„Wir sind Butzbach“-Show beim Butzbacher Kultursommer

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„Wir sind Butzbach“-Show beim Butzbacher Kultursommer

Sommer-Edition der Show mit Musik, Comedy, Talk und Gesang auf dem Marktplatz

BUTZBACH (win). Am Wochenende hätten die Butzbacher eigentlich ihr Altstadtfest gefeiert. Aber seit Corona gehen die Uhren bekanntlich anders, und das Fest musste, wie so viele andere, leider ausfallen. Doch die Stadt Butzbach hat sich erfolgreich um kulturellen Ausgleich bemüht und unter anderem eine Sommer-Edition der „Wir sind Butzbach“-Show auf die Kultur-Sommerbühne auf dem Marktplatz gebracht. Die umliegenden Restaurants waren gut besucht, hatten sich die zahlreichen Gäste fast alle einen Sitzplatz für den unterhaltsamen Abend gesichert. Einige Zaungäste machten es sich rund um den Brunnen gemütlich. Die Puristen unter den Besuchern hatten ihre eigenen Stühle mitgebracht und platzierten sich mittendrin auf dem Marktplatz. Die Zuschauer sahen bei freiem Eintritt erwartungsvoll einem heiteren, unterhaltsamen Abend entgegen.

Der Butzbacher Kabarettist und Moderator Martin Guth präsentierte in der Sonderausgabe eine kunterbunte Mixed-Show aus viel Musik, Talk, Poetry, Mundart und Kabarett. Pünktlich um 18 Uhr stimmte das Glockengeläut am Rathaus mit „Freut Euch des Lebens“ auf das bevorstehende Ereignis ein. Und schon ging es los mit „Ready for the storm“ von Jo Solo & Max, die an diesem Abend für den musikalischen Rahmen sorgten. 

Den unterhaltsamen Talk-Reigen eröffnete Moderator Guth mit Ulrike Bucheit, die seit 1. September als neue Leiterin der Buchhandlung Bindernagel die Nachfolge von Georg Neundorfer angetreten hat. Die Friedbergerin ist nach Jahren im In- und Ausland quasi zu den Wurzeln zurückgekehrt, denn ihr beruflicher Werdegang startete mit einer Ausbildung bei Bindernagel. Für die Gäste hatte sie den einen oder anderen Buchtipp parat und verkündete stolz, dass es mit dem Leseclub weitergeht.

Zu den Talkgästen des Abends gehörte auch „Mr. TSV Butzbach“ Michael Rüspeler, der aus dem Vereinsleben plauderte. Von ihm erfuhren die Gäste, wie der Verein in Zeiten von Corona sein vielfältiges Sportangebot angepasst hat und dass es schwierig sei, ehrenamtlichen Nachwuchs für die Vereinsarbeit zu bekommen. Im nächsten Jahr steht ein großes Jubiläum an, denn der Verein begeht sein 175-jähriges Bestehen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Ob und wie gefeiert werden kann, hängt allerdings von der Situation rund um die Corona-Pandemie ab. Unter Vorbehalt ist am 28. März eine Festveranstaltung im Bürgerhaus und am 3. Juli ein „Tag des Sports“ auf dem Freigelände im Landgrafenschloss geplant. Zum Jubiläum wird es extra einen eigenen Song von Max Pfreimer geben. 

Friedel und Friedel – die Mundart-Legenden 

Anschließend sorgten die heimischen Mundart-Legenden „Friedel und Friedel“ – alias Friedel Werner aus Ostheim und Friedel Herbel aus Pohl-Göns – für beste Unterhaltung. Die beiden Friedel sind sozusagen die hessischen Vorreiter und der beste Beweis, dass es Mundart-Comedy schon lange gibt. Auch gesanglich können sie mithalten. Als Friedel Werner zu singen anfängt, stimmt das Publikum begeistert mit ein. Für ihren Auftritt gab es viel Applaus. 

dasgute.Haus: Marktplatz, Arbeitsplatz und Spielplatz 

Weitere Talkgäste waren Dr. Agnes Model und Stefanie Santila Krause, die ihr Mehr-Generationen-Projekt „dasgute.Haus“ vorstellten. dasgute.haus vereint die „Räume des Lebens“: Marktplatz, Arbeitsplatz und Spielplatz. Das Konzept wird derzeit an die aktuellen Bedingungen angepasst. Parallel zur Gründung als Genossenschaft wird dasgute.haus auf kreative Art und Weise unter den gegebenen Abstands- und Hygieneauflagen erlebbar gemacht. Jeder kann Mitglied der Genossenschaft werden und Anteile erwerben. Mehr Infos zu dasgute.haus gibt es auf der Internetseite https://dasgute.haus/

Weit mehr als ein gutes Beispiel gelungener Integration ist Farnaz Nasiriamini. Als Drilling und in der iranischen Hauptstadt Teheran geboren, kam sie im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Im Gespräch mit Martin Guth erfuhren die Zuschauer, wie sie sich in atemberaubender Zeit in ihrer neuen Heimat zurechtgefunden, zielstrebig Schule und Studium bewältigt, aber auch politisch und sozial engagiert ist und obendrein eine außergewöhnliche literarische Begabung entwickelt hat. Während ihrer Oberstufenzeit erhielt sie das Deutsche Schülerstipendium der Roland Berger Stiftung, das begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen ideell wie finanziell unterstützt. Ihr interdisziplinäres sozialwissenschaftliches Studium hat sie mit dem Bachelor of Arts in Soziologie, Politik- und Volkswirtschaftslehre abgeschlossen und beendet in Kürze ihr Parallelstudium in Rechtswissenschaften an der Universität Gießen. Mit gerade mal Mitte 20 blickt sie bereits auf ein Praktikum im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland in New York zurück, arbeitet im Europa- und Völkerrechtsausschuss des Deutschen Juristinnenbundes und kann ein Auslandssemester an der American University in Washington D.C. vorweisen. Sie wurde unter anderem mehrfach mit dem OVAG-Jugend-Literaturpreis, verbunden mit zahlreichen Lesungen, und dem Nachwuchs-Autorenpreis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen ausgezeichnet. Farnaz Nasiriamini ist bekannt für ihre kritischen Texte. Und auch dafür hat die freie Journalistin und Autorin bereits einige Preise und Auszeichnungen abgeräumt. Dem Butzbacher Publikum stellte sie ihren Text „Arme Künstler“ vor und wollte den ein oder anderen zum Nach- und Umdenken anregen.

