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Zeitlose Plädoyers für die Freiheit

BUTZBACH. Schauspieler der Büchner-Bühne erteilten unter dem Titel „Markt-rufer“ der Freiheit das Wort in der Weidig-Stadt Butzbach.  Text + Foto: rtz

STADTLESEN – Büchner-Bühne Riedstadt zitiert auf Butzbacher Marktplatz berühmte Texte

BUTZBACH (rtz). Der Freiheit erteilten vier Schauspieler der Büchner-Bühne Riedstadt am Samstag in Butzbach das Wort. Im Rahmen des Stadtlesens auf dem Butzbacher Marktplatz präsentierten sie ein Programm zum  Themenschwerpunkt „Meinungsfreiheit gestern und heute“. 

Die Schauspieler rezitierten aus der Erklärung der Bürger- und Menschenrechte und aus Reden und Gedichten mutiger Protagonisten des Freiheitskampfs. Stets ging es um das Recht auf freie Meinungsäußerung – ein Menschenrecht, das seit Jahrhunderten erstritten und erkämpft wurde, aber immer wieder verteidigt werden muss. 

Den Auftakt machte ein Soldatenlied aus dem 18. Jahrhundert. Es folgte ein Sonett, Thema war der Versuch eines amerikanischen Pressesprechers, einem irakischen Kind den Krieg zu erklären. Es solle verstehen, dass man Bomben auf es werfen müsse, damit es danach die Freiheit erlange. Geschrieben hat es Robert Gernhardt, und vorgetragen wurde es von Alexander Valerius. 

Martin Luther folgte. Oliver Kai Müller las dessen Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms am 18. April 1521. Darin bekannte sich Luther zu seinen Schriften und lehnte deren Widerruf ab. 

Natürlich durfte in Butzbach Friedrich Ludwig Weidig, der Namenspatron der Wetterau-Stadt, nicht fehlen. Dieser maßgebliche Vormärz-Revolutionär wirkte zu seiner Zeit als evangelischer Theologe, Pädagoge, Publizist und Turnpionier. Er arbeitete vornehmlich als Lehrer in Butzbach, kurzzeitig als Pfarrer in Ober-Gleen. Aus seinen Briefen, Texten und Predigten der Jahre 1819 bis 1834 las Christian Suhr. 

Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht im Deutschen Reich durchgesetzt. Als erste Frau im damaligen Reichstag hielt Marie Juchacz am 19. Februar 1919 ihre berühmte Rede: Melanie Linzer schlüpfte in ihre Rolle. Knapp 14 Jahre später, am 23. März 1933, hielt Otto Wels seine Reichstagsrede gegen das Ermächtigungsgesetz. Er sah darin die Gefahr für die Freiheit, di e von den Nationalsozialisten ausginge, voraus. Es war für lange Zeit die letzte freie Rede. In Butzbach las sie Alexander Valerius. 

Konrad Adenauer hielt am 8. Mai 1949 eine Ansprache nach der Abstimmung über das Grundgesetz im Parlamentarischen Rat. Diese Rede präsentierte Oliver Kai Müller. Das Grundgesetz wurde in diesem Jahr 70 Jahre alt. Drei der Schauspieler aus Riedstadt sprachen die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789. 

Das vierköpfige Ensemble gestaltete dann aus „Dantons Tod“ die siebte Szene des zweiten Aktes. Dieses Stück hatte Georg Büchner 1835 geschrieben. Als Abschluss sangen die Schauspieler dann noch die französische „Marseillaise“ – das wohl berühmteste Freiheitslied der Welt und Nationalhymne Frankreichs. 

Leider waren am Samstag nur wenige Besucher auf den Marktplatz gekommen. Aber die aufmerksamen Zuhörer bedankten sich mit kräftigem Applaus. 

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