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Youth Hostel für 5,4 Millionen Euro

BUTZBACH/FRIEDBERG. Das Luftbild zeigt das seit 2017 leerstehende Jugendgästehaus Hubertus.Repro: jwn

HUBERTUS – Machbarkeitsstudie für ehemaliges Jugendgästehaus des Wetteraukreises vorgestellt

BUTZBACH/FRIEDBERG (jwn). Um die Zukunft des Jugendgästehauses Hubertus in Butzbach-Maibach ging es in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Wetteraukreises Mitte der Woche im Kreishaus. Nachdem im vergangenen Jahr die Wiedereröffnung des Jugendgästehauses Hubertus in Butzbach immer wieder von den verschiedensten Seiten, unter anderem auch von der evangelischen Kirche mit Nachdruck gefordert worden war, hat der Jugendhilfeausschuss des Wetteraukreises der Kreisverwaltung ebenfalls im vergangenen Jahr den Auftrag erteilt, ein neues Nutzungskonzept erstellen zu lassen. Dabei sollten die räumliche Ausstattung, die Kosten und mögliche Erlöse sowie die Anzahl der potentiellen Nutzer geprüft werden. Der Sozialdezernentin des Wetteraukreises Stephanie Becker-Bösch (SPD) war es dabei besonders wichtig, eine Konzeption zu finden, die auch heute und für die Zukunft Kinder und Jugendliche anspricht, aber auch den Bedürfnissen der begleitenden Erwachsenen gerecht wird, um einen dauerhaft Attraktivität zu gewährleisten. 

Daraufhin wurde bei dem Hamburger Beratungsunternehmen Georg Consulting Immobilienwirtschaft – Regionalökonomie eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die Aussichten der Wiedereröffnung des Jugendgästehauses von allen Seiten beleuchten sollte. Nach dieser Studie gibt es drei Möglichkeiten der weiteren Nutzung der Immobilie, nämlich als stationäre Pflegeeinrichtung für Senioren und Behinderte, als Bildungs- und Tagungshotel oder drittens als Jugendherberge oder Youth-Hostel. 

Die beiden ersten Möglichkeiten schloss der Berater Achim Georg rundweg aus. Für eine Senioreneinrichtung fehle die unmittelbare Anbindung an die Stadt Butzbach zum Einkaufen oder auch nur für einen kleinen Bummel durch die Geschäftsstraßen. Dafür sei das Anwesen zu weit abgelegen. Ähnliches trifft seiner Ansicht nach auch für ein reinen Bildungs- und Tagungshotel zu, obwohl die verkehrliche Anbindung und die Nähe zum Ballungsraum ein deutliches Plus darstellten. 

Die besten Chancen auch für die Zukunft stellte Georg einer Kombination von Youth-Hostel mit separater Gastronomie und ausreichenden Tagungsmöglichkeiten. So könnte das Jugendgästehaus Hubertus nicht nur für die Jugend erhalten bleiben, sondern es böte darüber hinaus auch die Möglichkeit der parallelen Nutzung als Veranstaltungsstätte, als Kreativ- und Naturhotel sowie als Bildungsstätte. 

Allerdings müssten dafür verschiedene bauliche Maßnahmen erfolgen: Das Haupthaus sollte saniert und drei Seminarräume erhalten sowie ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche, die Pavillons sollten saniert und zu Werkstätten (Werken, Kunst und Technik) umgebaut werden. Die Nurdachhäuser sollten abgerissen und an der Stelle eine kleine Multifunktionshalle errichtet werden. Es sollten zwei neue Bettenhäuser mit insgesamt 120 Betten errichtet werden, das eine mit Zwei-Bettzimmern und das andere mit Vier-Bettzimmern. Um die Immobilie auch für den Tourismus interessant zu machen, sollten 20 Stellplätze für Wohnmobile mit separaten sanitären Einrichtungen vorgesehen werden. 

Geschätzte Baukosten betragen 5,4 Millionen Euro. Sollte auf die Multifunktionshalle verzichtet werden, dann reduzierten sich die Kosten auf rund 4,1 Millionen Euro. 

Anhand von zahlreichen Statistiken machte der Immobilienplaner Georg deutlich, dass für ein derartiges Nutzungskonzept Bedarf bestehe. „Die Bevölkerung in der Wetterau wächst aufgrund der Nähe zu Frankfurt unaufhaltsam und damit auch die Anzahl der Kinder. Auch der Bedarf an Tagungsstätten wachse und wenn das richtige Angebot für Kinder vorgehalten werde, dann bleiben die mit ihren Klassenfahrten auch wieder in der Region“, so Georg. Deshalb sollte, auch wenn der Kreis sich entschlösse, das Anwesen selbst weiterzuführen, die Leitung des Anwesens auf jeden Fall in professionelle Hände gelegt werden. 

Ob die Politik dem Vorschlag des Immobilienberaters auch im Hinblick auf die doch erheblichen Kosten folgen wird, muss nun in den Fraktionen diskutiert werden. War vor dem Ruf nach der Machbarkeitsstudie die große Mehrheit im Ausschuss noch für die Wiedereröffnung, so scheint sich den ersten Stimmen nach der Sitzung zu urteilen die Stimmung gedreht zu haben. Dabei ist allen klar, dass Jugendarbeit immer Geld kostet. Schon im vergangenen Jahr hat deshalb Wolfgang Dittrich vom evangelischen Dekanat vorgeschlagen, dass der Kreis sich nach Kooperationspartnern umsehen müsse. So sollen beispielsweise an einem Jugendhaus zur naturkundlichen Bildung auch der Naturschutzbund und der Staatsbetrieb Hessen Forst großes Interesse zeigen. Vorstellbar sei auch der Einstieg einer Beschäftigungsgesellschaft oder Erwachsenenbildung. Wie die Sozialdezernentin Becker-Bösch mitteilte, seien die Mittel im Haushalt, vorgesehen waren 1,5 Millionen Euro, bis auf 50 000 Euro Planungskosten erst einmal in das kommende Jahr übertragen worden. 

 

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