphäre. Nun heißt es wieder ein Jahr warten bis zum Dezember 2017, wenn es hoffentlich wieder heißt: „Wir sind Butzbach“.

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