Innovativer Brandschutz aus Butzbach 

Zwei weitere Ausnahme-Butzbacher sind die jungen Erfinder Sophia Reiter (21) und Fabian Goedert (24). Sie nennen sich FISEGO und sind ein Forschungs- und Gründungsteam, das aus der Technischen Hochschule Mittelhessen entsprungen ist. Den beiden ist es 2019 gelungen, das weltweit erste Branderkennungs- und Brandbekämpfungssystem für elektrische Klein- und Großgeräte zu entwickeln, und sie haben dieses innovative System in diesem Jahr bis zur Patentreife gebracht. Es wird in Zukunft durch Elektrogeräte verursachte Brände verhindern und somit Menschen, Tiere und Sachwerte schützen. Das sogenannte „BEBBS“ ist in der Lage, einen (Schmor-) Brand zuverlässig zu erkennen, zu lokalisieren und ohne das menschliche Eingreifen zu löschen. Fabian Goedert lieferte beeindruckende Zahlen: „Im Durchschnitt brennt es in Deutschland jährlich 205 000 Mal, an 58 Prozent dieser Brände ist Elektrizität direkt oder indirekt beteiligt. Jährlich sterben 600 Menschen und 7000 Tiere direkt in den Flammen, zudem werden 70 000 Menschen schwer verletzt und erliegen häufig später ihren Verletzungen.“ Die Zuschauer waren teils betroffen angesichts der drastischen Zahlen. Die beiden Gründer sind aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Butzbach. Neben dem Einsatzdienst engagieren sie sich in der Brandschutzerziehung und Jugendarbeit. Die beiden studieren an der Technischen Hochschule Mittelhessen; Fabi im fünften Semester Bauingenieurwesen und Sophia seit 2018 Elektrische Energietechnik für regenerative Energiesysteme. Mit ihrem Projekt nehmen sie am Hochschul-Gründungs-Wettbewerb „HessenIdeen“ teil. Über den Link https://www.fisego-brandschutztechnik.com/wettbewerbe kann man für sie abstimmen. Weitere Infos zum Projekt gibt es auf ihrer Homepage https://www.fisego-brandschutztechnik.com.

Gastro-Talk mit Giovanni Speranza 

Im Gespräch mit Martin Guth verriet Giovanni Speranza vom „Da Rosetta“ nicht nur sein Rezept für leckeren Pizzateig und dass er von einem Weinberg hinter Ober-Mörlen träumt. Der sympathische Gastronom machte auch eine Liebeserklärung an Butzbach und seine Bürger: „Butzbach ist alles. Ich will hier nie mehr weggehen.“

Neues vom Butzbacher Vorlesekalender 

Letzter Talkgast des Abends war Elke Ludwig, Lehrerin und Ideengeberin des ersten Butzbacher Vorlesekalenders. In jedem Butzbacher Ortsteil wurden während der Adventszeit die unterschiedlichsten Geschichten vorgelesen. Der kam im vergangenen Jahr so gut an, dass er auch dieses Jahr wieder stattfinden soll. Allerdings kann ein Hygienekonzept für 24 Standorte nicht einfach so umgesetzt werden. Das bedeutet, dass der Vorlesekalender an die Corona-Bedingungen angepasst und dementsprechend umgestaltet werden muss. 

Musikalisch begleitet wurde die Show vom Duo „Jo Solo und Max“, bestehend aus Johannes Meiser und Max Pfreimer, die beide schon während des Butzbacher Kultursommers auf der Marktplatzbühne u.a. als Mitglieder der Band „Sterling bridge“ mit irisch-schottischem Folk, aber auch internationalen Popklassikern für beste musikalische Live-Unterhaltung gesorgt haben. Abgerundet wurde diese ebenso unterhaltsame wie kurzweilige Mélange durch satirische Passagen aus dem „Best of“-Programm des Pohl-Gönser Humoristen Guth. Es war ein wunderbarer Querschnitt durch alle Altersklassen und Stilrichtungen. Wenn auch deutlich kleiner als gewohnt, war es dennoch „eine Show, so kunterbunt wie unsere Stadt“, so Guths alljährliches Motto.

Eigentlich steht der Termin für die „Wir sind Butzbach“-Show schon seit einem Jahr fest. Angesichts der aktuellen Situation ist eher unwahrscheinlich, dass am 5. Dezember „Wir sind Butzbach 7.0“ tatsächlich über die Bühne gehen kann. Die Corona-Sonder-Sommer-Ausgabe war ein schönes Event und kleines Trostpflaster. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja im nächsten Jahr dann sogar eine Sommer- und eine Winterausgabe der legendären Show.

Talkgast des Abends war auch Giovanni Speranza.

Zahlreiche Interessierte fanden sich am Samstag auf dem Marktplatz ein, um im Rahmen des Butzbacher Kultursommers die „Wir sind Butzbach“-Show zu erleben.

 

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